Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

Eigene Nacktbilder aus Google-Suche entfernen - Erfahrungsbericht

Durch die ein­fa­che Hand­ha­bung und die güns­ti­gen Prei­se von Smart­pho­nes, Di­gi­tal­ka­me­ras und Cam­cor­dern hat sich der An­teil por­no­gra­phi­scher Schrif­ten aus dem Ama­teur­be­reich im In­ter­net stark er­höht. Nackt­bil­der (Po­sing) von Pri­vat­per­so­nen oder so­gar Vi­de­os des Lie­bes­ak­tes lan­den oft­mals aus Ra­che des Ex­part­ners rasch und un­über­legt im World Wide Web. Ein Wer­muts­trop­fen ist, dass sich die Il­lus­tra­tio­nen zu­meist auf ge­schlos­se­nen Platt­for­men be­fin­den. Dar­un­ter zäh­len xHams­ter, You­Porn und Co. aber auch Peer-to-Peer-Netzwerke (BitTorrent/eMule) oder das IRC-Netzwerk.

Bild von Google BildersucheGe­schlos­sen des­halb, da die In­hal­te die­ser Platt­for­men nicht in der Google-Suche ver­öf­fent­licht wer­den und so­mit für den ge­wöhn­li­chen Be­nut­zer des HTTP-Protokolls nur sehr schwer auf­zu­fin­den sind. Hin­zu­kommt, dass sich User die­ser Platt­for­men in al­ler Re­gel nicht für die Iden­ti­tä­ten der viel­leicht un­frei­wil­lig, öf­fent­lich zur Schau ge­stell­ten Dar­stel­le­rin­nen in­ter­es­sie­ren. Be­son­ders bös­wil­lig ist es je­doch, wenn die­se por­no­gra­phi­schen Schrif­ten so ver­füg­bar ge­macht wer­den, dass je­der der den Na­men der Per­son goo­gelt, di­rekt zu den auf­rei­zen­den Il­lus­tra­tio­nen ge­führt wird.

Das pas­sier­te ei­ner Be­kann­ten von mir, die im Som­mer 2015 aus Lan­ge­wei­le ih­ren Na­men selbst goo­gel­te und Po­sing­bil­der aus ei­nem längst ver­gan­ge­nen Ur­laub, die ihr da­ma­li­ger Freund von ihr mach­te, dar­auf­hin an­ge­zeigt be­kam.

Nacktbilder unbedingt entfernen

Mei­ne ge­de­mü­tig­te Be­kann­te schreib mir dar­auf­hin eine E-Mail mit den Links zu den bei­den Web­sei­ten und bat mich um Rat. Am liebs­ten wäre sie in der Op­fer­rol­le ver­harrt und hät­te die Sa­che auf sich be­ru­hen las­sen. Ein gro­ßer Feh­ler, denn des­to län­ger Sie un­tä­tig blei­ben, umso schwie­ri­ger wird das Ent­fer­nen des Bild­ma­te­ri­als.

  • Web­ar­chi­ve: Es gibt Diens­te im In­ter­net wie bei­spiels­wei­se die Way­back­Ma­chi­ne, die in un­re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den Screen­shots von Web­sei­ten an­fer­ti­gen. Selbst wenn das be­las­ten­de Ma­te­ri­al von der Ur­sprungs­sei­te ge­löscht wur­de, ist es in die­sen Diens­ten noch jah­re­lang auf­zu­fin­den. Die Be­trei­ber die­ser An­ge­bo­te sit­zen in den USA, Tai­wan oder sonst wo. Dem­nach wer­den Lösch­an­trä­ge kon­se­quent igno­riert.
  • Vi­ra­li­ti­ät: Viel­leicht ent­de­cken feind­lich ge­sinn­te Be­kann­te oder Kol­le­gen Ihre Nackt­bil­der und tei­len die­se wei­ter oder spei­chern sich die Da­tei­en zu­min­dest. Es ist un­mög­lich, solch ei­nen Me­cha­nis­mus auf­zu­hal­ten.

Nach 25 Jah­ren In­ter­net ist selbst in der BRD die Me­di­en­kom­pe­tenz in der brei­ten Mas­se der Be­völ­ke­rung so weit vor­an­ge­schrit­ten, dass so ziem­lich je­der eine Such­ma­schi­ne si­cher be­die­nen kann. Wer­den also Ihre Nackt­bil­der nicht zeit­nah aus der Google-Suche ent­fernt, könn­te dies für Sie ne­ga­ti­ve Fol­gen nach sich zie­hen:

  • Ar­beits­markt: Falls Sie um freie Stel­len des oh­ne­hin im­mer stär­ker um­kämpf­ten ers­ten Ar­beits­mark­tes kon­kur­rie­ren, kön­nen Sie da­von aus­ge­hen, dass Per­so­na­ler Ih­ren Na­men eben­falls goo­geln. Wer­den dann Po­sing­bil­der oder mehr von Ih­nen in den Such­ergeb­nis­sen an­ge­zeigt, die mit Ih­rem Be­wer­bungs­fo­to über­ein­stim­men, wer­den Sie wahr­schein­lich gar nicht oder aus den fal­schen Mo­ti­ven zum Be­wer­bungs­ge­spräch ein­ge­la­den.
  • Er­pres­sung: Wei­te­re Be­sit­zer Ih­rer di­gi­ta­len Nackt­bil­der könn­ten da­mit dro­hen die­se wei­ter­zu­ver­brei­ten, wenn Sie nicht ei­nen ge­wis­sen Be­trag auf ein Wes­tern Uni­on Bank­kon­to über­wei­sen.

In­itia­ti­ven war­nen vor den ne­ga­ti­ven Fol­gen des Sex­tings, zum Bei­spiel Cy­ber­mob­bing oder Er­pres­sung.

Mesh Collec­tive: SEXTING?! - Nackt­fo­tos im Netz! youtube.com (11/2015).

Google ist sehr kooperativ bei Löschungen

Unerwünschtes Bild aus dem Internet löschen lassenNor­ma­ler­wei­se be­we­gen sich Me­ga­kon­zer­ne wie Face­book, Mi­cro­soft oder Goog­le nur sehr lang­sam, wenn es um eine Selbst­zen­sur ih­rer ei­ge­nen Diens­te geht. Aus frei­er, de­mo­kra­ti­scher Sicht ist dies auch sehr löb­lich. Im eng­lisch­spra­chi­gen Raum scheint die un­wis­sent­li­che Ver­öf­fent­li­chung von Nackt­bil­dern und Co. des Ex­part­ners je­doch schon so weit ein Pro­blem zu sein, dass sich da­für be­reits der Ter­mi­nus „Re­ven­ge porn” ein­ge­bür­gert hat und des­halb Goog­le bei sol­chen Fäl­len ein be­schleu­nig­tes, teil­au­to­ma­ti­sier­tes Lösch­ver­fah­ren ein­führ­te.

So go­ing for­ward, we’ll ho­nor re­quests from peop­le to re­mo­ve nude or se­xu­al­ly ex­pli­cit images sha­red wi­t­hout their con­sent from Goog­le Se­arch re­sults.

Goog­le: “Re­ven­ge porn” and Se­arch. googlepublicpolicy.blogspot.de (11/2015).

Hin­weis: Mit die­sem Google-Formular konn­te ich die Nackt­bil­der mei­ner Be­kann­ten in­ner­halb von 14 Stun­den aus der Google-Suche ent­fer­nen las­sen.

Mit fol­gen­den Ein­ga­ben er­reich­te ich das zü­gi­ge Ent­fer­nen der Bil­der:

  • Auf die Fra­ge, ob ich den Web­mas­ter kon­tak­tiert hät­te, ant­wor­te­te ich mit: „Nein, das möch­te ich auf­grund der Art der ge­zeig­ten In­for­ma­tio­nen nicht.”
  • Bei Art der In­for­ma­ti­on wähl­te ich: „Ein Bild von mir.”
  • Dar­auf­fol­gend be­stä­tig­te ich, dass es sich um Nackt­bil­der han­delt, der Web­mas­ter kei­ne Be­rech­ti­gung hat und ich der Ver­öf­fent­li­chung nicht zu­ge­stimmt habe.
  • Wei­ter er­gänz­te ich das For­mu­lar mit den per­sön­li­chen Da­ten mei­ner Be­kann­ten und hin­ter­leg­te die Links zu den Bil­dern.
  • Au­ßer­dem fer­tig­te ich Screen­shots von den Web­sei­ten an, auf de­nen die be­sag­ten Bil­der zu se­hen wa­ren, und füg­te die­se dem For­mu­lar hin­zu.
  • Mit ei­nem Ha­ken be­stä­tig­te ich die Ein­ga­ben und sen­de­te das For­mu­lar ab. Mei­ne Be­kann­te be­kam kurz dar­auf eine E-Mail, dass der Vor­gang so schnell wie mög­lich ge­prüft wer­de.

Hin­weis: Die Nackt­bil­der mei­ner Be­kann­ten sind bis heu­te noch auf den Web­sei­ten zu fin­den, wur­den je­doch nicht wie­der in die Google-Suche auf­ge­nom­men.

Nacktbilder von den Webseiten löschen ist schwierig

Der Ex­freund mei­ner Be­kann­ten war cle­ver. Na­tür­lich lud der die Bil­der bei zwei Freehosting-Anbietern hoch. Er ent­schied sich für die Blog­diens­te blogs100.ru und arvixe.com. Bei bei­den An­bie­tern ist Ero­tik­con­tent er­laubt und man hat aus der BRD so gut wie kei­ne Chan­ce den In­halt über den Be­trei­ber lö­schen zu las­sen.

Sind Ihre Nackt­bil­der je­doch bei ei­nem deut­schen Web­hos­ter ge­hos­tet, ge­hen Sie den klei­nen Dienst­weg. Bei so gut wie al­len be­kann­ten Free­hos­tern hier­zu­lan­de ver­stößt die­se Art Con­tent näm­lich ge­gen die All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen.

Es ist je­doch ins­be­son­de­re un­ter­sagt Auf­trit­te zu ver­öf­fent­li­chen, die por­no­gra­phi­sche, ras­sis­ti­sche, men­schen­ver­ach­ten­de oder sonst in ir­gend­ei­ner Art und Wei­se an­grei­fen­de, be­läs­ti­gen­de oder dif­fa­mie­ren­de In­hal­te ge­gen­über Per­so­nen, In­sti­tu­tio­nen, Ver­ei­nen, oder Un­ter­neh­men dar­stel­len.

Bo­zic, Mi­ros­lav: All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen. bplaced.net (11/2015).

  • Kon­tak­tie­ren Sie in die­sem Fall die Be­trei­ber via E-Mail oder Te­le­fon und schil­dern Sie Ihr An­lie­gen. Mit sehr ho­her Wahr­schein­lich­keit wer­den die an­ge­zeig­ten Web­sei­ten dar­auf­fol­gend ge­löscht und der Be­nut­zer für den Dienst ge­sperrt.
  • Trotz­dem soll­ten Sie na­tür­lich zu­sätz­lich noch Ihre Nackt­bil­der aus der Google-Suche ent­fer­nen las­sen.

Fazit

Als auf­ge­klär­ter Bür­ger der BRD, In­ter­net­be­nut­zer seit 1997, Sau­na­gän­ger und Thea­ter­lieb­ha­ber sehe ich selbst in sehr ex­pli­zi­ten Dar­stel­lun­gen nack­ter Men­schen nichts Ver­werf­li­ches. Ich kann mir vor­stel­len, dass wo­mög­lich die meis­ten Frau­en ge­nau­so den­ken, wäh­rend sie vor der hei­mi­schen Ka­me­ra po­sie­ren. Lei­der ist die Wahr­schein­lich­keit für ne­ga­ti­ve di­rek­te und in­di­rek­te fi­nan­zi­el­le Fol­gen so groß, dass man trotz der Ein­fach­heit sol­che Bil­der aus der Google-Suche lö­schen zu las­sen, die­se Art der Frei­zeit­be­schäf­ti­gung in Zu­kunft bes­ser lässt.

Mei­ner Er­fah­rung nach ist es mit por­no­gra­phi­schen Schrif­ten aus dem Ama­teur­be­reich un­ge­fähr so, als wür­den Sie sich in Ham­burg ein neu­es Fahr­rad kau­fen. Bei­des wird re­la­tiv schnell in den All­ge­mein­be­sitz über­ge­hen.

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(Screen­shots: Google.com)

Mein Name ist Sa­scha, das In­ter­net und ich sind seit 1997 gute Freun­de. Es gibt mir En­ter­tain­ment, Mo­ne­ten und Lie­be, da­für gebe ich ihm seit 2009 viel­sei­ti­ge, mul­ti­me­dia­le An­lei­tun­gen auf den ver­schie­dens­ten Prä­sen­zen. Wäre ich nicht Web­wor­ker, wür­de ich wahr­schein­lich für die Ca­mor­ra das Heim­netz­werk auf De­bi­an um­stel­len und ver­wal­ten. Als Fa­mi­li­en­mensch lie­be ich näm­lich Süd­ita­li­en, das dor­ti­ge Es­sen und die spät­abend­li­chen Ar­beits­zei­ten.


Kategorie: Blog

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