Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

Ubuntu: HTML5 auf YouTube – WebM/VP9 im Firefox verfügbar

Januartage sind für mich immer sehr arbeitsreich, was jedoch sehr gut ist, schließlich ist der erste Monat des Jahres nicht nur besonders lang, sondern auch immer sehr teuer. An einen Tag wie den 26. Januar würde ich normalerweise keinen zweiten Gedanken verschwenden und wüsste nur wenige Zeit später nicht mehr, was ich an diesem besagten Tag genau getan habe. Wenn Sie nicht gerade Germanistikliebhaber sind und den Geburtstag von Helmina von Chézy mit Poesie feiern, wird es Ihnen wahrscheinlich genauso ergehen.

Die Biene nicht nur Honig saugt, Versucht auch, daß ihr Stachel taugt.

Chézy, von, Helmina: Gedichte der Enkelin der Karschin. Erster Band. Wailandt 1812.

Bild von Mozilla Firefox unter Ubuntu auf YouTubeAm 26. Januar 2016 passierte jedoch etwas Wunderbares, es erschien der Mozilla Firefox 44.0 für Ubuntu. Mit dieser Version ist WebM/VP9 standardmäßig aktiviert, was bedeutet, dass YouTube-Videos von nun an im HTML5-Format in der gleichen Qualität wie unter Windows angesehen werden können. Es dauerte zwar mehr als sechs Monate länger als beim Microsoft-Pendant, jedoch sind ab sofort auch unter Ubuntu der Google Chrome Browser, der Adobe Flash Player und Add-ons, die Flash erzwingen überflüssig.

Traurig, dass man nach 9 Jahren YouTube Flash mit einem Plugin erzwingen muss, damit die Videos nicht wie auf einem 486er aussehen.

Reisener: YouTube: In Ubuntu Firefox nur 360p oder 720p – Lösung. kilobyte.bplaced.net (01/2016).

YouTube mit Ubuntu – Kompromisse

Im Januar 2015 wechselte YouTube das Standardausgabeformat von Flash in HTML5 aus mehreren Gründen. Hauptargumente für diesen Schritt waren zum einen, dass der Adobe Flash Player ein ständiges Sicherheitsrisiko darstellt und zum anderen nicht mit jedem Ausgabegerät kompatibel ist.

YouTube […] has dumped Flash in favor of HTML5 for its default web player. […] HTML5 let YouTube bring videos to devices that don’t support Flash Player, such as the iPhone […].

McChormick, Rich: YouTube drops Flash for HTML5 video as default. theverge.com (01/2016).

Unter der Umstellung hatten vor allem Ubuntu-Benutzer zu leiden, denn mit dem Mozilla Firefox waren YouTube-Videos von da an nur noch in 360p und 720p verfügbar und sahen obendrein sehr verpixelt aus. Windows-Anwender waren davon nicht betroffen, da der Webbrowser WebM/VP9 unter diesem Betriebssystem zu diesem Zeitpunkt bereits unterstützte. Anwender einer Linux-Distribution waren für gute YouTube-Qualität gezwungen, Kompromisse einzugehen:

  • Google Chrome: Der Webbrowser von Google kam von Anfang an ohne Flash aus und konnte YouTube-Videos in hervorragender HTML5-Qualität abspielen bzw. verwendete als Alternative den eigens entwickelten Fresh Player. Leider gilt die Software als einer der größten Trojaner seit Bestehen der Informationstechnik.

Ein Datensammler par excellence ist der Browser von Google: Google Chrome.

Dirscherl, Hans-Christian: Das weiß Google über Sie. cio.de (01/2016).

  • Mozilla Add-ons: Mit Erweiterungen für den Mozilla Firefox wie „YouTube ALL HTML5“ oder „YouTube Flash Player“ konnte die Ausgabe von YouTube-Videos mit dem Adobe Flash Player erzwungen werden.
  • Minitube: Mit der Ubuntu-Software Minitube ist es möglich, YouTube-Videos über einen lokalen Player in höchster Qualität anzusehen.

Mozilla Firefox 44.0 – sparsam und leistungsstark

Ich verglich den Mozilla Firefox 43.0.4 mit 44.0 unter Ubuntu 14.04.03 im Bezug auf HTML5 unter YouTube.

Bild von Vergleichstest unter Ubuntu (Mozilla Firefox 43.0.4 versus 44.0)

Bei der Qualitätsstufe 720p benötigte der Prozess mit dem Mozilla Firefox 44.0 nicht nur weniger Rechenpower als die Vorgängerversion, sondern belegte auch weniger Arbeitsspeicher. Hinzukommen folgende Verbesserungen:

  • YouTube-Videos werden ab Version 44.0 standardmäßig in 480p abgespielt, solange diese die Voraussetzungen dafür erfüllen.

Das Video muss mindestens 24 Bilder pro Sekunde haben. […]

Sascha: YouTube – warum nur 360p? kilobyte.bplaced.net (01/2016).

  • Standardmäßig aktivierte H.264-Videounterstützung bzw. aktivierte WebM/VP9-Videounterstützung, falls das Ubuntu-System kein MP4/H.264 kann. Dadurch sind YouTube-Videos nicht nur in allen gängigen Qualitätsstufen verfügbar, sondern sehen nun wieder so aus, wie sie auch unter dem Adobe Flash Player ausgehen haben. Außerdem hat sich die Tonqualität spürbar erhöht.

Webbrowser werden damit immer leichter

Ich habe am 26. Januar 2016 direkt nach dem Update auf Version 44.0 alle Erweiterungen, die mit Flash zu tun hatten im Mozilla Firefox entfernt bzw. deaktiviert. Dadurch habe ich nicht nur das Risiko auf Sicherheitslücken und Spyware minimiert, sondern auch eine geringere Arbeitsspeicherbelastung während des Arbeitens mit dem Webbrowser.

Hinweis: Mit Mozilla Firefox sehen Sie ab sofort alle HTML5-Videos auf YouTube mithilfe der nun aktivierten „MSE & WebM VP9“ – Schnittstelle. Falls Sie sich für die Qualitätsunterschiede der einzelnen Codecs interessieren, empfehle ich Ihnen die HTML5-Testseite.

Standardsoftware hat ungleichen Standard – Fazit

Damit Ubuntu mit Windows konkurrenzfähig bleibt, ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, dass Standardsoftware wie der Mozilla Firefox den gleichen Funktionsumfang auf allen Plattformen bietet und nicht unter Linux-Distributionen über ein halbes Jahr lang klaffende Defizite aufweist.

Vor allem jüngere Internetbenutzer, die täglich mehrere Stunden auf der sozialen Videoplattform YouTube verbringen, dürften bei einem sporadischen Wechsel zu Ubuntu wegen der schlechten Bildqualität enttäuscht worden sein.

Auch wenn mit Version 44.0 wieder alles im grünen Bereich ist und ich durch meine diversen Lösungsartikel einer der Profiteure dieser Misere war, ist es langfristig gesehen natürlich kein Verkaufsargument für Ubuntu, wenn man so lange Zeit auf YouTube Kompromisse eingehen musste.

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Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


Kategorie: Blog
  • Stefan sagt:

    Amazon Prime Video läuft trotzdem nicht 🙁
    Muss man wohl weiter ein Dualbootsystem nutzen, weil Chrome=NoGo!

    • Kilobyte sagt:

      Hi Stefan, danke für die Anmerkung.
      Du liegst natürlich völlig richtig, HTML5 unter Amazon Prime funktioniert mit Firefox (Linux) nicht. Ich verwende dafür Opera, ist übrigens mein Sekundärbrowser für solche Angelegenheiten.

  • Marius_Mine^LP sagt:

    Du schreibst ja, dass vor allem YouTuber mit Ubuntu schlecht gefahren sind, auch mir wars so. Ich war damals auch froh, dass man kein Flash mehr gebraucht hat aber die Umsetzung von HTML5 war unter Linux wirklich schlecht, sodass ich wieder mehr Windows benutzt habe. Heute mal wieder gecheckt und geupdatet und sieht echt sauber aus, Gott sei Dank 🙂 ich schau nämlich wenns geht alles auf 1080p Full HD.

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