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Ubuntu: Tor-Browser installieren – so geht’s

Das Tor-Netzwerk bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihre IP-Adresse temporär zu verschleiern. Dadurch können Sie anonym im Netz surfen und Internetsperren relativ einfach umgehen. Um sich in das Tor-Netzwerk einzuwählen, benötigen Sie nichts weiter als eine Software, welche selbstredend auch für Linux-Distributionen verfügbar ist. In der folgenden Anleitung erfahren Sie, wie Sie unter Ubuntu mithilfe des Tor-Browsers surfen können und was Sie dabei alles beachten müssen.

Was ist Tor?

Bild von Ubuntu Tor-BrowserDas Tor-Netzwerk dient dazu, seinen digitalen Fingerabdruck zu verbergen. Dafür wird mit einer Zugangssoftware, wie beispielsweise dem Tor-Browser eine verschlüsselte Verbindung zu einem beliebigen Tor-Server aufgebaut. Sobald dieser Vorgang abgeschlossen wurde, werden von nun an sämtliche Datenpakete durch das Tor-Netzwerk geschickt. Die digitalen Informationen wandern dann willkürlich von einem Tor-Knotenpunkt zum anderen.

Am Ende der Kette steht irgendwann ein sogenannter Exit-Knotenpunkt, der die Datenpakete als letzte identifizierbare Stelle an die ursprüngliche Empfängeradresse zustellt.

Dank dieses simplen Systems ist es auch heutzutage noch möglich, seine Meinung anonym im Internet kundzutun. Hingegen schwere Straftaten lassen sich mithilfe des Tor-Browsers nicht mehr planen. Seit spätestens 2013 ist das Tor-Netzwerk nämlich mit NSA-Rechnern kompromittiert.

Laut den entsprechenden Enthüllungen, sind jede Menge der Rechner unter der Kontrolle der NSA. […] Wenn wir nun unseren Traffic beobachten dann sehen wir, dass die Daten durch einige NSA-Rechner gehen.

SemperVideo: TOR und die NSA. youtube.com (04/2017).

Bild von: Ist der Tor-Browser wirklich sicher?

Generell ist davon auszugehen, dass das gesamte Tor-Umfeld von Auslandsgeheimdiensten mithilfe der Software XKeyscore streng überwacht wird.

Denn nicht nur Dauernutzer dieser Anonymisierungssoftware werden zum Ziel des Geheimdienstes. Jeder, der die offizielle Torwebseite besucht und sich lediglich informieren will, wird markiert.

Kampf, Lena, Goetz, John & Kabisch, Volkmar: Quellcode entschlüsselt: Beweis für NSA-Spionage in Deutschland. ndr.de (04/2017).

Falls Sie also ein Mitglied der Abu Sayyaf sind, das Paradies anstreben und einen Anschlag über das Tor-Netzwerk planen, werden Sie höchstwahrscheinlich bald Zwangsurlaub in einem CIA-Foltergefängnis machen.

Was bringt der Tor-Browser?

Auf den ersten Blick sieht der Tor-Browser unter Ubuntu wie ein gewöhnlicher Mozilla Firefox aus. Vorinstallierte Plug-ins sind NoScript und HTTPS-Everywhere.

Screenshot von Tor-Browser 6.5.2 unter Ubuntu 16.04.2 LTS

Tor-Browser 6.5.2 unter Ubuntu 16.04.2 LTS

Mit dem Tor-Browser können Sie also nicht nur relativ anonym, sondern auch sicher surfen. Auf jeden Fall sind Sie vor Malware und Cookies geschützt.

Wie bereits erwähnt, ist der Tor-Browser in erster Linie eine Applikation, welche die digitale Meinungsfreiheit sichert. So lassen sich mit diesem Werkzeug auch von einer Regierung angeordnete Internetsperren einfach umgehen.

Turkey has blocked access to YouTube, just a week after the country blocked Twitter, and only three days ahead of local elections in the country.

Franceschi-Bicchierai, Lorenzo: Turkey Blocks Access to YouTube. mashable.com (04/2017).

Angenommen ich wäre in Incirlik (Türkei) und könnte YouTube aufgrund meiner lokalen IP-Adresse nicht erreichen. Dann würde ich den Tor-Browser starten.

Screenshot von YouTube CA im Tor-Browser unter Ubuntu

Eventuell bekäme ich daraufhin eine kanadische IP-Adresse und könnte somit trotzdem die neusten Videos von Fethullah Gülen ansehen.

  • Hinweis: Der Tor-Browser kann YouTube-Videos im HTML5-Format und in HD-Qualität abspielen.

Falls ich einem Staat der sogenannten Five Eyes nicht trauen würde, dann könnte ich die grüne Zwiebel anklicken.

Screenshot von neuer Identität im Tor-Browser anfordern

Dadurch öffnet sich dann ein kleines Menüfenster, in diesem ich mir mit einem Klick auf „New Identity“ eine neue IP-Adresse zuweisen lassen könnte.

Übrigens, die Internetgeschwindigkeit des Tor-Netzwerks ist mehr als ausreichend.

Screenshot von Internetgeschwindigkeit des Tor-Browsers

Die Upload-Geschwindigkeit ist also kein Hindernis, sollten Sie eine Vielzahl gestohlener Dokumente etwas anonymer auf einer Leaking-Plattform bereitstellen wollen.

Tor-Browser richtig installieren – Anleitung

Zum Installieren der Freeware müssen Sie als Erstes auf die offizielle Tor-Webseite surfen. Wählen Sie dort angekommen GNU/Linux aus. Daraufhin können Sie das Datenpaket bequem mit der für Sie passenden Bit-Version herunterladen.

Öffnen Sie nun ein Terminal-Fenster und navigieren Sie gleich danach in Ihren Download-Ordner:

cd Downloads/

Entpacken Sie im nächsten Schritt das heruntergeladene Archiv:

tar -xvf tor-browser-linux64-5.5.1_en-US.tar.xz

Hinweis: Bei diesem Befehl müssen Sie selbstverständlich Ihre Versionsnummer anpassen.

Das entpackte Archiv in Ihrem Download-Ordner lässt sich nun frei verschieben. Im Tor-Verzeichnis befindet sich eine Datei namens „Tor Browser“, die wie eine Weltkugel aussieht.

Öffnen des Tor-Browsers über das Symbol

Mit einem Doppellinksklick¹ auf dieses Symbol lässt sich Ihr Tor-Browser ab sofort unkompliziert starten.

Alternativ können Sie den sicheren Webbrowser auch über die Konsole öffnen:

./start-tor-browser.desktop

Screenshot von Ubuntu-Befehlen zum Starten des Tor-Browsers

Nach dem ersten Programmstart werden Sie einmalig gefragt, wie Sie auf das Tor-Netzwerk zugreifen möchten.

Screenshot vom Verbinden mit einem Tor-Server

In den allermeisten Fällen genügt hier ein Klick auf „Connect“, um die Applikation mit einem Tor-Server zu verbinden.

Wichtig: Der Tor-Browser aktualisiert sich automatisch. Wenn Sie die Software einmal auf Ihrem System installiert haben, müssen Sie sich nie wieder darum kümmern.

Fazit: Ist der Tor-Browser wirklich notwendig?

Falls Sie anonym Regierungskritik (englisch hate speech) äußern möchten, macht der Einsatz des Tor-Browsers natürlich Sinn. Obwohl diese Form der Meinungsäußerung in meinen Augen völlig wirkungslos bleibt.

Was du brauchst, sind Beziehungen! Dann kannst du auf jede Regierungsform scheißen.

Polt, Gerhard: Der Rentner. youtube.com (04/2017).

Kennen Sie den Blog von Michael Mannheimer? Solange diese Webseite über Ihren gewöhnlichen Webbrowser aufrufbar ist, lassen Sie die knappen Ressourcen des Tor-Netzwerks lieber den Menschen, die aufgrund ihrer Meinung tatsächlich Angst vor Repressalien haben müssen.

Ich persönlich nutze den Tor-Browser eigentlich nur dafür, um mich auf der amerikanischen Version von Amazon über Hardwarepreise zu informieren.

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¹Danke an die Blogbesucherin Birgit P. für den Hinweis.

Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


Kategorie: Anleitung
  • Walter Vogelweide sagt:

    Danke!! Bis zum Download der Dateien bin ich selbst noch gekommen, aber danach saß ich da und wusste nicht wie ich Tor starten sollte 😀 Super verständlich erklärt, für ein älteres Semester wie mich! Fahre jetzt seit gut einem Jahr mit Ubuntu und habe das Gefühl noch gar nichts zu wissen, wenn ich das alles hier so lese, naja ich bereue meine Entscheidung aber keineswegs, die Zukunft gehört Linux.

  • Andy sagt:

    Jo hat super geklappt 🙂 Ich brauch den Tor Browser für die GEMA Sperre auf YouTube, funktioniert astrein aber halt nur 360p. Greetz Andy!

  • Birgit P. sagt:

    Super Anleitung! Ich habe zwar Debian, aber dadurch dass die Anleitung so gut erklärt war, habe ich das Ganze graphisch unter KDE hinbekommen, indem ich die *.tar.xz-Datei mit Ark aufgemacht und entpackt habe. Danach brauchte man ja nur noch den ./start-tor-browser.desktop doppelt klicken zum Starten. Ihn auf die Arbeitsfläche ziehen, macht dann den Desktop-Shortcut. Vielen, vielen Dank!

  • Olaf sagt:

    Hi, merci dir für die anschauliche Anleitung. Das mit dem Entpacken unter Ubuntu war mir nicht ganz klar 🙂 Tor wird imho immer wichtiger werden – vor allem in der EU. Viele Grüße und einen schönen Abend wünscht der Olaf.

  • Heinz sagt:

    So nun habe ich mir auch mal Tor für mein Ubuntu geholt. Schade, dass das Internet allmählich totreguliert wird.

  • Die Eminenz sagt:

    Kann mir wer erklären, warum man in Deutschland den Tor-Browser verwenden sollte? Internetsperren gibt es hier nicht, oder? Und wer macht sich die Mühe, über Tor ein Facebook Profil zu erstellen, um vielleicht zwei Tage „abzuhetzen“ bis das Profil dann eh gelöscht wird?

    Also ich habe jetzt verstanden, dass Türken, Chinesen und Nordkoreaner das Tor-Netzwerk nutzen, um Zugriff auf westliche Seiten zu haben. Aber uns nützt das doch nichts.

  • Kurt sagt:

    Tolle Anleitung. Klappt bloß nicht. Beim ersten Start von TOR erscheint „Downloading and installing TOR Borowser for the first time“. Dann lädt er etwa 68MB (=100%) und erklärt dann, network corruptet. Habe es nach dem 4 Versuch aufgegeben. Linux ist eben nach wie vor nur ein BS für Leute, die gern basteln aber nicht mit dem PC arbeiten müssen.

  • Liebermaen sagt:

    Hi Leute, danke für die Anleitung. Klappt unter Ubuntu einwandfrei. Der Seitenaufruf ist zwar wesentlich langsamer als mit dem normalen Firefox aber insgesamt ist das schon ein sehr cooles System.

    @Die Eminenz
    Es gibt ja nicht nur Facebook, sondern auch Kommentarsysteme wie Disqus etc. Ich möchte einfach nicht, dass wegen eines Internetkommentars, in dem ich meine Meinung äußere, Renate Künst vor meiner Tür steht.

  • Jakob Schreiber sagt:

    Vielen Dank! Tor-Browser läuft bei mir unter Ubuntu 16.04 einwandfrei, hervorragende Anleitung. Tor erlebt ja im Moment einen Hype und ich verstehe allmählich warum. So tolle Gesetze wie das Netzwerkdurchsuchsungsgesetz treiben die Leute eben in das Tor-Netzwerk oder in das sogenannte Darknet. Ursache – Wirkung aber mit Naturgesetzen kennen sich unsere Juristen und Geschichtslehrer im Bundestag eben nicht aus.

    Bis vor einem Jahr nutzte ich noch Windows 7 mit dem Internet Explorer 11. Habe dann auf Ubuntu umgeschult und bin hochzufrieden. Achja, ich bin 51 Jahre alt und Industriemechaniker vom Beruf. Ubuntu ist nicht nur was für Computerprofis.

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