Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

Ubuntu: Systemwiederherstellung - Anleitung

Vor Kur­zem fuhr ich in ei­nem über­füll­ten ICE nach Leip­zig, um mir un­ter an­de­rem ein Stück auf der Schau­büh­ne Lin­den­fels an­zu­se­hen. Auf mei­nem Schoß ar­bei­te­te ich wäh­rend der Fahrt mit mei­nem Ubuntu-Laptop, als mein Sitz­nach­bar das Fol­gen­de ver­lau­ten ließ: „Ah Ubun­tu, kenn” ich! Hab” ich zu gro­ße Angst stän­dig was ka­putt zu ma­chen.” In Wahr­heit ist es je­doch so, dass Neu­lin­ge an ih­rer Linux-Distribution gar nichts zer­stö­ren kön­nen und es eher die ex­pe­ri­men­tier­freu­di­ge­ren, er­fah­re­nen Be­nut­zer sind, die re­gel­mä­ßig dazu ge­zwun­gen wer­den, eine fri­sche Ko­pie von Ubun­tu auf­zu­spie­len.

Bild von Ubuntu SystemwiederherstellungDie Neu­in­stal­la­ti­on ist für An­wen­der ei­nes Ubuntu-Betriebssystems ab der Ver­si­on 14.04 nicht mehr nö­tig, da Sie von nun an auch Sys­tem­wie­der­her­stel­lungs­punk­te (eng­lisch sys­tem res­to­re points) an­le­gen kön­nen. Da­mit ist ein Hard­ware­tausch ohne Neu­in­stal­la­ti­on und das au­to­di­dak­ti­sche Ler­nen an Sys­tem­da­tei­en mög­lich, ohne dass Sie be­fürch­ten müs­sen, Ihr Ubun­tu ir­repa­ra­bel zu be­schä­di­gen.

In die­ser An­lei­tung er­fah­ren Sie, was Sie für ein Ubun­tu Sys­tem­back­up al­les be­nö­ti­gen, und wie Sie die Sys­tem­wie­der­her­stel­lung un­kom­pli­ziert vor­neh­men.

Installation von Systemback

Um Sys­tem­wie­der­her­stel­lungs­punk­te in Ih­rem Sys­tem set­zen zu kön­nen, emp­feh­le ich die Free­ware Sys­tem­back, wel­che Sie fol­gen­der­ma­ßen in­stal­lie­ren:

  1. Öff­nen Sie ein Terminal-Fenster.
  2. Fü­gen Sie die PPA sudo add-apt-repository ppa:nemh/systemback hin­zu.
  3. Ak­tua­li­sie­ren Sie Ihre Quel­len mit sudo apt-get update.
  4. In­stal­lie­ren Sie Sys­tem­back mit sudo apt-get install systemback.

Bild von einem Datenträger (künstlerisch)Hin­wei­se: Sys­tem­back setzt Sys­tem­wie­der­her­stel­lungs­punk­te, um bei Feh­lern das Sys­tem (/root) wie­der in ei­nen funk­tio­nie­ren­den Aus­gangs­zu­stand zu ver­set­zen. Zwar las­sen sich eben­so ein­zel­ne Ver­zeich­nis­se (/home) mit in die Da­ten­si­che­rung ein­be­zie­hen, den­noch ist Sys­tem­back kei­ne Backup-Software im klas­si­schen Sin­ne. Die Free­ware funk­tio­niert erst ab Ubun­tu 14.04 LTS und mit Nach­fol­ge­ver­sio­nen. Egal, was Sie mit Sys­tem­back vor­ha­ben, Sie be­nö­ti­gen im­mer Ad­mi­nis­tra­to­ren­rech­te (sudo).

Systemwiederherstellungspunkt unter Ubuntu

Bei der Er­stel­lung ei­nes Back­ups ist der Spei­cher­ort be­son­ders wich­tig. Sys­tem­back schlägt hier Ihr Home-Verzeichnis vor. Bes­ser wäre na­tür­lich ein neu­tra­ler, even­tu­ell ver­schlüs­sel­ter Da­ten­trä­ger.

Zum Er­stel­len ei­nes Sys­tem­wie­der­her­stel­lungs­punk­tes öff­nen Sie zu­nächst Sys­tem­back und ge­hen an­schlie­ßend wie folgt vor:

  • Le­gen Sie ei­nen Spei­cher­ort fest und blät­tern Sie auf die zwei­te Sei­te des Aus­wahl­me­nüs. Wäh­len Sie an­schlie­ßend den Me­nü­punkt „Ein­schlies­sen” aus.
  • Hier ha­ben Sie nun die Mög­lich­keit fest­zu­le­gen, wel­che Da­tei­en und Ord­ner au­ßer­halb des Wur­zel­ver­zeich­nis­ses ge­si­chert wer­den sol­len. Möch­ten Sie nur Ihr Ubuntu-System si­chern, dann kön­nen Sie die­sen Schritt aus­las­sen.
  • Im An­schluss le­gen Sie ei­nen Slot un­ter „Wie­der­her­stel­lungs­punk­te” fest und be­stä­ti­gen mit „Neu er­stel­len”.
  • Sys­tem­back wird dar­auf­hin da­mit be­gin­nen ei­nen neu­en Sys­tem­wie­der­her­stel­lungs­punkt an­zu­le­gen.

Tipp: Im­mer be­vor Sie et­was Grund­le­gen­des an Ih­rem Sys­tem än­dern, soll­ten Sie ei­nen Sys­tem­wie­der­her­stel­lungs­punkt an­le­gen. Alte Sys­tem­mar­ken kön­nen mit zwei Klicks über Sys­tem­back ge­löscht wer­den. Es ist nicht nö­tig, vor je­dem Ubuntu-Update eine Da­ten­si­che­rung an­zu­le­gen, son­dern nur, wenn Sie ma­nu­ell et­was an Da­tei­en oder an Ih­rer Hard­ware än­dern.

Ubuntu startet nicht - Systemwiederherstellung

Soll­te nun der Fall ein­tre­ten, dass Ubun­tu nicht mehr star­tet, müs­sen Sie die Sys­tem­wie­der­her­stel­lungs­da­tei ein­pfle­gen. Hier­für bie­tet Sys­tem­back ver­schie­de­ne Op­tio­nen.

Eine Mög­lich­keit Ihr Sys­tem wie­der zu­rück­zu­set­zen funk­tio­niert, in­dem Sie Ubun­tu neu in­stal­lie­ren. Auf das fri­sche Sys­tem in­stal­lie­ren Sie dar­auf­fol­gend Sys­tem­back und fü­gen Ih­ren Sys­tem­wie­der­her­stel­lungs­punkt über den Me­nü­punkt „Sys­tem­wie­der­her­stel­lung” ein.

Er­fah­rung: Wenn Sie nicht ge­ra­de an­de­re Ord­ner oder Da­tei­en in die Da­ten­si­che­rung mit­ein­be­zo­gen ha­ben, ist die­se Art der Sys­tem­wie­der­her­stel­lung re­la­tiv nutz­los. Ich emp­feh­le des­halb das „Live Sys­tem”. Da­bei wird der IST-Zustand Ih­res Sys­tems ge­spie­gelt.

  • Wäh­len Sie dazu den Me­nü­punkt „Er­stel­le Live Sys­tem” aus. Die­ser Vor­gang wird ei­ni­ge Zeit in An­spruch neh­men.
  • Nach Ab­schluss der Ope­ra­ti­on kli­cken Sie auf die Schalt­flä­che „In eine ISO um­wan­deln”.
  • Bren­nen Sie die ISO-Datei auf eine DVD.

Ist Ihr Ubun­tu ir­repa­ra­bel zer­stört, boo­ten Sie die­se DVD und fol­gen Sie dem In­stal­la­ti­ons­me­nü.

Fazit

Mein Bü­ro­sys­tem (Ku­bun­tu), an dem ich am meis­ten ar­bei­te, läuft seit Juli 2012. Durch die rich­ti­ge Sys­tem­auf­tei­lung und die Be­nut­zung von sys­tem­un­ab­hän­gi­gen Da­ten­trä­gern konn­te ich pro­blem­los Hard­ware tau­schen und das Sys­tem auf die neus­te LTS-Version up­gra­den, ohne ei­nen Da­ten­ver­lust zu er­lei­den. Durch die mit Ver­si­on 14.04 LTS hin­zu­ge­kom­me­ne Funk­ti­on Sys­tem­wie­der­her­stel­lungs­punk­te an­zu­le­gen, habe ich ei­nen wei­te­ren Si­che­rungs­me­cha­nis­mus ge­won­nen.

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(Screen­shots: Sys­tem­back 1.7 & Ubun­tu 14.04.3 LTS)

Ubuntu: Aktualisierungen sehr langsam - Lösung

Die re­gel­mä­ßi­ge Ak­tua­li­sie­rung von Ubun­tu ist wich­tig, um Ihre Linux-Distribution vor Schad­soft­ware zu schüt­zen. Sie ver­schie­ben Up­dates ger­ne, da das Her­un­ter­la­den der neu­en Da­ten­pa­ke­te im­mer sehr lang­sam von­stat­ten­geht? Dann soll­ten Sie un­be­dingt han­deln. Im Ge­gen­satz zu Win­dows kön­nen Sie un­ter Ubun­tu näm­lich selbst fest­le­gen, aus wel­cher Re­gi­on Sie die Ak­tua­li­sie­run­gen be­zie­hen möch­ten. Nach der Ka­li­brie­rung des Spie­gel­ser­vers soll­ten Ubuntu-Updates wie­der in Win­des­ei­le auf Ih­rem Sys­tem­da­ten­trä­ger ge­spei­chert wer­den. In­fol­ge­des­sen ha­ben Sie kei­nen Grund mehr, Ihr Be­triebs­sys­tem nicht auf dem neus­ten Stand zu hal­ten.

Die Gründe für langsame Updates

Bild von Ubuntu Aktualisierung beschleunigenDas Un­ter­neh­men hin­ter Ubun­tu heißt Ca­no­ni­cal und sitzt in Lon­don. Von dort wer­den sys­tem­re­le­van­te Ak­tua­li­sie­run­gen mehr­mals im Mo­nat aus­ge­lie­fert. Da­mit nicht alle Ubuntu-Benutzer ihre Up­dates aus Eng­land be­zie­hen müs­sen, be­treibt Ca­no­ni­cal in ver­schie­de­nen Län­dern welt­weit so­ge­nann­te Haupt-Server. Als Sie da­mals Ubun­tu in­stal­liert ha­ben, hat sich Ihre Linux-Distribution au­to­ma­tisch ei­nen die­ser Spie­gel­ser­ver her­aus­ge­sucht. Seit­dem er­hal­ten Sie jede Ak­tua­li­sie­rung von die­sem Stand­ort.

Fol­gen­de Ur­sa­chen sind für lang­sa­me Up­dates ver­ant­wort­lich:

  1. Ihr Spie­gel­ser­ver wird von zu vie­len Ubuntu-Benutzern ver­wen­det und ist da­durch zu stark aus­ge­las­tet.
  2. Sie sind um­ge­zo­gen oder viel mo­bil im In­ter­net und ha­ben da­durch eine zu schlech­te Ver­bin­dung zum da­mals fest­ge­leg­ten Haupt-Server.

Hin­weis: Auf­grund der ste­tig wach­sen­den An­zahl neu­er Ubuntu-Benutzer, die sich noch nicht mit der Ma­te­rie aus­ken­nen, ste­hen die Haupt-Server von Ca­no­ni­cal ge­ne­rell un­ter gro­ßer Be­las­tung.

Screenshot von Ubuntu Haupt-Server für Aktualisierungen

Zum Glück bie­ten auch Uni­ver­si­tä­ten und ver­trau­ens­wür­di­ge Web­hos­ting­an­bie­ter Tei­le ih­rer Res­sour­cen an, um Up­dates der kos­ten­lo­sen Linux-Distribution schnell zu ver­brei­ten. Da­mit Sie die­se An­ge­bo­te an­neh­men kön­nen, müs­sen Sie nur Ih­ren Update-Server wech­seln.

Spiegelserver für Ubuntu-Updates wechseln

Um ei­nen schnel­le­ren Spie­gel­ser­ver für Ubuntu-Updates ein­zu­set­zen, ist zu­nächst ein Be­such in der Ak­tua­li­sie­rungs­ver­wal­tung nö­tig. Die­ses Menü er­rei­chen Sie über die Ubun­tu Dash-Startseite.

Screenshot von Ubuntu Aktualisierungsverwaltung

Kli­cken Sie in der Ak­tua­li­sie­rungs­ver­wal­tung auf die Schalt­flä­che „Ein­stel­lun­gen”. Da­mit öff­nen Sie das Menü An­wen­dun­gen & Ak­tua­li­sie­run­gen.

  • Na­vi­gie­ren Sie in die­sem Me­nü­fens­ter in den Rei­ter „Ubuntu-Anwendungen” und kli­cken Sie auf die URL hin­ter „Her­un­ter­la­den von”.

Screenshot von Ubuntu Anwendungen & Aktualisierungen

Be­stä­ti­gen Sie nun Ihre Ein­ga­be über den Me­nü­punkt „An­de­re” und war­ten Sie, bis Ih­nen sämt­li­che Ubuntu-Server an­ge­zeigt wer­den.

Screenshot von Ubuntu: Besten Server auswählen

Um her­aus­zu­fin­den, wel­cher Spie­gel­ser­ver zu Ih­nen die schnells­te Ver­bin­dung hat, müs­sen Sie an­schlie­ßend auf die Schalt­flä­che „Bes­ten Ser­ver aus­wäh­len” kli­cken.

  • Hin­weis: Da­mit star­ten Sie ei­nen Speed­test, der ei­ni­ge Zeit in An­spruch nimmt. Las­sen Sie Ih­ren Com­pu­ter wäh­rend die­ser Zeit un­be­rührt ar­bei­ten.

Screenshot von Ubuntu: Wählen Sie einen Spiegelserver

So­bald der Ver­bin­dungs­test ab­ge­schlos­sen ist, be­kom­men Sie den für Sie bes­ten Spie­gel­ser­ver farb­lich mar­kiert prä­sen­tiert. Mit der Schalt­flä­che „Ser­ver aus­wäh­len” ha­ben Sie gleich die Ge­le­gen­heit, den neu­en Update-Server zu spei­chern.

  • Wich­tig: Das Fest­le­gen ei­nes neu­en Spie­gel­ser­vers er­for­dert das Ad­mi­nis­tra­to­ren­kenn­wort.

Wissenswertes und Tipps für schnelle Ubuntu-Updates

Wun­dern Sie sich nicht, falls Sie in Pforz­heim Ost­stadt woh­nen und der bes­te Spie­gel­ser­ver für Sie in Han­no­ver steht. Eine schnel­le In­ter­net­ver­bin­dung hat näm­lich nur sel­ten et­was mit geo­gra­phi­scher Nähe zu tun.

  • Auch wenn Sie auf Spie­gel­ser­ver aus­wei­chen, die nicht Ca­no­ni­cal ge­hö­ren, er­hal­ten Sie trotz­dem im­mer die neus­ten Ak­tua­li­sie­run­gen. Die Ver­tei­lung der Ori­gi­nal­da­ten aus Eng­land dau­ert un­ter den ein­zel­nen Ser­vern nur we­ni­ge Mi­nu­ten.

Wenn Sie Ubun­tu auf ei­nem trag­ba­ren Com­pu­ter ver­wen­den und viel mo­bil im In­ter­net un­ter­wegs sind, soll­ten Sie über­le­gen, das Ubuntu-Update zu au­to­ma­ti­sie­ren.

Da­für, dass Sie am Ende des Ubuntu-Updates in der Re­gel kei­ne Ver­än­de­rung fest­stel­len, ist die­ser Vor­gang je­doch äu­ßerst zeit­in­ten­siv und soll­te des­halb au­to­ma­ti­siert wer­den.

Sa­scha: Ubun­tu voll­stän­dig au­to­ma­tisch up­daten – An­lei­tung. kilobyte.bplaced.net (10/2015).

So­mit wer­den sämt­li­che Ak­tua­li­sie­run­gen um­ge­hend in­stal­liert. Das ver­hin­dert, dass sich gro­ße Da­ten­vo­lu­men an­stau­en, die wie­der­um viel Band­brei­te be­nö­ti­gen wür­den.

Fazit: Keine Angst vor dem Aktualisieren von Ubuntu

Als Ubuntu-Anwender soll­ten Sie im­mer eine LTS-Version ver­wen­den, die sich im Sup­port­zeit­raum be­wegt. Dann kön­nen Sie jede Ak­tua­li­sie­rung sor­gen­frei in­stal­lie­ren.

Feh­ler beim Kon­fi­gu­rie­ren der Windows-Updates. Än­de­run­gen wer­den rück­gän­gig ge­macht. Schal­ten Sie den Com­pu­ter nicht aus.

Sämt­li­che Da­ten­pa­ke­te wur­den be­reits aus­gie­big ge­tes­tet, was der­ar­ti­ge Feh­ler­mel­dun­gen aus­schließt.

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Ubun­tu: Alte Ver­si­on in­stal­liert - Aus­wir­kun­gen

(Screen­shots: Ubun­tu 16.04.2 LTS)

Ubuntu - Antivirenprogramm

Im Jah­re 2002 habe ich ein­mal ei­nem gu­ten Freund ei­nen ei­gens pro­gram­mier­ten Vi­rus für Win­dows XP per E-Mail ge­schickt. Die EXE-Datei be­inhal­te­te ei­nen Bild­schirm­scho­ner mit ei­nem tan­zen­den Baby. Nach dem Aus­füh­ren der Da­tei in­stal­lier­te sich je­doch zu­dem ein Script für den In­ter­net Ex­plo­rer 6 und es wur­de ein Ein­trag im Windows-Autostart er­zeugt. Im­mer wenn der In­ter­net Ex­plo­rer dar­auf­hin ge­star­tet wur­de, öff­ne­te der Web­brow­ser 3000 Mal eine rus­si­sche Por­no­sei­te, was die da­ma­li­ge Hard­ware an ihre Gren­zen brach­te.

Bild von Ubuntu VirusBei ei­nem Neu­start des PCs wur­de die Brow­ser­soft­ware au­to­ma­tisch wie­der ge­star­tet und die rus­si­schen Schön­hei­ten brach­ten den Com­pu­ter er­neut zum Ab­stür­zen. Was ich für die Er­stel­lung die­ser Da­tei brauch­te, hol­te ich mir aus dem In­ter­net. Das Gan­ze dau­er­te viel­leicht 30 Mi­nu­ten. Der­sel­be Freund schick­te mir im Ge­gen­zug ei­ni­ge Wo­chen spä­ter eine Excel-Datei, an­geb­lich eine Kof­fer­pack­lis­te für den an­ste­hen­den Cam­ping­ur­laub. Das Ma­kro in der Ta­bel­len­kal­ku­la­ti­on star­te­te mei­nen Rech­ner neu und lösch­te vor­her noch die Fonts aus Win­dows.

Sie wis­sen, wor­auf ich hin­aus will - es ist bru­tal ein­fach, eine Schad­soft­ware für Win­dows zu er­stel­len.

Grafik über die Anzahl bekannter Viren für Ubuntu

Des­halb wa­ren im Jah­re 2014 rund 36 Mil­lio­nen Vi­ren, Tro­ja­ner, Wür­mer und Co. für Win­dows be­kannt. Aus die­sem Grund weiß je­des Kind, dass Mi­cro­soft Be­triebs­sys­te­me nur in Ver­bin­dung mit An­ti­vi­ren­pro­gram­men wie Avast, Avi­ra An­ti­Vir oder Nor­ton Se­cu­ri­ty be­trie­ben wer­den soll­ten. Doch wie sieht es mit Ubun­tu aus?

Für Ubuntu ein Antivirenprogramm?

Be­mü­hen Sie eine Such­ma­schi­ne Ih­rer Wahl nach die­ser Fra­ge, ge­ben die meis­ten An­wen­der des be­lieb­ten Debian-Derivats un­ge­fähr die­se Ant­wort:

Zu­sam­men­fas­sung: Du brauchst kei­nen Vi­ren­scan­ner für Li­nux!

LinuxMint77: Ubun­tu An­fän­ger: Fire­wall bzw. Vi­ren­schutz wich­tig? forum.ubuntuusers.com (08/2015).

Die­se Mei­nung ist des­halb so weit ver­brei­tet, da das In­fi­zie­ren ei­nes Li­nux­sys­tems nur sehr schwer mög­lich ist.

  • Da­mit ein Vi­rus, Tro­ja­ner oder Wurm in­stal­liert wird, muss zu­vor eine Ak­ti­on statt­ge­fun­den ha­ben. Un­ter Win­dows führt der Be­nut­zer in den al­ler­meis­ten Fäl­len eine EXE-Datei aus. In der be­rüch­tig­ten Setup.exe kann zu­nächst ein­mal al­les sein, denn die Da­tei­en wer­den be­kannt­lich erst nach dem Aus­füh­ren au­to­ma­tisch ent­packt.
  • Frü­her war es so­gar noch leich­ter ein Win­dows­sys­tem zu in­fi­zie­ren. Dies hing vor al­lem da­mit zu­sam­men, dass Mi­cro­soft Out­look Ex­press da­mals noch E-Mail-Anhänge (HTML-Code, GIFS, Java-Code, etc.) di­rekt nach dem An­kli­cken ei­ner neu­en E-Mail aus­führ­te.

War­um gibt es also so we­nig be­kann­te Vi­ren für Linux-Distributionen?

Screenshot von Textdatei für Linux-Programm

Im Ge­gen­satz dazu han­delt es sich bei Li­nux­pro­gram­men nach dem Ent­pa­cken des Ar­chivs in der Re­gel um Text­da­tei­en. Öff­nen Sie eine die­ser Da­tei­en, ste­hen dort für den Lai­en bloß eng­li­sche Wör­ter er­gänzt mit Satz­zei­chen.

  • Die­se Da­tei­en müs­sen erst über ein Terminal-Fenster kom­pi­liert wer­den und ver­selbst­stän­di­gen sich nicht beim Aus­füh­ren.

Es ist des­halb sehr un­wahr­schein­lich, dass je­mand ei­nen Vi­rus mit Text­da­tei­en ver­schickt und die An­lei­tung mit den Be­fehls­ket­ten zum In­stal­lie­ren bei­legt.

  • Ein wei­te­rer Grund für die sehr schlech­te Ver­brei­tung von Li­nuxvi­ren ist die gän­gi­ge In­stal­la­ti­ons­rou­ti­ne. Ap­pli­ka­tio­nen wer­den näm­lich fast aus­schließ­lich über das Ubun­tu Software-Center, Syn­ap­tic oder PPAs in­stal­liert.
  • Des Wei­te­ren wird bei Linux-Distributionen streng zwi­schen dem Be­nut­zer und dem Ad­mi­nis­tra­tor un­ter­schie­den. Wäh­rend­des­sen Sie in Ubun­tu ar­bei­ten, kön­nen Sie da­durch ma­xi­mal Ihr per­sön­li­ches Ver­zeich­nis lö­schen, das Be­triebs­sys­tem (/root) bleibt im­mer ge­schützt. Un­ter Win­dows ist es hin­ge­gen ge­wöhn­li­chen Be­nut­zern nicht nur mög­lich ohne Ad­mi­nis­tra­to­ren­rech­te Pro­gram­me zu in­stal­lie­ren, son­dern auch DLLs (Dy­na­mic Link Li­bra­ries) des Be­triebs­sys­tems zu ver­än­dern oder hin­zu­zu­fü­gen.

On a Win­dows sys­tem, pro­grams in­stal­led by a non-Administrative user can still add DLLs and other sys­tem files that can be run at a le­vel of per­mis­si­on that da­mages the sys­tem its­elf.

Gran­ne­mann, Scott: Li­nux vs. Win­dows Vi­ru­ses. theregister.co.uk (08/2015).

Schadsoftware hat sich sehr verändert

Kei­ner schreibt heut­zu­ta­ge mal eben ei­nen Vi­rus mehr, um sei­nen Freund zu är­gern. Durch die vor­an­schrei­ten­de Di­gi­ta­li­sie­rung sind ge­ziel­te At­ta­cken auf pri­va­te Rech­ner au­ßer­dem nicht mehr loh­nens­wert. Will hei­ßen, dass Ha­cker nicht mehr ver­su­chen, ei­nen Tro­ja­ner bei Frau Mül­ler zu in­stal­lie­ren, um an ihre Kre­dit­kar­ten­in­for­ma­tio­nen zu kom­men, son­dern sich lie­ber gleich di­rekt bei zen­tra­len Sam­mel­stel­len wie Online-Dienstleistern oder Ban­ken be­die­nen.

Eine in­ter­na­tio­na­le Gang hat [...] bis zu eine Mil­li­ar­de Dol­lar [...] durch Online-Attacken auf Ban­ken ge­stoh­len.

WeltN24 GmbH: Ha­cker steh­len Ban­ken fast eine Mil­li­ar­de Dol­lar. n24.de (08/2015).

Glei­ches gilt für die Er­pres­sung mit Nackt­bil­dern oder sons­ti­gen per­sön­li­chen Do­ku­men­ten.

Ver­mut­lich durch eine Schwach­stel­le in App­les iCloud-Dienst konn­ten Ha­cker Nackt­fo­tos von Pro­mi­nen­ten wie den Schau­spie­le­rin­nen Mi­chel­le Kee­gan [...] ent­wen­den.

Schme­rer, Kai: Ha­cker steh­len Nackt­fo­tos von Pro­mi­nen­ten. itespresso.de (08/2015).

Zwi­schen­fa­zit

Un­ter der Prä­mis­se, dass klas­si­sche Vi­ren un­be­deu­tend ge­wor­den sind und das In­fi­zie­ren ei­nes pri­va­ten Ubuntu-Rechners mit die­ser Schad­soft­ware sehr schwer ist, ha­ben all die­je­ni­gen recht, die be­haup­ten, es sei kein An­ti­vi­ren­pro­gramm für Ubun­tu not­wen­dig.

Doch, was ist mit Spy­wa­re? Die­se Schad­soft­ware ge­langt selbst­stän­dig über Schwach­stel­len im Web­brow­ser (Plug-ins) bzw. Flash und Java auf Ihr Be­triebs­sys­tem, späht Ihr Nut­zer­ver­hal­ten aus und ver­sucht die­ses eben­falls zu be­ein­flus­sen. Die­se Schad­soft­ware nennt sich PUA (Po­ten­ti­al­ly Un­wan­ted Ap­p­li­ca­ti­on) und ist auch un­ter Ubun­tu ein Pro­blem. Spy­wa­re wirkt sich haupt­säch­lich auf Ihr In­ter­net­ver­hal­ten aus, in­dem die­se:

  • Merk­wür­di­ge Wer­bung (meis­tens Por­no­gra­phie) auf al­len Web­sei­ten an­zeigt.
  • Die Start­sei­te des Web­brow­ser und/oder die Le­se­zei­chen än­dert.
  • Su­per­coo­kies spei­chert, die Ihr Surf­ver­hal­ten an eine Sam­mel­stel­le schi­cken.
  • Ver­sucht Log-in Da­ten aus­zu­spä­hen.
  • Ihre Com­pu­ter­res­sour­cen miss­braucht, um Da­ten­pa­ke­te zu be­rech­nen.

Neue Spy­wa­re, Ad­ware, Risk­wa­re und Sca­re­ware fällt im­mer mehr un­ter die Ka­te­go­rie Mul­ti­sys­tem­vi­rus und funk­tio­niert gleich­zei­tig un­ter Win­dows, Mac OS X und Ubun­tu.

Wie schütze ich Ubuntu vor Viren?

Screenshot von ClamTk 5.20 Ubuntu 16.04 LTSEin star­ker Vi­ren­scan­ner ge­gen hart­nä­cki­ge PUA, die auch auf Ih­rem Sys­tem be­stehen bleibt, selbst wenn Sie re­gel­mä­ßig Ubun­tu samt Web­brow­ser auf­räu­men, ist ClamTk. Sie er­hal­ten das kos­ten­lo­se An­ti­vi­ren­pro­gramm aus den of­fi­zi­el­len Quel­len am bes­ten über das Ubun­tu Software-Center. Al­ter­na­tiv ha­ben Sie die Mög­lich­keit, die ste­tig ge­pfleg­te Free­ware über ein Terminal-Fenster mit­hil­fe des Be­fehls sudo apt-get install clamtk zu in­stal­lie­ren.

  • Hin­weis: Im Ge­gen­satz zu An­ti­vi­ren­pro­gram­men für Win­dows muss ClamTk nicht im­mer aus­ge­führt sein. Der Scan­ner funk­tio­niert ähn­lich wie CClea­ner und sucht ne­ben klas­si­schen Vi­ren be­son­ders nach Spy­wa­re.

Nach der In­stal­la­ti­on soll­ten Sie über den Me­nü­punkt „Ein­stel­lun­gen” zu­al­ler­erst fest­le­gen, wie und nach wel­cher Schad­soft­ware ge­sucht wer­den soll.

Screenshot von Einstellungsmenü von ClamTk 5.20 für Ubuntu 16.04 LTS

Set­zen Sie dazu ein­fach Häk­chen. Prin­zi­pi­ell kön­nen Sie hier alle Op­tio­nen ak­ti­vie­ren. Um die Su­che nach Schad­soft­ware zu be­gin­nen, wäh­len Sie den Me­nü­punkt „Ei­nen Ord­ner über­prü­fen” an.

Screenshot von möglichen Bedrohungen, die durch ClamTk 5.20 für Ubuntu gefunden wurden

Dar­auf­hin öff­net sich Ihr Da­tei­ma­na­ger. Mar­kie­ren Sie im nächs­ten Schritt den Ein­trag „Da­tei­sys­tem” und be­stä­ti­gen Sie mit „OK”. ClamTk wird Ih­ren Sys­tem­da­ten­trä­ger dar­auf­fol­gend un­ter­su­chen.

Spyware wurde gefunden - was tun?

Nach­dem die Su­che be­en­det wur­de, wird Ih­nen die ge­fun­de­ne Schad­soft­ware de­tail­liert prä­sen­tiert.

Screenshot von ClamTk: Ergebnisse der Virensuche

Zu gu­ter Letzt müs­sen Sie nur noch die un­er­wünsch­ten Ein­trä­ge mar­kie­ren und mit „Lö­schen” be­stä­ti­gen.

  • Wich­tig: ClamTk er­kennt eben­falls Win­dows­vi­ren in E-Mails, falls sich sol­che in Ih­rem Mo­zil­la Thun­der­bird be­fin­den, und schützt Sie so­mit vor dem un­ab­sicht­li­chen Ver­schi­cken an po­ten­zi­el­le Op­fer.

Be­nut­zen Sie un­ter Ubun­tu auch Win­dows­soft­ware mit­hil­fe von Wine? Dann fin­det auch hier eine Er­ken­nung statt. Al­ler­dings soll­ten Sie die Fun­de ge­nau be­gut­ach­ten, sonst kann es pas­sie­ren, dass die Soft­ware nach dem Lösch­vor­gang nicht mehr ge­star­tet wer­den kann.

Hin­weis: PUA in Ih­ren Web­brow­sern soll­ten Sie ohne dar­über nach­zu­den­ken lö­schen.

Die Vorteile von ClamTk im Überblick & Fazit

Mit ClamTk für Ubun­tu er­hal­ten Sie:

  • Ei­nen kos­ten­lo­sen Vi­ren­scan­ner, wel­cher fast täg­lich neue An­ti­vi­rus­de­fi­ni­tio­nen er­hält.
  • Eine gra­fi­sche Be­nut­zer­ober­flä­che in deut­scher Spra­che.
  • Ein Pro­gramm, wel­ches eben­so Schad­soft­ware für an­de­re Be­triebs­sys­te­me er­kennt.

Mer­ke: Bei Schad­soft­ware geht es wie bei al­len Din­gen im Le­ben nur ums Geld. Ver­trau­en Sie also nie­man­dem - auch nicht Ubun­tu.

It’s al­ways wise to use an­ti­vi­rus soft­ware.

Ed­wards, Wil­liam D.: Should I get an an­ti­vi­rus for Ubun­tu? security.stackexchange.com (08/2015).

Räu­men Sie re­gel­mä­ßig Ihre Sys­tem­fest­plat­te auf, lö­schen Sie In­ter­net­da­tei­en aus Ih­rem Brow­ser­cache, spie­len Sie Ak­tua­li­sie­run­gen im­mer zeit­nah ein und schi­cken Sie ClamTk des Öf­te­ren auf die Su­che. Da­mit tra­gen Sie ak­tiv dazu bei, dass das Pro­gram­mie­ren von Schad­soft­ware für Linux-Distributionen wei­ter­hin ein un­at­trak­ti­ves Ge­schäft bleibt.

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Um­fra­ge: Wel­ches Ubun­tu be­nut­zen Sie?

(Screen­shots: ClamTk 5.20 un­ter Ku­bun­tu 16.04.1 LTS)