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Anleitungen vom Webworker

Ubuntu: Festplattenzustand herausfinden – S.M.A.R.T.

Haben Sie sich schon einmal über den Zustand Ihrer Festplatten Gedanken gemacht? Falls nicht, sollten Sie sich bewusst machen, dass Datenträger, egal, ob SSDs oder mechanische Festplatten noch vor Netzteilen die Hauptverschleißteile eines Computersystems sind. Doch was passiert eigentlich, wenn ein Datenträger älter wird? Ein großer Mythos ist, dass mechanische Festplatten langsamer werden. Dies ist nicht der Fall, warum sollten sich die Platten im Laufe der Zeit nicht weiterhin mit beispielsweise 7200 U/min drehen können?

Conventional rotating drives may not slow down with age […].

leander: Do harddrives slow down with age? superuser.com (09/2015).

Bild von mechanischer Festplatte künstlerisch in Szene gesetztVor allem Microsoft Windows neigt dazu, sich über die Jahre hinweg selbst mit Datenschrott vollzumüllen. Die Ladezeiten werden also aufgrund dessen verlängert, da die Festplatte einzelne benötigte Daten aus großen, unnötigen Datenbergen heraussuchen muss. Eine Defragmentierung hilft dann auch nichts mehr. Nur eine Neuinstallation des Betriebssystems schafft Abhilfe.

Ganz im Gegensatz zu SSDs (Solid State Disks), die tatsächlich mit zunehmendem Alter langsamer werden.

Eine SSD wird prinzipiell mit der Zeit langsamer, umso stärker sie benutzt wird umso früher wird sie im Lesen/Schreiben langsamer.

Wed: SSD wird langsamer. Was tun? apfeltalk.de (09/2015).

Dieser Fall tritt jedoch erst ein, wenn alle Reservesektoren der SSD verbraucht wurden.

Bild von Ubuntu S.M.A.R.T. WertenAuch sehr günstige, moderne Datenträger sind für Betriebszeiten von bis zu einer Millionen Stunden unter Laborbedingungen ausgelegt. In der Praxis beginnen bereits nach der Hälfte der Zeit diverse Probleme. Verschlechtert sich der Festplattenzustand zu stark, verkleinert sich zuerst der Datenträger und später kann es sogar zum Datenverlust kommen. Damit Sie als Benutzer immer den Zustand Ihrer Festplatten im Auge behalten können, stellen diese sogenannte S.M.A.R.T. (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology) Werte bereit, die sich jederzeit über das Betriebssystem einsehen lassen.

Im weiteren Artikel erfahren Sie nun zwei Wege, einen über die Benutzeroberfläche und einen über das Terminal, wie Sie in Ubuntu diese S.M.A.R.T. Werte auslesen und den Zustand Ihrer Systemdatenträger analysieren können.

Festplatten in Ubuntu analysieren

Innerhalb der Standardbenutzeroberfläche Unity, befindet sich die Festplattenanalyse in den Ubuntu-Bordmitteln. Gehen Sie dazu wie folgt vor:

  1. Öffnen Sie die Ubuntu Dash-Startseite.
  2. Geben Sie den Begriff „Laufwerk“ ins Suchfenster ein und öffnen Sie das Menü „Laufwerke“.
  3. Wählen Sie einen Datenträger Ihres Systems aus.
  4. Klicken Sie rechts oben auf das Zahnrad und weiter auf SMART-Werte und Selbsttests.

Screenshot von Ubuntu SMART-Werte und Selbsttests

Zum Auslesen des aktuellen Festplattenzustands wählen Sie jetzt die Schaltfläche „Selbsttest starten“ aus und bestätigen Sie gleich danach mit „Kurz“. Sobald der Selbsttest abgeschlossen wurde, werden Ihnen die einzelnen Werte Ihres Datenträgers angezeigt.

S.M.A.R.T. Werte im Ubuntu-Terminal anzeigen

Eine detaillierte und stichhaltigere Datenträgeranalyse lässt sich über das Ubuntu-Terminal vornehmen. Gehen Sie dazu wie folgt vor:

  1. Öffnen Sie ein Terminal-Fenster.
  2. Installieren Sie die Freeware smartmontools mit dem Befehl sudo apt-get install smartmontools.
  3. Mithilfe von sed -ne 's/.*\([sh]d[a-zA-Z]\+$\)/\/dev\/\1/p' /proc/partitions sehen Sie alle Datenträger Ihres Systems, bei denen Sie eine Festplattenanalyse vornehmen können.
  4. Die S.M.A.R.T. Werte des Datenträgers sda werden Ihnen beispielsweise mithilfe des Befehls sudo smartctl -a /dev/sda angezeigt.

So interpretieren Sie die Festplattenwerte richtig

Egal, ob Sie sich für die grafische Festplattenanalyse oder die Terminal-Variante entscheiden, am Wichtigsten ist, dass Sie die angezeigten S.M.A.R.T. Werte richtig interpretieren können.

Währenddessen die Temperatur noch selbsterklärend ist, kann der Begriff Betriebszeit bereits in die Irre führen. Hierbei ist nicht das physische Alter Ihres Datenträgers gemeint, sondern tatsächlich die Zeit, die Ihre Festplatte unter Strom stand.

  • In der S.M.A.R.T. Analyse werden alle überlebenswichtigen Disziplinen Ihres Datenträgers in der Regel mithilfe von zweimal zwei Zahlen bewertet. In meinem Beispiel auf dem Screenshot sind das die 100 und die 253. Von Bedeutung ist jedoch die Zahl unter Grenzwert/THRESH. Bei einer neuen Festplatte steht hier immer eine 0. Bedeutet also, je weiter die Grenzwertzahl vom Standardwert 100 bzw. 253 weg ist, umso neuwertiger ist der Datenträger. Je näher diese Zahl an den Startwert kommt, umso schlechter ist der Festplattenzustand.

Wichtig: In den Analysemethoden werden die Werte von Ubuntu bereits für Sie interpretiert. Ist eine Testdisziplin bereits stärker beschädigt und verfügt über einen hohen Eintrag unter Grenzwert, wird dieser Umstand mit Pre-Fail bzw. Frühwarnung verdeutlicht. Der Status Alterserscheinung bzw. Old_age gibt an, dass es sich bei diesem Datenträger um kein neuwertiges Produkt mehr handelt.
Hinweis: Den größten Verschleiß an Datenträgern erzeugt das Starten und Stoppen. Der „Start/Stopp-Zähler„ ist demnach eine besonders aussagekräftige Testdisziplin.

Wie lässt sich der Festplattenzustand verbessern?

Es ist nicht möglich, Festplatten bzw. SSDs wirtschaftlich zu reparieren. Übertragen Sie die Daten des vom Ausfall gefährdeten Datenträgers auf ein neues Medium. Im Anschluss bauen Sie das Verschleißteil aus, hauen dreimal kräftig mit dem Hammer drauf und bringen das Ganze bei Gelegenheit zu einem Wertstoffhof.

Wenn Sie kein Geld für neue Hardware haben und einen gebrechlichen Datenträger weiterverwenden wollen, gebe ich Ihnen noch einen Tipp. Die Festplatten- und SSD-Hersteller bieten auf ihren Webseiten kostenlose Software für ein Low-Level-Format an. Dabei überschreibt das Tool den kompletten Datenträger mit Nullen. Beschädigte Sektoren werden dabei ausgelassen und nicht wieder als Speicherplatz ausgegeben. Somit wird die Speichergröße des Datenträgers zwar stark verkleinert, die Entsorgung kann jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Fazit

Ausgenommen von meinem NAS warte ich immer viel zu lange mit dem Austausch der Festplatten und deshalb weiß auch ich, wie es ist, wenn der Systemdatenträger mal wieder Daten gefressen hat oder laute Klackgeräusche von sich gibt. Mein bisheriger Rekord bei einer mechanischen Festplatte liegt bei 4 Jahren und 2 Monaten Betriebszeit, in der Regel ist jedoch nach 3 Jahren Schicht im Schacht.

Verwandte Themen:

Ubuntu – Festplatte richtig aufteilen
Advanced Format bei Festplatten – was ist das?

(Screenshots: Ubuntu 14.04.3 LTS)

Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


Kategorie: Anleitung
  • Tavellas sagt:

    Hallo recht herzlichen Dank für die Infos vieles war mir noch neu. Unter Windows verwendete ich immer CrystalDiskInfo bin aber seit zwei Jahren voll auf Ubuntu. Meine älteste Fesplatte war eine WD 80 GB die 5 Jahre hielt. Viele Grüße!

  • RudiX sagt:

    Herzlichen Dank für Deinen Artikel,
    ein perfektes Tool auch für eine Inventarisierung mit Deiner sed-Variante und dieser Abfrage:
    $ sudo smartctl -i /dev/sdc
    Nur mag smartctl bei USB-Disks nicht und meldet:
    /dev/sdc: Unknown USB bridge [0x0bc2:0x2321 (0x100)]
    Was tun? Ubuntu 14.04 LTS 64bit, Laptop: TUXEDO Intel® Core™ i7-4710MQ CPU @ 2.50GHz × 8, Disk: Seagate Expansion (0502) 2TB USB3
    Die Lösung brachte diese Befehlszeile:
    $ sudo smartctl -i -d scsi /dev/sdc
    Nun kann ich meine Disks nach Hersteller, Typ und sogar Serial number inventarisieren.

    RudiX

  • Vinn sagt:

    Meine älteste Platte ist bisher eine Seagate (!) Jahrgang 2000/2001. Womit sie ein typischer Vertreter der Seagate Platten ist: Lebensdauer unter 2 Jahren, oder „ewig“.

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