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Anleitungen vom Webworker

Ubuntu: Tor-Browser installieren – so geht’s

Über das Tor-Netzwerk (The Onion Router) ist es möglich, seine IP-Adresse zu verschleiern. Dadurch können Sie anonym im Netz surfen und Internetsperren, wie diese vor allem in China, Nordkorea und der Türkei bestehen, relativ einfach umgehen. Um sich in das Tor-Netzwerk einzuwählen, benötigen Sie eine Software, welche selbstredend auch unter Linux-Distributionen wie Ubuntu oder Debian verfügbar ist. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie mit Ubuntu innerhalb des Tor-Netzwerks surfen können und was Sie dabei beachten müssen.

Was ist Tor?

Bild von Ubuntu Tor-BrowserDas Tor-Netzwerk dient dazu, seinen digitalen Fingerabdruck (IP-Adresse, Provider, Herkunftsland, etc.) zu vernebeln. Dazu wird mit einer Zugangssoftware, wie dem kostenlosen Tor-Browser, eine verschlüsselte Verbindung zu einem Tor-Server aufgebaut. Die angeforderten Datenpakete werden ab sofort an verschiedene Tor-Knoten, die in den unterschiedlichsten Ländern liegen können, durchgereicht. Am Ende steht ein sogenannter Exit-Knotenpunkt, der die Datenpakete als letzte identifizierbare Stelle weitergibt.

In der Theorie ist es damit unmöglich, eine Verbindung zurückzuverfolgen. Seit spätestens 2013 ist jedoch allgemein bekannt, dass das Tor-Netzwerk mit NSA-Rechnern kompromittiert ist.

Laut den entsprechenden Enthüllungen, sind jede Menge der Rechner unter der Kontrolle der NSA. […] Wenn wir nun unseren Traffic beobachten dann sehen wir, dass die Daten durch einige NSA-Rechner gehen.

SemperVideo: TOR und die NSA. youtube.com (02/2016).

Generell ist davon auszugehen, dass das gesamte Tor-Umfeld von der NSA und dessen Helfern dank der Software XKeyscore streng überwacht wird.

Denn nicht nur Dauernutzer dieser Anonymisierungssoftware werden zum Ziel des Geheimdienstes. Jeder, der die offizielle Torwebseite besucht und sich lediglich informieren will, wird markiert.

Kampf, Lena, Goetz, John & Kabisch, Volkmar: Quellcode entschlüsselt: Beweis für NSA-Spionage in Deutschland. ndr.de (02/2016).

Falls Sie also Mitglied der Abu Sayyaf sind, das Paradies anstreben und einen Anschlag über das Tor-Netzwerk planen, wird der Himmelsweg höchstwahrscheinlich über ein CIA-Foltergefängnis führen.

Was bringt der Tor-Browser?

Screenshot von Tor-Browser unter Ubuntu

Auf den ersten Blick sieht der Tor-Browser unter Ubuntu aus wie ein gewöhnlicher Mozilla Firefox. Vorinstallierte Plug-ins sind NoScript und HTTPS-Everywhere.

  • Mit dem Tor-Browser können Sie also nicht nur relativ anonym, sondern auch sicher surfen. Auf jeden Fall sind Sie vor Malware und Cookies, die eventuell von Webseiten auf Ihrem Rechner gespeichert werden sollen, geschützt.

Des Weiteren kann es vorkommen, dass die Regierungen einzelner Nationalstaaten die Internetprovider dazu zwingen, Webseiten zu sperren.

Turkey has blocked access to YouTube, just a week after the country blocked Twitter, and only three days ahead of local elections in the country.

Franceschi-Bicchierai, Lorenzo: Turkey Blocks Access to YouTube. mashable.com (02/2016).

  • Mit einer IP-Adresse Ihres Landes wären diese Dienste dann nicht aufrufbar. Mithilfe des Tor-Browsers könnten Sie diese Internetsperren problemlos umgehen.

Tipp: Gleiches gilt für die GEMA-Sperre auf YouTube.

Wie Sie in der Bildershow erkennen können, ist mein Exit-Knotenpunkt in den USA. Ich greife demnach auf YouTube mit einer amerikanischen IP-Adresse zu und bekomme deshalb nicht die deutschsprachige Startseite zu Gesicht. Würde ich jetzt beispielsweise ein Musikvideo aufrufen, welches der GEMA-Sperre unterliegt, könnte ich es mithilfe des Tor-Browsers ansehen.

  • Der Tor-Browser unter Ubuntu kann YouTube-Videos im HTML5-Format mit einer Qualität von 360p abspielen.

Die Internetgeschwindigkeit ist bei all diesen Szenarien mehr als ausreichend.

Screenshot von Internetgeschwindigkeit des Tor-Browsers

Die Upload-Geschwindigkeit ist also kein Hindernis, sollten Sie gestohlene Dokumente etwas anonymer auf eine Leakplattform hochladen wollen.

Tor-Browser unter Ubuntu installieren – Anleitung

  1. Surfen Sie auf die offizielle Tor-Webseite und wählen Sie GNU/Linux sowie Ihre Bit-Version aus.
  2. Klicken Sie auf die Schaltfläche „Download“ und laden Sie das Datenpaket herunter.
  3. Öffnen Sie ein Terminal-Fenster und navigieren Sie mit cd Downloads in Ihren Download-Ordner.
  4. Entpacken Sie das Archiv mit tar -xvf tor-browser-linux64-5.5.1_en-US.tar.xz. Bei dem Befehl müssen Sie selbstverständlich Ihre Versionsnummer anpassen.
  5. Hinweis: Den entpackten Ordner in Ihrem Download-Verzeichnis können Sie nun ausschneiden und frei innerhalb Ihrer Verzeichnisse bewegen.
  6. Navigieren Sie nun in Ihren entpackten Tor-Ordner mithilfe des Terminal-Fensters.
  7. Sie starten den Tor-Browser mit ./start-tor-browser.desktop.

Screenshot von Ubuntu-Befehlen zum Starten des Tor-Browsers

Wichtig: Die Installationsschritte sind einmalig. Der Tor-Browser wird sich ab sofort völlig automatisch aktualisieren.

Fazit

Mit einem Internetanschluss innerhalb der BRD ist es meiner Meinung nach noch nicht notwendig, dauerhaft mit dem Tor-Browser zu surfen. Generell ist ein verantwortungsvoller Umgang mit diesem Werkzeug sinnvoll, damit die Bandbreite den Menschen zur Verfügung steht, die stark von Internetsperren betroffen sind.

Ich nutze den Tor-Browser hauptsächlich als Proxy, um mich auf der amerikanischen Version von Amazon über Hardwarepreise zu informieren.

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(Screenshots: Tor-Browser 5.5.1 unter Kubuntu 14.04.3 LTS)

Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


Kategorie: Anleitung
  • Walter Vogelweide sagt:

    Danke!! Bis zum Download der Dateien bin ich selbst noch gekommen, aber danach saß ich da und wusste nicht wie ich Tor starten sollte 😀 Super verständlich erklärt, für ein älteres Semester wie mich! Fahre jetzt seit gut einem Jahr mit Ubuntu und habe das Gefühl noch gar nichts zu wissen, wenn ich das alles hier so lese, naja ich bereue meine Entscheidung aber keineswegs, die Zukunft gehört Linux.

  • Andy sagt:

    Jo hat super geklappt 🙂 Ich brauch den Tor Browser für die GEMA Sperre auf YouTube, funktioniert astrein aber halt nur 360p. Greetz Andy!

  • Birgit P. sagt:

    Super Anleitung! Ich habe zwar Debian, aber dadurch dass die Anleitung so gut erklärt war, habe ich das Ganze graphisch unter KDE hinbekommen, indem ich die *.tar.xz-Datei mit Ark aufgemacht und entpackt habe. Danach brauchte man ja nur noch den ./start-tor-browser.desktop doppelt klicken zum Starten. Ihn auf die Arbeitsfläche ziehen, macht dann den Desktop-Shortcut. Vielen, vielen Dank!

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