Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

LibreOffice oder OpenOffice?

In der heu­ti­gen Zeit gibt es viel Ver­wir­rung im Be­zug auf Bü­ro­soft­ware. Der Pri­mus Mi­cro­soft hat sich mit dem Cloud-basierten Of­fice 365 end­gül­tig von Pri­vat­an­wen­dern, Klein­un­ter­neh­mern und Frei­be­ruf­lern ver­ab­schie­det. Nicht wei­ter schlimm, denn für die­se Grup­pen sind die kos­ten­lo­sen Office-Pakete Libre­Of­fice und Open­Of­fice oh­ne­hin die bes­se­re Wahl. War bis Ubun­tu 10.10 Open­Of­fice die Stan­dard­soft­ware, ist seit Ubun­tu 11.04 Libre­Of­fice in den Stan­dard­pa­ket­quel­len ent­hal­ten. War­um ist das so? Wo liegt über­haupt der Un­ter­schied zwi­schen den bei­den Soft­ware­lö­sun­gen? Muss ich bei ge­werb­li­cher Nut­zung die­ser Pa­ke­te et­was be­ach­ten? Die­sen Fra­gen gehe ich hier auf den Grund.

Unterschiede zwischen Libre und Open

Screenshot von Libre Office CalcDa­mit eine Soft­ware zu den Stan­dard­pa­ke­ten von Li­nux und des­sen De­ri­va­ten ge­hö­ren kann, muss die­se mit der GPL Li­zenz de­kla­riert sein. Kurz zu­sam­men­ge­fasst be­deu­tet die­se Li­zenz, dass Sie als End­nut­zer die Soft­ware, egal, ob pri­vat oder ge­schäft­lich im vol­len Um­fang kos­ten­los nut­zen kön­nen. Vor al­lem je­doch für Ent­wick­ler spielt die­se Li­zenz eine gro­ße Rol­le.

  • An Open Source Soft­ware ar­bei­ten in der Re­gel vie­le Hun­dert frei­wil­li­ge Ent­wick­ler mit. Der Code der Soft­ware liegt of­fen, je­der kann et­was ver­än­dern. Da­mit ge­hört die­se Art Soft­ware nie­man­dem und je­dem.
  • Bei Open­Of­fice wur­de bis Ende 2010 so ver­fah­ren. Schirm­herr­schaft über das Pro­jekt hat­te bis dato das Un­ter­neh­men Sun Mi­cro­sys­tems, wel­ches von Ora­cle über­nom­men wur­de.

Na­tür­lich hat Ora­cle die Fir­ma Sun Mi­cro­sys­tems nicht we­gen Open­Of­fice für 7,4 Mil­li­ar­den US-Dollar über­nom­men. Trotz­dem wur­den die Li­zenz­be­din­gun­gen mit so­for­ti­ger Wir­kung ge­än­dert. Zwar wur­de Open­Of­fice wei­ter als Open Source Soft­ware ge­führt, alle Ur­he­ber­rechts­an­sprü­che fie­len je­doch nun auf Ora­cle.

[...] when Ora­cle bought Sun, they im­me­dia­te­ly gai­ned com­ple­te and un­fet­te­red ow­nership of the co­py­right to all the code [...]

Mer­rill, Scott: Libre­Of­fice and OpenOffice.org: One Year Af­ter the Schism. techcrunch.com (11/2014).

Screenshot von LibreOffice DrawDar­auf­hin ver­lie­ßen vie­le Ent­wick­ler das Pro­jekt und grün­de­ten The Do­cu­ment Foun­da­ti­on und da­mit Libre­Of­fice, wel­ches auf dem Code vom da­ma­li­gen Open­Of­fice auf­baut. Libre­Of­fice wird un­ter GPL Li­zenz ver­öf­fent­licht und er­setz­te da­mit Open­Of­fice als Standard-Bürosoftware in bei­spiels­wei­se Ubun­tu oder De­bi­an. In­ter­es­san­ter­wei­se ver­lor Ora­cle dar­auf­hin das In­ter­es­se an Open­Of­fice und über­gab es der ge­mein­nüt­zi­gen Apa­che Soft­ware Foun­da­ti­on. Die­se ver­öf­fent­lich­te im Au­gust 2014 Open­Of­fice 4.1.1 un­ter der Apache-Lizenz 2.

Der Grund, war­um die Li­zenz nicht wie­der auf GPL ge­än­dert wur­de, liegt an der Aus­rich­tung des Pro­jekts. Open­Of­fice soll in Zu­kunft kein Ab­klatsch von Libre­Of­fice sein, son­dern sei­nen ei­ge­nen Weg mit ei­ge­ner Li­zenz ge­hen.

[...] is no de­si­re to di­rec­t­ly com­pe­te with Libre­Of­fice or any other open source pro­ject. The Apa­che OpenOffice.org com­mu­ni­ty are in­te­rested in crea­ting the best per­mis­si­ve­ly li­cen­sed sui­te of per­so­nal pro­duc­tivi­ty tools we can.

Gard­ler, Ross: Libre­Of­fice and OpenOffice.org: One Year Af­ter the Schism. techcrunch.com (11/2014).

Wich­tig: Egal, ob Sie Libre­Of­fice oder Open­Of­fice un­ter Linux-Distributionen, Win­dows oder Mac OS X nut­zen, für Sie als End­be­nut­zer än­dert sich nichts in den Li­zenz­be­din­gun­gen. Trotz Apache-Lizenz 2, ist Open­Of­fice eben­falls für ge­werb­li­che Zwe­cke wei­ter­hin kos­ten­los be­nutz­bar.

Ja, alle Mo­du­le und alle Ver­sio­nen von OpenOffice.org kön­nen zu je­dem Zweck, also auch ge­schäft­lich ge­nutzt wer­den.

Apa­che Open­Of­fice: FAQs Punkt 9. openoffice.org (11/2014).

Warum LibreOffice besser ist

Screenshot von LibreOffice ImpressGe­ra­de wir Deut­schen schimp­fen im­mer über die EU, dass es kei­ne ad­äqua­te eu­ro­päi­sche Lö­sung zu Goog­le und Co. gibt. Mit Libre­Of­fice ha­ben wir im Be­reich der Bü­ro­soft­ware so­gar eine füh­ren­de Lö­sung im ei­ge­nen Land. Zwar ar­bei­ten an Libre­Of­fice Ent­wick­ler al­ler Welt mit, der Sitz der ge­mein­nüt­zi­gen The Do­cu­ment Foun­da­ti­on ist al­ler­dings in Ber­lin. Je mehr Men­schen also Libre­Of­fice be­nut­zen, dar­an mit­ar­bei­ten und even­tu­ell so­gar durch Spen­den fi­nan­zi­ell un­ter­stüt­zen, umso mehr wird eine eu­ro­päi­sche All­tags­soft­ware eta­bliert. Zum Ver­gleich, Haupt­geld­ge­ber von Apa­che Open­Of­fice ist Goog­le, Face­book und Mi­cro­soft (Quel­le). Zy­ni­sche Men­schen könn­ten des­halb be­haup­ten Open­Of­fice sei ein wei­te­res De­ri­vat der NSA.

Des Wei­te­ren be­treibt Libre­Of­fice eine Schnitt­stel­le zwi­schen Be­nut­zern und Ent­wick­lern. So wer­den über das Wiki vor­han­de­ne Bugs oder feh­len­de Funk­tio­nen of­fen dis­ku­tiert und zeit­nah um­ge­setzt.

Oft­mals wird be­haup­tet, dass Libre­Of­fice kei­ne zeit­ge­mäß­ge Be­nut­zer­ober­flä­che hat.

Mei­nes Er­ach­tens nach ha­ben üb­ri­gens vie­le open source Pro­jek­te die­ses „Pro­blem”. Die Ent­wick­ler küm­mern sich um Funk­tio­na­li­tät und ver­ges­sen da­bei das De­sign. Ich den­ke, da­her dass vie­le Pro­jek­te er­heb­lich er­folg­rei­cher wä­ren, wenn sich der ein oder an­de­re mal in­ten­siv ein paar Tage mit dem UI aus­ein­an­der set­zen wür­de.

gurk27: Das Pro­blem von Libre/OpenOffice ist das UI. heise.de (11/2014).

Eine aktuelle LibreOffice Version installieren

Dies hat sich mei­nes Er­ach­tens sehr ge­än­dert. Sie soll­ten nur dar­auf ach­ten, eine ak­tu­el­le Libre­Of­fice Ver­si­on in­stal­liert zu ha­ben. De­bi­an 7 und Ubun­tu 12.04 ver­wen­den bei­spiels­wei­se stan­dard­mä­ßig noch Libre­Of­fice 3, ob­wohl es be­reits die Ver­si­on 4 gibt.

  1. Öff­nen Sie ein Terminal-Fenster.
  2. Ent­fer­nen Sie zu­nächst die be­stehen­de Libre­Of­fice Ver­si­on mit sudo apt-get remove --purge libreoffice-core libreoffice-common und sudo apt-get autoremove --purge.
  3. La­den Sie sich nun die ak­tu­ells­te Libre­Of­fice Ver­si­on her­un­ter.
  4. Na­vi­gie­ren Sie in Ih­ren Download-Ordner mit cd Downloads.
  5. Ent­pa­cken Sie die Da­tei mit tar -xvzf LibreOffice_4.2.7_Linux_x86-64_deb.tar.gz. (Ver­si­ons­num­mer an­pas­sen).
  6. Na­vi­gie­ren Sie in das Ver­zeich­nis der ent­pack­ten Da­tei mit cd LibreOffice_4.2.7.2_Linux_x86-64_deb/DEBS.
  7. In­stal­lie­ren Sie die neue Libre­Of­fice Ver­si­on mit sudo dpkg -i *.deb.

Schon pro­fi­tie­ren Sie von ei­ner mo­der­ne­ren Be­nut­zer­ober­flä­che und den neus­ten Funk­tio­nen.

Umstieg von OpenOffice problemlos möglich

Screenshot von LibreOffice Writer

Windows-Benutzer, die bis­her Open­Of­fice be­nutz­ten und auf Libre­Of­fice um­stei­gen möch­ten, kön­nen dies ohne Pro­ble­me tun. Auf­grund des­sen, dass Libre­Of­fice eben­falls die Da­tei­for­ma­te ODS, ODT usw. als Stan­dard ver­wen­det, kön­nen un­ter Open­Of­fice ge­spei­cher­te Do­ku­men­te, auch mit Libre­Of­fice, ganz nor­mal ge­öff­net und be­ar­bei­tet wer­den.

Fazit

Ich be­nut­ze so­wohl pri­vat als auch ge­schäft­lich sehr in­ten­siv den Libre­Of­fice Wri­ter und Calc. Ich habe bis­her noch kei­ne Funk­ti­on ver­misst und fin­de, dass die Be­nut­zer­ober­flä­che sehr dem Work­flow dient.

Wäh­rend­des­sen selbst Chi­na bis 2020 weg von Win­dows 8 und Mi­cro­soft Of­fice will, ver­ste­he ich bis heu­te nicht, war­um in deut­schen Schu­len nicht längst auf Open Source Soft­ware ge­setzt wird.

Ein er­schre­ckend schlech­tes Vor­bild gibt die baye­ri­sche Grund- und Mit­tel­schu­le Son­ne­feld ab. Hier wer­den schon die Jüngs­ten in die Arme und Cloud von Mi­cro­soft ge­trie­ben. War­um das eine der Ur­sa­chen da­für ist, dass deut­sche Be­hör­den nicht mit Li­nux oder Open Source Bü­ro­soft­ware ar­bei­ten können/wollen,

Die Frei­bur­ger Äm­ter sol­len von Open­Of­fice zu MS-Office mi­grie­ren. Das hat der Ge­mein­de­rat der Stadt Frei­burg im Breis­gau in sei­ner heu­ti­gen Sit­zung be­schlos­sen [...]

Hei­se Open Source: Frei­burg wech­selt zu­rück zu MS-Office. heise.de (11/2011).

wür­de den Rah­men die­ses Ar­ti­kels spren­gen.

Ver­wand­te The­men:

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(Screen­shots: Libre­Of­fice 4.2.2 in De­bi­an 7.2)

Mein Name ist Sa­scha, das In­ter­net und ich sind seit 1997 gute Freun­de. Es gibt mir En­ter­tain­ment, Mo­ne­ten und Lie­be, da­für gebe ich ihm seit 2009 viel­sei­ti­ge, mul­ti­me­dia­le An­lei­tun­gen auf den ver­schie­dens­ten Prä­sen­zen. Wäre ich nicht Web­wor­ker, wür­de ich wahr­schein­lich für die Ca­mor­ra das Heim­netz­werk auf De­bi­an um­stel­len und ver­wal­ten. Als Fa­mi­li­en­mensch lie­be ich näm­lich Süd­ita­li­en, das dor­ti­ge Es­sen und die spät­abend­li­chen Ar­beits­zei­ten.


Kategorie: Blog
  • Emil P. sagt:

    Dan­ke für den sehr in­for­ma­ti­ven Ein­trag. Ich sel­ber be­nut­ze Libre Of­fice un­ter Ubun­tu. An un­se­rer Schu­le wird mitt­ler­wei­le auch Libre Of­fice ver­wen­den doch lei­der un­ter Win­dows. Ich habe mal den Leh­rer der für die In­fra­struk­tur zu­stän­dig ge­fragt war­um sie Geld für Li­zen­zen für Win­dows be­zah­len wenn man auch eine Linux-Distro wie Ubun­tu be­nut­zen könn­te. Er mein­te: „Er ist schwe­rer zu war­ten.” Dies be­zweif­le ich mal stark denn wie lan­ge die brau­chen um auf je­dem der 80 Schul­com­pu­ter ein Pro­gramm zu in­stal­lie­ren ist un­glaub­lich. Un­ter Li­nux könn­te man al­len per SSH be­feh­len „sudo apt-get in­stall libreoffice4.3” und das wars. „War­tungs­auf­wän­di­ger” echt zum la­chen. Aber den­noch fin­de ich gut wo­hin Deutsch­land (und die Welt) sich hin­sicht­lich der Open Source Pro­gram­me ent­wi­ckeln. Sie­he Pro­jekt Li­Mux die alle Be­hör­den Rech­ner Mün­chens auf Li­nux um­stel­len.

  • Karl Hubrich sagt:

    Auf mei­nem PC-W7 habe ich zZ AOOo 4.11.
    1) Was ich ver­mis­se das beim Mar­kie­ren im Calc zum Kopieren/Ausschneiden nicht die ein­zel­nen Käs­ten blau wer­den wie bei MS-Ofice,aber dann beim Ein­fü­gen schon.
    2) Bei der Ge­stal­tung von Dia­gram­men sto­ße ich auf Pro­ble­men, was so­gar beim al­ten MS-Office 6 ohne Pro­ble­me ging.
    3) Vor­schlä­gi­ges wäre mal an­ge­bracht, nicht nur bei Vor­la­gen, per Click eine Falt­loch­mar­kie­rung bei Be­darf mit ein­zu­fü­gen. Wenn dazu eine Visual-Basic dazu gäbe? Habe mir des­halb eine ei­ge­ne Da­tei an­ge­legt.
    Auch mit der Ge­stal­tung für Adress­fel­der und Lo­gos.
    Eine Druck­vor­la­ge für Haft­zet­tel, wenn man kei­ne schö­ne Hand­schrift hat.
    Wei­ter­hin er­stell­te ich mir eine Da­tei zum Aus­fül­len für SEPA-Überweisungen. Brau­che nur den ori­gi­nal Über­wei­sungschein in den Dru­cker le­gen. Wich­tig, die Hilfs­li­ni­en & Käs­ten sind nicht druck­bar.
    Auch bei Sei­ten­an­sicht sind die­se un­sicht­bar.
    Viel­leicht sind noch wei­te­re brauch­ba­re Er­wei­te­run­gen mög­lich?
    MfG.

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