Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

X.Org-Server

Wer mit Linux-Distributionen mit gra­fi­scher Be­nut­zer­ober­flä­che ar­bei­tet, wird be­stimmt schon ein­mal vom X.Org-Server, auch als X11 be­kannt, ge­hört oder ge­le­sen ha­ben. Ver­ein­facht aus­ge­drückt ist X.Org-Server für die gra­fi­sche Aus­ga­be in Be­triebs­sys­te­men wie De­bi­an oder Ubun­tu ver­ant­wort­lich. Nor­ma­ler­wei­se be­fin­den sich sämt­li­che Trei­ber für die Hard­ware ei­nes Com­pu­ters im Ker­nel. Die Gra­fik­kar­te ist da­von aus­ge­nom­men, X.Org-Server stellt of­fe­ne Stan­dard­trei­ber für AMD, Nvi­dia usw. be­reit. Au­ßer­dem ist X.Org-Server, die Soft­ware, die vor­gibt, was gra­fi­sche Be­nut­zer­ober­flä­chen über­haupt dar­stel­len kön­nen. Des­halb wer­den Unity, KDE oder GNOME auf die­se Schnitt­stel­le pro­gram­miert.

X.Org-Server und die Grafikkarten-Treiber

Egal, ob de­di­zier­te oder Onboard-Grafikkarte, ob AMD, Nvi­dia oder Ma­trox bei der In­stal­la­ti­on von Ubun­tu, Mint oder De­bi­an wird zu­nächst der X.Org-Server Gra­fik­trei­ber (Nou­veau) ge­la­den und in­stal­liert.

Die­ser Open-Source-Grafikkartentreiber un­ter­stützt 2D- und 3D-Funktionalität so­wie EXA-Beschleunigung, Xv und Ran­dR. Der Nou­veau An­zei­ge­trei­ber wird au­to­ma­tisch mit Ih­rem Be­triebs­sys­tem ak­tua­li­siert, ver­bes­sert und ist ver­hält­nis­mä­ßig leis­tungs­stark. In al­ler Re­gel ist es des­halb bei Net­books, Lap­tops und Onboard-Grafikkarten nicht nö­tig, über die Trei­ber­ver­wal­tung ei­nen Original-Treiber des Her­stel­lers zu ver­wen­den.

Dedizierte Grafikkarten und X.Org-Server

Bei de­di­zier­ten Gra­fik­kar­ten schnei­det der Nou­veau An­zei­ge­trei­ber ver­gleichs­wei­se sehr schlecht ab. Des­halb ist die all­ge­mei­ne Emp­feh­lung ei­nen nicht of­fe­nen Trei­ber zu ver­wen­den.

For the time being, pro­prie­ta­ry dri­vers are de­fi­ni­te­ly bet­ter than open-source.

Li­nux 3.19: What dri­vers are bet­ter for Ubun­tu 14.04 X.Org vs fglrx??? steamcommunity.com (03/2015).

  • Nvi­dia: Das ka­li­for­ni­sche Un­ter­neh­men bie­tet kom­plett ge­schlos­se­ne Linux-Treiber an. Die­se Trei­ber kön­nen di­rekt über das Be­triebs­sys­tem im Menü „Trei­ber­ver­wal­tung” in­stal­liert wer­den. Ge­nau­so gibt es neue­re Nvidia-Treiber über die Her­stel­ler­web­sei­te. Lei­der sind die­se Gra­fik­kar­ten­trei­ber Ker­nel ge­bun­den, so­dass ein Up­date un­ter Li­nux oft­mals nur äu­ßerst schwer zu be­werk­stel­li­gen ist. Ob­wohl die emp­foh­le­nen Nvidia-Treiber des­halb oft­mals schon sehr alt sind, per­formt die Hard­ware mit die­sen bes­ser als mit dem X.Org-Server An­zei­ge­trei­ber.

Screenshot von X.Org-X-Server Benchmark
Im Ver­gleich zu noch vor ei­ni­gen Jah­ren hat der of­fe­ne An­zei­ge­trei­ber stark auf­ge­holt. Ins­ge­samt holt die­ser je­doch bei Wei­tem nicht das Ma­xi­mum aus Ih­rer Nvi­dia Gra­fik­kar­te her­aus.

Thus, for a vast ma­jo­ri­ty of the Nou­veau users out the­re, you’re run­ning your hard­ware at a much lo­wer speed than what it’s ra­ted for [...]

La­ra­bel, Mi­cha­el: NVIDIA vs. Nou­veau Dri­vers On Ubun­tu 13.04. phoronix.com (03/2015).

Er­fah­rung: Selbst im Desktop-Betrieb se­hen Schrif­ten und Kan­ten mit ei­nem Original-Treiber von Nvi­dia we­sent­lich bes­ser aus.

  • AMD: Der Gra­fik­kar­ten­trei­ber von AMD für Li­nux heißt fglxr (FireGL and Ra­de­on for X). Wie der Name es sug­ge­riert, pro­gram­miert AMD die­sen schon für X.Org-Server. Ge­ne­rell be­treibt AMD eine we­sent­lich of­fe­ner Po­li­tik was Trei­ber an­geht. Dem­nach ist der Un­ter­schied zwi­schen Nou­veau und fglxr nicht ganz so deut­lich. Im fglxr gibt es je­doch eben­falls auch ge­schlos­se­ne (pro­prie­tä­re) Ele­men­te. Ge­ra­de wenn Sie mit Ih­rem Com­pu­ter spie­len, ist es des­halb bes­ser, den Catalyst-Treiber für Li­nux, an­stel­le des X.Org-Server An­zei­ge­trei­bers zu be­nut­zen.

X.Org-Server ein Auslaufmodell?

Wie be­reits er­wähnt, ist X.Org-Server nicht nur für die Trei­ber­ver­wal­tung der Gra­fik­hard­ware zu­stän­dig, son­dern ge­ne­rell der Ma­na­ger der gra­fi­schen Ober­flä­chen.

Screenshot von X.org-Server outdatedIm Früh­jar 2015 dürf­te der Plasma-Desktop von KDE, wel­cher dem Funk­ti­ons­um­fang von Win­dows 7 ent­spricht, das Ma­xi­mum sein, was mit X.Org-Server mög­lich ist. Dies ist auch nicht wei­ter schlimm. Schließ­lich hat nach dem Stopp des Sup­ports für Win­dows XP und dem Flop Win­dows 8.1, Ubun­tu und Co. ei­nen sehr gro­ßen Zu­lauf, we­gen den kla­ren De­signs, be­kom­men.

Ca­no­ni­cal, die Ent­wick­ler von Ubun­tu und der Be­nut­zer­ober­flä­che Unity stre­ben je­doch ein neu­es De­sign an, wel­ches dem von Win­dows 8 äh­nelt. Weil dies mit dem X.Org-Server in der jet­zi­gen Form nicht mög­lich ist, ent­wi­ckel­te das eng­li­sche Un­ter­neh­men kur­zer­hand eine ei­ge­ne Soft­ware na­mens Mir.

X.org Ser­ver is ba­sed on the X-Window Sys­tem pro­to­col, which was crea­ted by MIT in 1984. It hasn’t re­al­ly aged well, so Ca­no­ni­cal is buil­ding a re­pla­ce­ment for X-Window and X.org cal­led Mir.

Fin­ley, Klint: Ubun­tu Mir: Is This the Fu­ture of Li­nux Ever­y­whe­re? wired.com (03/2015).

Screenshot von X.Org-Server Version

Mir wird ab Ubun­tu 16.04 LTS der Standard-Display-Manager, wel­cher Unity in der Ver­si­on 8 an­zeigt. Der­zeit gibt es noch kei­ne Gra­fik­trei­ber, die Mir dar­stel­len kön­nen, des­halb soll Ubun­tu 16.04 LTS auch zu­sätz­lich noch mit X.Org-Server als Fall­back aus­ge­lie­fert wer­den.

Mark Shut­tle­worth has now in­ti­ma­ted that Mir may not find its way on to the Ubun­tu desk­top un­til the re­lease of Ubun­tu 16.04 LTS — in 2016. [...] the­re are cur­r­ent­ly no pro­prie­ta­ry AMD, In­tel or Nvi­dia desk­top gra­phics dri­vers sup­porting Mir.

Sned­don, Joey-Elijah: Mir Dis­play Ser­ver May Not Ar­ri­ve on Desk­tops As De­fault Un­til 2016. omgubuntu.co.uk (03/2015).

Wie und ob an­de­re Ubuntu-Derivate (KDE, Xfce, GNOME) eben­falls das bis­her äu­ßerst kri­tisch be­ob­ach­te­te Mir ein­set­zen ist bis­her nicht be­kannt.

Fer­ner stün­de Way­land wie X11 un­ter der MIT-Lizenz, die sich für den Display-Server auch be­währt habe, wäh­rend Mir un­ter der GPLv3 mit Kontributor-Lizenzvertrag (CLA) ste­hen soll.

Dril­ling, Tho­mas: Mar­tin Gräß­lin über Kwin/KDE, Mir und Way­land. pro-linux.de (03/2015).

Fazit

Ich hof­fe Sie konn­ten mit­hil­fe mei­ner sehr ein­fach ge­hal­te­nen Dar­stel­lung ei­nen Über­blick über die Kom­ple­xi­tät des Display-Managers X.Org-Server be­kom­men. Die­se Soft­ware ist mei­ner Mei­nung nach die Achil­les­fer­se der dar­auf ba­sie­ren­den Linux-Distributionen. Denn wer kennt es nicht, die Auf­lö­sung wird nicht kor­rekt ge­spei­chert oder ein schwar­zer Bild­schirm nach dem Ein­log­gen und im­mer ist X.Org-Server schuld. Auch sehr be­liebt ist die mys­te­riö­se Feh­ler­mel­dung: „Er­ror, Can­not Start X Ser­ver”.

Ab­ge­se­hen vom mög­li­chen Metro-Design ist es also nicht ver­wun­der­lich, dass sich Ca­no­ni­cal mit dem Wayland-Derivat Mir aus die­ser Bug­wüs­te be­frei­en will. Auch wenn die­ser Al­lein­gang die Ubuntu-Community wohl vor gro­ße Pro­ble­me stel­len wird.

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(Screen­shots: Ku­bun­tu 14.04.2 LTS)

Mein Name ist Sa­scha, das In­ter­net und ich sind seit 1997 gute Freun­de. Es gibt mir En­ter­tain­ment, Mo­ne­ten und Lie­be, da­für gebe ich ihm seit 2009 viel­sei­ti­ge, mul­ti­me­dia­le An­lei­tun­gen auf den ver­schie­dens­ten Prä­sen­zen. Wäre ich nicht Web­wor­ker, wür­de ich wahr­schein­lich für die Ca­mor­ra das Heim­netz­werk auf De­bi­an um­stel­len und ver­wal­ten. Als Fa­mi­li­en­mensch lie­be ich näm­lich Süd­ita­li­en, das dor­ti­ge Es­sen und die spät­abend­li­chen Ar­beits­zei­ten.


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