Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

Ubuntu: Netzlaufwerk automatisch einbinden - Funktionsgarantie

Un­ter Ubun­tu kann es vor­kom­men, dass der haus­ei­ge­ne Pass­wort­ma­na­ger Se­ahor­se die hin­ter­leg­ten Zu­gangs­da­ten für ein Netz­lauf­werk oder ein Net­work At­ta­ched Sto­rage nicht wie­der­gibt. Beim Ein­hän­gen des ex­ter­nen Da­ten­trä­gers wer­den Sie vom Menü „Pass­wör­ter und Ver­schlüs­se­lung” zwar nach dem Mas­ter­pass­wort ge­fragt, müs­sen dann al­ler­dings trotz­dem je­des Mal die Login-Daten samt Do­mä­ne er­neut ein­ge­ben. Um sich die­se wie­der­keh­ren­de Pro­ze­dur zu er­spa­ren, kön­nen Sie Netz­lauf­wer­ke nach dem Start von Ubun­tu auch au­to­ma­tisch ein­bin­den las­sen.

Hal­lo Ki­lo­byte, ich bin Frei­be­ruf­ler mit zwei An­ge­stell­ten und set­ze auf den Agen­tur­com­pu­tern Ubun­tu 16.04 ein. [...] habe ich uns das NAS Synolo­gy DS216j ge­kauft, auf das wir über NFS zu­grei­fen. [...] Lei­der müs­sen wir die kom­plet­ten Zu­gangs­da­ten im­mer neu ein­ge­ben, da die ein­fach nicht ge­spei­chert blei­ben. Dar­auf­hin woll­te ich auf den Kli­en­ten die frei­ge­ge­be­nen Ord­ner vom NAS au­to­ma­tisch ohne vor­he­ri­ge Pass­wort­ab­fra­ge ein­bin­den las­sen. Pro­biert habe ich da­für die Me­tho­de von Sem­per­Vi­deo, die will bei uns aber auch nicht funk­tio­nie­ren.

Hein­rich, Tho­mas: Be­nö­ti­ge schnel­le Hil­fe von den Pro­fis zum The­ma NAS. E-Mail vom 15.05.2017.

Bild von Ubuntu NetzlaufwerkEin gro­ßer Nach­teil beim au­to­ma­ti­schen Ein­hän­gen ei­nes Netz­lauf­werks ist, dass die Ein­logg­da­ten zum NAS un­ver­schlüs­selt als Klar­text ge­spei­chert sind. Soll­te also bei Ih­nen der Ubun­tu Pass­wort­ma­na­ger Se­ahor­se De­fek­te auf­wei­sen, dann emp­feh­le ich Ih­nen KDE als neue Be­nut­zer­ober­flä­che. Auch im Da­tei­ma­na­ger Dol­phin ist es ohne Wei­te­res mög­lich, schi­cke Le­se­zei­chen zu Netz­lauf­wer­ken zu set­zen. Au­ßer­dem sind mit dem Pass­wort­ma­na­ger KWal­let alle Ihre hin­ter­leg­ten Zu­gangs­da­ten ver­schlüs­selt ge­spei­chert und wer­den zu­ver­läs­sig nach der Ein­ga­be des Mas­ter­pass­worts wie­der­ge­ge­ben.

Sie möch­ten lie­ber bei der Be­nut­zer­ober­flä­che Unity blei­ben und Ihr Netz­lauf­werk ohne die vor­he­ri­ge Ein­ga­be der Zu­gangs­da­ten ein­bin­den las­sen? Dann ha­ben Sie hof­fent­lich nicht eben­falls die An­lei­tung des YouTube-Kanals Sem­per­Vi­deo aus­pro­biert. Der Lö­sungs­weg der von mir sehr ge­schätz­ten Netz­ak­ti­vis­ten­grup­pe ist näm­lich nicht nur um­ständ­lich, son­dern vor al­lem auch un­voll­stän­dig.

Netzlaufwerk unter Ubuntu erstellen

Im ers­ten Schritt müs­sen Sie fest­le­gen, von wel­chem Ort Sie auf Ihr Netz­lauf­werk zu­grei­fen möch­ten. Ich emp­feh­le hier­für das Ver­zeich­nis „Per­sön­li­cher Ord­ner”.

Screenshot von neuem Ordner unter Ubuntu 16.04 LTS

Er­stel­len Sie dort ei­nen neu­en Ord­ner mit ei­nem Na­men Ih­rer Wahl. Öff­nen Sie als Nächs­tes ein neu­es Terminal-Fenster und na­vi­gie­ren Sie in die Sys­tem­da­tei fstab.

sudo nano /etc/fstab

Scrol­len Sie da­nach ganz nach un­ten und fü­gen Sie fol­gen­den neu­en Ein­trag hin­zu:

//192.168.1.44/Webbackup /home/sascha/Backups cifs defaults,username=admin,password=dschizya,iocharset=utf8,file_mode=0777,dir_mode=0777

Hin­weis: Set­zen Sie Ihre per­sön­li­chen Da­ten in die Code­zei­le ein. Die Syn­tax des Be­fehls darf da­bei nicht ver­än­dert wer­den.

Screenshot von Ubuntu 16.04.2 LTS /etc/fstab - Eintrag für Netzlaufwerk mit Schreibrechten

Sys­tem­da­tei fstab - Be­fehl zum au­to­ma­ti­schen Ein­hän­gen ei­nes Netz­lauf­werks hin­zu­fü­gen

Der Kon­so­len­be­fehl zum au­to­ma­ti­schen Ein­hän­gen ei­nes Netz­lauf­werks setzt sich fol­gen­der­ma­ßen zu­sam­men:

  1. IP-Adresse und Pfad zum frei­ge­ge­be­nen Ver­zeich­nis.
  2. Pfad zum neu er­stell­ten lo­ka­len Ord­ner, um auf das Netz­lauf­werk zu­zu­grei­fen.
  3. In­di­vi­du­el­le Zu­gangs­da­ten für Ihr NAS oder die frei­ge­ge­be­ne Fest­plat­te.
  4. Schreib­rech­te, um Da­tei­en auf dem Netz­lauf­werk spei­chern zu kön­nen.

Hin­weis: Der Ein­trag cifs steht für Com­mon In­ter­net File Sys­tem, was nichts wei­ter als das Netz­werk­pro­to­koll ist, wel­ches beim Da­ten­trans­fer ver­wen­det wird. Hin­ge­gen weist de­faults Ubun­tu un­ter an­de­rem an, das Netz­lauf­werk di­rekt nach dem Start des Be­triebs­sys­tems ein­zu­hän­gen.

Spei­chern Sie nach dem An­pas­sen des Be­fehls die Sys­tem­da­tei fstab mit der Tas­ten­kom­bi­na­ti­on Strg + O. Ver­las­sen Sie dar­auf­hin den Edi­tor Nano mit Strg + X.

Ein Netzlaufwerk unter Ubuntu verwenden

Star­ten Sie dar­auf­hin Ih­ren Com­pu­ter neu. Nach­dem Ubun­tu wie­der ge­la­den wur­de, wer­den Sie im Ver­zeich­nis „Per­sön­li­cher Ord­ner” fest­stel­len, dass sich das Aus­se­hen Ih­res lo­ka­len Netz­lauf­werk­ord­ners ge­än­dert hat.

Screenshot von blau eingefärbtem Ubuntu-Ordner

Tipp: Ih­nen ge­fällt das Sym­bol auf dem Ord­ner nicht? Dann fär­ben Sie die Ver­knüp­fung zu Ih­rem Netz­lauf­werk ein­fach mit­hil­fe von Fol­der Co­lor ein.

Die kos­ten­lo­se Mo­di­fi­ka­ti­on Fol­der Co­lor hilft Ih­nen da­bei, Ihr Be­triebs­sys­tem wei­ter zu per­so­na­li­sie­ren. Da­mit kön­nen Sie nicht nur Ord­ner in ver­schie­de­nen Far­ben ein­fär­ben, son­dern die­se auch mit klei­nen Sym­bo­len mar­kie­ren.

Sa­scha: In Ubun­tu Sym­bo­le än­dern – Op­tio­nen. kilobyte.bplaced.net (05/2017).

Ab so­fort sind Sie mit ei­nem Dop­pel­links­klick auf Ihre Netz­lauf­werk­ver­knüp­fung im Ver­zeich­nis „Per­sön­li­cher Ord­ner” di­rekt auf Ih­rem NAS. Eine vor­he­ri­ge Ab­fra­ge Ih­rer Login-Daten fin­det da­bei nicht statt.

Automatisches Einhängen ist einfach aber unsicher

Wie Sie se­hen, ist das au­to­ma­ti­sche Ein­hän­gen ei­nes Netz­lauf­werks un­ter Ubun­tu mit nur ei­nem Be­fehl mög­lich. Ver­ges­sen Sie da­bei al­ler­dings nie, dass die Zu­gangs­da­ten zum frei­ge­ge­be­nen Ord­ner auf Ih­rem NAS als Klar­text in der Sys­tem­da­tei fstab ste­hen.

Ach­ten Sie also ge­ra­de im Bü­ro­all­tag dar­auf, dass Ihre Mit­ar­bei­ter in den au­to­ma­tisch ein­ge­häng­ten Netz­lauf­wer­ken nur tri­via­le Do­ku­men­te spei­chern.

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Sie möch­ten alle Ihre On­line­zu­gän­ge mit ex­trem si­che­ren Pass­wör­tern schüt­zen? Dann soll­ten Sie ent­we­der be­son­ders ori­gi­nell oder cle­ve­rer als die an­de­ren In­ter­net­be­nut­zer sein. Falls Sie wie ich we­der das eine noch das an­de­re sind, kön­nen Sie al­ter­na­tiv auf ei­nen Pass­wort­ge­ne­ra­tor zu­rück­grei­fen. Für Ubun­tu gibt es zwei kos­ten­lo­se Ap­pli­ka­tio­nen, mit de­nen Sie Pass­wör­ter er­stel­len kön­nen, die heu­ti­ge Si­cher­heits­stan­dards volls­tens er­fül­len.

Bild von Passwortgenerator für UbuntuDoch gibt es über­haupt si­che­re Pass­wör­ter? Ei­gent­lich nicht, denn jede Kom­bi­na­ti­on lässt sich mit der Brute-Force-Methode kna­cken. Da­für sind al­ler­dings sehr vie­le Ver­su­che von­nö­ten, die ei­nem die Be­trei­ber der Online-Dienste nicht ge­stat­ten. Nach spä­tes­tens fünf fal­schen Ein­ga­ben ist Schluss und die IP-Adresse des An­grei­fers wird ge­sperrt. Ein Pass­wort ist also dann be­reits si­cher, wenn es ein real exis­tie­ren­der Mensch mit fünf Ver­su­chen nicht er­ra­ten kann.

Lei­der sind die meis­ten Pass­wör­ter tat­säch­lich noch Wör­ter, die sich in ei­nem Le­xi­kon oder Wör­ter­buch nach­schla­gen las­sen. Ein gro­ßer Feh­ler, denn das per­fek­te Pass­wort soll­te aus Mi­nus­keln, Ver­sa­li­en und Zif­fern be­stehen. Falls Ih­nen die Er­stel­lung sol­cher sinn­be­frei­ten Kom­bi­na­tio­nen schwer­fällt, dann nut­zen Sie ei­nen Pass­wort­ge­ne­ra­tor für Ubun­tu.

Ubuntu erstellt sichere Passwörter

Das be­lieb­tes­te Linux-Programm zum Er­stel­len von si­che­ren Pass­wör­tern nennt sich Pw­gen und wird über ein Terminal-Fenster be­dient.

sudo apt-get install pwgen

Gleich nach der In­stal­la­ti­on ge­ne­riert Ih­nen Pw­gen un­kom­pli­ziert Pass­wör­ter für alle Le­bens­la­gen. Falls Sie bei­spiels­wei­se eine acht­stel­li­ge Chif­fre be­nö­ti­gen, die mit al­len Online-Diensten funk­tio­niert, müs­sen Sie fol­gen­den Be­fehl ein­ge­ben:

pwgen -s

Wie Sie dem nach­fol­gen­den Bild ent­neh­men kön­nen, er­scheint dar­auf­hin eine kom­ple­xe Aus­wahl­lis­te mit Pass­wör­tern, wel­che die oben ge­nann­ten Si­cher­heits­an­for­de­run­gen er­fül­len.

Screenshot von Ubuntu Pwgen mit sicheren Passwörtern

Falls Sie für Ihr Pass­wort auch Son­der­zei­chen ver­wen­den dür­fen, dann ist die­ser Be­fehl das Rich­ti­ge für Sie:

pwgen -y

Auch in die­sem Fall ge­ne­riert Pw­gen eine acht­stel­li­ge Kom­bi­na­ti­on.

Screenshot eines Ubuntu Passwortgenerators

Dies ist für lo­ka­le An­wen­dun­gen ohne Schutz­me­cha­nis­mus na­tür­lich viel zu kurz. Ich den­ke da­bei vor al­lem an ei­nen Da­ten­trä­ger, der mit Ver­aCrypt ver­schlüs­selt wer­den soll. Auch hier schafft Pw­gen Ab­hil­fe, in­dem Sie die ge­wünsch­ten Stel­len des Pass­worts ein­fach an den Be­fehl an­hän­gen:

pwgen -s 10

Hin­weis: Ein Pass­wort zum Ent­schlüs­seln ei­nes Me­di­ums soll­te aus min­des­tens 20 Zei­chen be­stehen.

Screenshot von zehnstelligem Passwort

Eine Auf­lis­tung al­ler Be­fehls­op­tio­nen er­hal­ten Sie mit:

pwgen --help

In mei­nen Au­gen ist Pw­gen der per­fek­te Pass­wort­ge­ne­ra­tor. Auch die ein­fa­che Be­die­nung über die Kon­so­le dürf­te Linux-Neulinge nicht ab­schre­cken.

Passwort erstellen lassen - die Zweite

Falls Sie trotz­dem et­was Angst vor Terminal-Fenstern ha­ben, gibt es für Ubun­tu eben­falls ei­nen Pass­wort­ge­ne­ra­tor mit gra­fi­scher Be­nut­zer­ober­flä­che. Die Free­ware heißt Re­ve­la­ti­on und ist ge­ne­rell ein voll­wer­ti­ger Pass­wort­ma­na­ger.

sudo apt-get install revelation

Un­ter Ubun­tu 16.04 LTS nimmt die In­stal­la­ti­on le­dig­lich 15 Me­ga­byte Sys­tem­spei­cher in An­spruch. Re­ve­la­ti­on lässt sich wie jede an­de­re Soft­ware über die Ubun­tu Dash-Startseite öff­nen und kommt völ­lig un­schein­bar da­her.

Screenshot von Revelation für Ubuntu 16.04 LTS

Nach dem Pro­gramm­start soll­ten Sie ein­ma­lig die Tas­ten­kom­bi­na­ti­on Strg + P drü­cken, um das ge­ne­rier­te Pass­wort auch se­hen zu kön­nen.

Wäh­len Sie als Nächs­tes den Rei­ter „An­sicht” aus und kli­cken Sie im An­schluss auf den Me­nü­punkt „Passwort-Generator”.

Screenshot von Revelation Ubuntu Passwortgenerator

Dar­auf­hin öff­net sich ein klei­nes Fens­ter, in die­sem Sie zu­nächst die ge­wünsch­te Län­ge des Pass­worts an­ge­ben kön­nen. Gleich da­nach soll­ten Sie fest­le­gen, ob Sie auch Son­der­zei­chen in Ih­rem Pass­wort ha­ben möch­ten.

  • Ha­ben Sie alle Ein­stel­lun­gen er­le­digt? Dann kli­cken Sie auf „Ge­ne­ra­te”. Das da­durch er­stell­te Pass­wort lässt sich be­quem mit der Maus aus dem Pro­gramm­fens­ter ko­pie­ren.

Falls Sie fest­stel­len, dass Sie doch lie­ber mit dem ver­gleichs­wei­se win­zi­gen Pw­gen ar­bei­ten, dann kön­nen Sie Re­ve­la­ti­on mit fol­gen­dem Be­fehl wie­der rest­los ent­fer­nen:

sudo apt-get remove revelation && sudo apt-get autoremove

Fazit: Wo lassen sich Passwörter speichern?

Es ist sehr schwer, die von Ge­ne­ra­to­ren er­stell­ten si­che­ren Pass­wör­ter im Ge­dächt­nis zu be­hal­ten. Dem­zu­fol­ge ist es völ­lig le­gi­tim, wenn Sie sich eine Text­da­tei mit Ih­ren Zu­gangs­da­ten zu Online-Diensten an­le­gen. Doch wo­hin mit die­ser hoch­sen­si­blen Da­tei?

Ich emp­feh­le hier­für ein ei­ge­nes Ver­zeich­nis, wel­ches mit Crypt­kee­per ver­schlüs­selt wur­de. Denn da­mit ist Ihre Pass­wort­da­tei nicht nur mit Ci­pher (Blow­fish) ge­si­chert, son­dern auch für un­au­to­ri­sier­te Be­nut­zer un­sicht­bar.

Durch die­ses De­sign ist der Ord­ner mehr­fach ge­schützt. Ein un­au­to­ri­sier­ter Be­nut­zer Ih­res Com­pu­ters weiß zu­nächst nicht, dass Sie über ei­nen ver­schlüs­sel­ten Ord­ner ver­fü­gen.

Sa­scha: Ubun­tu: Smar­te Al­ter­na­ti­ve zu Ver­aCrypt – Crypt­kee­per. kilobyte.bplaced.net (04/2017).

Wuss­ten Sie, dass auch heut­zu­ta­ge noch viel zu schwa­che Pass­wör­ter ver­wen­det wer­den? Ne­ben „123456” und „fi­cken” ist „p@ssw0rd” im­mer noch sehr be­liebt. Die­ser Um­stand hat auch et­was Gu­tes, denn sonst wür­den wir wohl nicht stän­dig die an­züg­li­chen Sel­fies un­se­rer ge­lieb­ten Pro­mis zu se­hen be­kom­men.

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Ubuntu: Alte Version installiert - Auswirkungen

Im April 2016 er­schien Ubun­tu 16.04 LTS. Wer die­ses Be­triebs­sys­tem di­rekt nach der Ver­öf­fent­li­chung auf sei­nem Rech­ner in­stal­liert hat und mit der Funk­tio­na­li­tät zu­frie­den ist, der kann sich fünf Jah­re lang zu­rück­leh­nen. In die­sem Zeit­raum wird das Sys­tem nur mit­hil­fe ei­ner In­ter­net­ver­bin­dung au­to­ma­tisch und gra­tis ge­pflegt. Doch was be­deu­tet das ei­gent­lich?

Hal­lo Ki­lo­byte, ich ver­wen­de auf mei­nem Büro-PC noch Ubun­tu 12.04.05 (32 Bit).  [...] Al­les läuft su­per schnell, ob­wohl ich noch ei­nen al­ten Pen­ti­um 4 HT habe. [...] Was wür­de pas­sie­ren, wenn ich im Früh­jahr 2017 ein­fach nicht up­grade?

Schlies­ser, Jo­sef: Al­tes Ubun­tu wei­ter­lau­fen las­sen mög­lich? E-Mail vom 12.06.2016.

Bild Ubuntu OutdatedIn­ner­halb des Sup­port­zeit­raums wird Ubun­tu ste­tig wei­ter­ent­wi­ckelt. Das be­deu­tet in ers­ter Li­nie, dass die Kom­pa­ti­bi­li­tät zu neu­er Hard­ware ge­stei­gert wird. Zu­dem sor­gen die Up­dates da­für, dass be­stehen­de Funk­tio­nen er­wei­tert und sta­bi­li­siert wer­den. Was wäre je­doch, wenn das Sys­tem be­reits bes­tens funk­tio­niert und Neue­run­gen un­nö­tig sind? Lan­ge Zeit ver­wen­de­te ich ei­nen AMD Ath­lon XP 2200+ in ei­nem spar­sa­men Sockel-A-System mit Ubun­tu 10.04 LTS.

Bild von AMD Athlon XP 2200+Gin­ge es nach mir, wür­de ich das­sel­be Sys­tem noch heu­te für mein Ho­me­of­fice ver­wen­den, da sich mei­ne Ein­satz­ge­bie­te an die­sem Stand­ort nicht ver­än­dert ha­ben. Lei­der muss­te ich mei­nen heiß ge­lieb­ten Com­pu­ter nach Ab­lauf des Sup­port­zeit­raums im Jah­re 2015 in Ren­te schi­cken, da die­ser Ubun­tu 12.04 LTS dank der Be­nut­zer­ober­flä­che Unity nicht mehr stem­men konn­te. Die Grün­de da­für, dass ich nicht ein­fach an mei­ner al­ten Ver­si­on fest­ge­hal­ten habe, sind viel­sei­tig.

Altes System - mangelnde Sicherheit

Be­kannt­lich gibt es für Linux-Distributionen kaum Schad­soft­ware.

  • Dies liegt dar­an, dass sich un­ter den vie­len Ak­tua­li­sie­run­gen auch Si­cher­heits­up­dates be­fin­den, die das Ein­nis­ten von Vi­ren & Co. er­schwe­ren.

Nach spä­tes­tens fünf Jah­ren stellt Ca­no­ni­cal die­sen Ser­vice für eine Ver­si­on ein und Ubun­tu be­hält si­cher­heits­tech­nisch den Sta­tus quo.

Ein wei­te­res Ar­gu­ment da­für, nicht an ei­ner al­ten Ubuntu-Version fest­zu­hal­ten ist, dass auch An­wen­dungs­soft­ware nicht wei­ter kom­pi­liert wird. Der letz­te Mo­zil­la Fire­fox für Ubun­tu 10.04 LTS ist die Ver­si­on 20.0.

Screenshot von Firefox 20.0 unter Ubuntu 10.04 LTS

Ein der­ma­ßen al­ter Web­brow­ser ist vor al­lem ein Ein­fall­tor für PUA.

Die­se Schad­soft­ware nennt sich PUA (Po­ten­ti­al­ly Un­wan­ted Ap­p­li­ca­ti­on) und ist auch un­ter Ubun­tu ein Pro­blem.

Sa­scha: Ubun­tu - An­ti­vi­ren­pro­gramm. kilobyte.bplaced.net (06/2016).

Wie Sie se­hen, ist ein al­tes Ubun­tu, wel­ches sich au­ßer­halb des Sup­port­zeit­raums be­fin­det ein gro­ßes Si­cher­heits­ri­si­ko. Zu­min­dest wenn das Be­triebs­sys­tem Zu­gang zum World Wide Web hat.

Mangelnde Funktionsvielfalt bei Applikationen

Ne­ben dem Si­cher­heits­as­pekt ver­liert ein be­tag­tes Ubun­tu eben­so rasch die Funk­ti­ons­viel­falt. Denn selbst­ver­ständ­lich wer­den auch Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gram­me und Mul­ti­me­dia­werk­zeu­ge nicht län­ger ak­tua­li­siert.

Screenshot von VLC Player Version unter Ubuntu 10.04 LTS

Mit dem letz­ten VLC Play­er in Ubun­tu 10.04 LTS wäre es nicht ein­mal mög­lich, ak­tu­el­le Film­for­ma­te un­ter­bre­chungs­frei an­zu­se­hen.

So wur­de bei­spiels­wei­se mit ei­nem Up­date des VLC Play­ers auf Ver­si­on 2.2.0 die Wie­der­ga­be von den Ultra-HD-Codecs VP9 und H.265/HEVC ver­bes­sert.

Sa­scha: Ubun­tu: VLC Play­er ak­tua­li­sie­ren – in drei Schrit­ten. kilobyte.bplaced.net (06/2016).

Dem­nach ist ein er­grau­tes Com­pu­ter­sys­tem mit ei­nem aus­ge­dien­ten Ubun­tu nur noch als bes­se­re Schreib­ma­schi­ne zu ge­brau­chen.

Computersystem mit Ubuntu lange behalten - Tipp

In der Weg­werf­ge­sell­schaft der Eu­ro­päi­schen Uni­on ist es vor al­lem in bil­dungs­fer­nen Schich­ten ein Aus­gren­zungs­kri­te­ri­um, nicht die ak­tu­ells­te Elek­tro­nik zu be­sit­zen.

Theo­re­tisch braucht kein Mensch ein iPho­ne 6, so­lan­ge das iPho­ne 4 sei­nen Dienst noch tut, aber er will doch die ak­tu­ells­te Ka­me­ra, weil er dann si­cher sein kann, dass sein Ge­rät auch die hips­te Di­gi­tal­ka­me­ra schlägt.

Leurs, Rai­ner: Weg­werf­ge­sell­schaft: Lang­le­big war frü­her. rp-online.de (06/2016).

In der Linux-Welt gilt mei­ner An­sicht nach das Ge­gen­teil. Auch mein oben ge­nann­ter 13 Jah­re al­ter Ath­lon XP 2200+ müss­te noch nicht auf den Wert­stoff­hof.

  • In mei­nem Selbst­test fand ich her­aus, dass selbst mein Sockel-A-System¹ noch pro­blem­los mit Lub­un­tu 16.04 LTS in der 32-Bit-Version funk­tio­niert.

Screenshot von Lubuntu Desktop 16.04 Xenial Xerus

Mit die­sem De­ri­vat könn­te ich mei­nen Old­ti­mer noch bis 2021 si­cher und sta­bil be­trei­ben.

Fazit

Bit­te nut­zen Sie kein al­tes Ubun­tu, wel­ches nicht mehr mit Si­cher­heits­up­dates ver­sorgt wird. Wenn Sie der­zeit in kei­ne neue Hard­ware in­ves­tie­ren möch­ten oder kön­nen, ha­ben Sie den­noch die Op­ti­on, ein ak­tu­el­les Ubun­tu zu ver­wen­den. Dazu ist es je­doch nö­tig, die „Hoch­glanz­dis­tri­bu­tio­nen” zu ver­las­sen.

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(Screen­shots: Ubun­tu 10.04 LTS & Lub­un­tu 16.04 LTS)
¹2048 Me­ga­byte Ar­beits­spei­cher & AMD Ra­de­on HD 3850.