Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

Ubuntu schneller machen – Tipps, die wirklich helfen

Ubuntu hat immer noch den Ruf sehr ressourcensparend zu sein und sich deshalb besonders für ältere Rechner zu lohnen. Diesen Ruhm erarbeitete sich die Linux-Distribution mit Version 10.04 LTS, welche im April 2010 erschien. Ungefähr zur selben Zeit setzte sich Windows 7 auf dem Privatanwendermarkt durch, welches mit seinem Aero-Design jedoch für viele Office- und Internetrechner im Vergleich zu Windows XP zu überladen war. Dieser Umstand bescherte Ubuntu, welches damals noch mit dem GNOME-Desktop ausgeliefert wurde, eine Menge neuer User.

Bild von Ubuntu langsamZwischenzeitlich hat sich Ubuntu zu einem multimedialen Betriebssystem entwickelt, mit dem Sie Bilder bearbeiten, Videos rendern und hochauflösend spielen können. Der einzige Unterschied zu aktuellen Windows-Versionen ist, dass Ubuntu auf Linux basiert und für jedermann kostenlos zum Download bereitsteht. Wie das Microsoft-Pendant kann demnach auch die beliebte Linux-Distribution von Mark Shuttleworth auf manchen Computern sehr langsam sein.

  • Dabei ist dann nicht nur der Systemstart sehr langsam, sondern auch das Öffnen von Programmen wie Firefox, LibreOffice und Co. nimmt einige Zeit in Anspruch.

Bevor Sie sich jedoch überlegen, wie Sie Ubuntu schneller machen können, sollten Sie zunächst überprüfen, ob Ihr Computer überhaupt für das ausgewählte Betriebssystem geeignet ist.

Ubuntu langsam – Flaschenhals PC

Im Jahre 1999 sah ich NBC GIGA als der Moderator Gregor Teicher das PC-Spiel Tony Hawk’s Skateboarding testete. Als das Spiel bei ihm auf dem Rechner ruckelte, sah er auf der Verpackung die Systemanforderungen nach, die seine Maschine erfüllte und sagte: „Auch hier wieder sind die Systemanforderungen erstunken und erlogen.“ Und auch heutzutage frage ich mich, nach welchen Kriterien die Systemanforderungen bestimmt werden.

– 1000 ΜHz processor (about Intel Celeron or better)
– 1024 MiB RAM (system memory)
– 3D Acceleration Capable Videocard with at least 256 MB.

Canonical Ltd: Installation/SystemRequirements – Ubuntu Desktop Edition. help.ubuntu.com (05/2016).

Um Ubuntu 16.04 LTS in der 64-bit Version mit der Standardbenutzeroberfläche Unity 7.4 zeitgemäß zu betreiben, müssen Sie vor allem auf die drei Speicher achten.

Bild von XFX AMD GrafikkarteDie Grafikkarte sollte wie von Canonical empfohlen über einen Grafikspeicher von mindestens 256 Megabyte verfügen. Des Weiteren muss diese Hardware OpenGL 1.4 oder höher unterstützen. Außerdem sollten zwingend vier Gigabyte Arbeitsspeicher installiert sein. Ferner ist vielen Anwendern immer noch nicht bewusst, wie viel Einfluss der Festplattenspeicher auf die Geschwindigkeit des Betriebssystems hat. Selbst die langsamste SSD ist dreimal schneller als eine mechanische Festplatte.

Verfügt Ihr System nicht über diese Spezifikationen? Dann werden Sie auch mit allen Tricks Ihr Ubuntu nicht schneller machen können.

Screenshot von Ubuntu MATE 16.04 LTS Desktop

Wenn Sie dennoch eine aktuelle Ubuntu-Version verwenden möchten, empfehle ich Ihnen Ubuntu MATE. Bei dieser Distribution wird eine Weiterentwicklung des GNOME-Desktops eingesetzt, der bei Ubuntu 10.04 LTS zum Einsatz kam. Dadurch sind die Systemvoraussetzungen wesentlich moderater als es bei Unity der Fall ist.

The MATE Desktop has a rich history and is the continuation of the GNOME2 desktop, which was the default desktop environment on many Linux and Unix operating systems for over a decade.

Ubuntu MATE Team: What is Ubuntu MATE? ubuntu.mate.org (05/2016).

Lange Startzeiten – Autostart aufräumen

Ihr Rechner erfüllt die von mir empfohlenen Systemvoraussetzungen und Ubuntu ist trotzdem langsam? Dann können Sie Ihr Betriebssystem optimieren. Zunächst sollten Sie dazu das Autostartmenü aufräumen.

  1. Klicken Sie auf die Ubuntu Dash-Startseite.
  2. Öffnen Sie darüber das Menü „Startprogramme“.
  3. Entfernen Sie die Häkchen bei überflüssigen Diensten, die mit Ubuntu gestartet werden.

Screenshot von Ubuntu 16.04 LTS Startprogramme

Hinweis: Dienste, die beim Starten eine Internetverbindung aufbauen müssen, wie zum Beispiel Wetter-Widgets, verlangsamen den Systemstart besonders stark.

Desktop von Ubuntu schneller machen

Mithilfe einer kleinen Freeware haben Sie zudem die Möglichkeit, die Ubuntu Benutzeroberfläche Unity zu beschneiden und somit zu beschleunigen. Dazu gehen Sie wie folgt vor:

  1. Öffnen Sie ein Terminal-Fenster.
  2. Installieren Sie das Unity Tweak Tool mithilfe des Befehls sudo apt-get install unity-tweak-tool.
  3. Starten Sie direkt im Anschluss die Software mithilfe der Ubuntu Dash-Startseite.

Unity Tweak Tool bietet zahlreiche Optionen, die Benutzeroberfläche anzupassen. Um Ubuntu schneller zu machen, können Sie die Grafikanimationen abstellen.

  • Wählen Sie dafür das Menü „Allgemein“ aus.
  • Unter dem Reiter „Animation“ finden Sie nun verschiedene Auswahlmöglichkeiten.
  • So steht neben „Minimieren“ beispielsweise die Animation „Zoom“. Ändern Sie diesen Eintrag in „Keine“ bzw. „None“. Wenn dies nicht reicht, deaktivieren Sie generell alle Animationen über den Schieberegler.

Tipp: Im Menü „Starter“ finden Sie außerdem den Schieberegler, um die Animationen der Symbole zu deaktivieren.

Fazit

Wie Sie sehen, sind die nützlichen Optionen Ubuntu schneller zu machen genauso spärlich wie bei Windows. Bei beiden Systemen können Sie vor allem über die Hardware aktiv auf die Geschwindigkeit einwirken. Jedoch haben Sie nur unter Ubuntu die Freiheit, ein immer aktuelles Backend (/root) beizubehalten und ressourcensparendere Frontends (Oberflächen) einzusetzen. Bei Windows ist dies nicht der Fall, da die Supportzeiträume regelmäßig den Benutzer zum Upgrade der Software und demnach auch der Hardware zwingen. Außerdem haben Sie als Ubuntu-Profi immer noch ein natives Debian als weitere Option in der Hinterhand.

Falls Sie vor allem der langsame Systemstart von Ubuntu stört, empfehle ich Ihnen einfach öfter den „Ruhezustand“ zu nutzen.

Ihr Computer fährt herunter, jedoch wird eine minimale Stromversorgung zum Arbeitsspeicher aufrechterhalten, sodass die Daten darin gespeichert bleiben können.

Sascha: Ruhezustand. kilobyte.bplaced.net (05/2016).

Es ist nämlich nicht immer nötig, den Computer bei jeder kleinen Pause komplett auszuschalten.

Verwandte Themen:

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(Screenshots: Ubuntu MATE 16.04 LTS & Unity Tweak Tool 0.0.7)

Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


Kategorie: Anleitung
  • Jakob Licina sagt:

    Ist es denn generell so, dass die Festplatte oft ein Flaschenhals ist? Mein Dad benutzt aktuell einen ca. fünf Jahre alten Toshiba-Rechner mit Windows (leider notwendig zwecks Office und Lightroom), ursprünglich hatte er nur 2GB RAM, ich habe die Tage mal 4GB bestellt, weil das System immer ausgelastet ist. Denkst du, dass eine kleine SSD Sinn macht?

    Cheers!

  • Reinhard Wohlfeil sagt:

    Sehr guter Artikel, Ubuntu ist schon lange nicht mehr das schlanke Linux-System und deshalb auch ein wenig bei Oldschoolern als Klickibunti verpönt. Ich benutze deshalb Ubuntu leightweight „Lubuntu“.

    @Jakob
    SSD hat eine sehr schnelle Zugriffszeit. Programme starten wesentlich schneller als bei einer HDD. Der RAM ist für bereits offene Anwendungen da. Firefox braucht bei mir manchmal 2 Gig, arbeite mit vielen Tabs. Wenn mein RAM voll ist, hängt sich dann oft Firefox auf, weil auf HDD ausgelagert wird.

    @Kilobyte
    Genialer Blog, gefällt mir.

  • Knut von Soosten sagt:

    Ich habe mir ein neues Laptop ohne Betriebssystem gekauft (Lenovo E565 A10 8GB). Nach der Installation von Ubuntu 16.04 habe ich keinen Zugang zum Wi-Fi! Habe alle Tipps schon durch […].

    Gekürzt von Sascha, da Artikelthema nicht zum Problem passt. Bitte lesen Sie meinen Artikel zum Thema WLAN.

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