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Ubuntu: Festplattenzustand herausfinden – S.M.A.R.T.

Mechanische Festplatten und Solid State Drives sind Verschleißteile. Um einen Datenverlust zu vermeiden, sollte jeder Computerbesitzer stets wissen, wie der Zustand seiner Speichermedien ist. Bereits seit Mitte der 1990er Jahre stellen Datenträger sogenannte S.M.A.R.T. (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology) Werte bereit. Diese lassen sich über das Betriebssystem auslesen und verraten, ob ein Austausch des Speichermediums bald notwendig ist. In der folgenden Anleitung sage ich Ihnen, wie Sie unter Ubuntu die S.M.A.R.T. Werte Ihrer Datenträger analysieren und richtig interpretieren können.

S.M.A.R.T. Werte unter Ubuntu auslesen

Bild von Ubuntu S.M.A.R.T.Um detaillierte Informationen über den Zustand einer Festplatte zu bekommen, müssen Windows-Benutzer auf Software wie CrystalDiskInfo zurückgreifen. Dies ist unter Ubuntu nicht nötig, denn die Linux-Distribution stellt von Haus aus ein aussagekräftiges Diagnosewerkzeug mit grafischer Benutzeroberfläche bereit. Damit lässt sich nicht nur die allgemeine Verfassung, sondern auch die Betriebstemperatur und das Alter eines Speichermediums herausfinden.

Doch was passiert eigentlich, wenn ein Datenträger älter wird? Ein großer Mythos ist, dass mechanische Festplatten langsamer werden. Dies ist nicht der Fall. Denn warum sollten sich die Platten im Laufe der Zeit nicht weiterhin mit beispielsweise 7200 U/min drehen können?

Conventional rotating drives may not slow down with age […].

leander: Do harddrives slow down with age? superuser.com (09/2015).

Bild von einer mechanischen Festplatte von Samsung (Kilobyte / S.M.A.R.T. Werte auslesen)

Die Ladezeiten verlängern sich bei mechanischen Festplatten nur dann, wenn diese stark belegt und fragmentiert sind. Ganz im Gegensatz zu Solid State Drives, die mit zunehmendem Alter tatsächlich spürbar langsamer werden.

Eine SSD wird prinzipiell mit der Zeit langsamer, umso stärker sie benutzt wird umso früher wird sie im Lesen/Schreiben langsamer.

Wed: SSD wird langsamer. Was tun? apfeltalk.de (09/2015).

  • Dieser Fall tritt jedoch erst ein, sobald alle Reservesektoren des elektronischen Speichermediums verbraucht wurden.

Für eine Datenträgeranalyse unter Ubuntu müssen Sie zunächst in das Menü „Laufwerke“ navigieren.

Screenshot von Ubuntu "Laufwerke"

Dort angekommen sehen Sie auf der linken Seite alle Speichermedien, die sich in Ihrem Computersystem befinden. Markieren Sie mit der Maus den Datenträger, von dem Sie die S.M.A.R.T. Werte erfahren möchten, und drücken Sie anschließend die Taste „S“.

Screenshot von "Laufwerke" - Ubuntu 16.04.2 LTS

S.M.A.R.T. Werte unter Ubuntu 16.04.2 LTS

Daraufhin öffnet sich ein Fenster, welches die Konstitution Ihrer Hardware beschreibt. Ubuntu nimmt dabei auch gleich eine Bewertung der einzelnen Punkte vor.

  • Tipp: Je mehr Zeilen mit „Frühwarnung“ gekennzeichnet sind, umso schlechter ist der Zustand Ihres Datenträgers.

Leider verwendet Ubuntu im Gegensatz zu CrystalDiskInfo für die Festplattenbewertung keine Schulnoten. Aus diesem Grund empfehle ich einen anderen Weg, um die S.M.A.R.T. Werte auszulesen.

Festplatten unter Ubuntu kleinlichst analysieren

Um wirklich etwas Genaues über den Zustand eines Speichermediums sagen zu können, sollten Sie die S.M.A.R.T. Werte stets über das Terminal-Fenster auslesen. Dazu müssen Sie zunächst die Freeware smartmontools installieren.

sudo apt-get install smartmontools

Mit folgendem Befehl finden Sie nach der Installation heraus, bei welchen Datenträgern die S.M.A.R.T. Werte ausgelesen werden können:

sed -ne 's/.*\([sh]d[a-zA-Z]\+$\)/\/dev\/\1/p' /proc/partitions

Die Datenträgeranalyse von sda würden Sie daraufhin folgendermaßen starten:

sudo smartctl -a /dev/sda

Sobald die Werte komplett dargestellt wurden, sollten Sie so weit nach oben Scrollen, bis Sie die Basisinformationen Ihres Speichermediums sehen.

Screenshot von S.M.A.R.T. Werten im Ubuntu Terminal - Basisinformationen

Etwas darunter finden Sie die Werte, die den Datenträgerzustand exakt beschreiben.

S.M.A.R.T. Werte richtig interpretieren – Hilfestellung

In der Analyse der Ubuntu S.M.A.R.T. Werte werden alle überlebenswichtigen Disziplinen Ihres Datenträgers in der Regel mithilfe von zwei Zahlen bewertet.

Screenshot von Ubuntu Terminal - S.M.A.R.T. Werte

S.M.A.R.T. Werte unter Ubuntu interpretieren

Von Bedeutung sind die Zahlen unter VALUE und THRESH. Wie Sie am Screenshot erkennen können, wird eine Testdisziplin mit „Pre-fail“ bewertet, sobald unter THRESH eine andere Zahlenreihe als die 000 steht.

  • Hinweis: Je näher der Wert unter THRESH an VALUE liegt, umso schlechter ist es um den Datenträger bestellt.

Im selben Report sehen Sie zudem die Betriebszeit Ihres Speichermediums. Damit ist nicht etwa das physische Alter gemeint, sondern nur die Zeit, die Ihr Datenträger bisher unter Strom stand.

Screenshot von Betriebszeit einer mechanischen Festplatte unter Ubuntu

Obwohl mein Testdatenträger schon fast dreißigtausend Betriebsstunden auf dem Buckel hat, besteht noch keine Datenverlustgefahr. Dies mache ich daran fest, da der „Start/Stopp-Zähler„ noch nicht negativ bewertet wurde.

  • Hinweis: Das Starten und Stoppen verursacht den größten Verschleiß an mechanischen Datenträgern.

Wussten Sie, dass selbst sehr günstige Festplatten unter Laborbedingungen über eine Million Betriebsstunden ableisten können?

Bild von Ubuntu S.M.A.R.T. Werte analysieren

In Wahrheit sind so ziemlich alle Festplatten und Solid State Drives nach fünf bis sieben Jahren am Ende. Dabei spielt die Betriebszeit nur eine untergeordnete Rolle. Ein neues Verschleißelement kam mit mechanischen Festplatten hinzu, die mit Helium befüllt sind. Das Edelgas tritt nämlich mit der Zeit vollständig aus dem Gehäuse aus.

Fazit: Kann der Festplattenzustand verbessert werden?

Es ist nicht möglich, eine Festplatte oder ein Solid State Drive wirtschaftlich zu reparieren. Übertragen Sie die Daten des vom Ausfall gefährdeten Datenträgers auf ein neues Medium. Im Anschluss bauen Sie das Verschleißteil aus, hauen dreimal kräftig mit dem Hammer drauf und bringen das Ganze bei Gelegenheit zu einem Wertstoffhof.

Wenn Sie kein Geld für neue Hardware haben und einen gebrechlichen Datenträger weiterverwenden wollen, gebe ich Ihnen noch einen Tipp:

  • Die Hersteller bieten auf ihren Webseiten kostenlose Software für ein Low-Level-Format an. Dabei überschreibt das Tool den kompletten Datenträger mit Nullen.

Beschädigte Sektoren werden dabei ausgelassen und nicht wieder als Speicherplatz ausgegeben. Somit wird die Speichergröße des Datenträgers zwar stark verkleinert, die Entsorgung kann jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

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Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


Kategorie: Anleitung
  • Tavellas sagt:

    Hallo recht herzlichen Dank für die Infos vieles war mir noch neu. Unter Windows verwendete ich immer CrystalDiskInfo bin aber seit zwei Jahren voll auf Ubuntu. Meine älteste Fesplatte war eine WD 80 GB die 5 Jahre hielt. Viele Grüße!

  • RudiX sagt:

    Herzlichen Dank für Deinen Artikel,
    ein perfektes Tool auch für eine Inventarisierung mit Deiner sed-Variante und dieser Abfrage:
    $ sudo smartctl -i /dev/sdc
    Nur mag smartctl bei USB-Disks nicht und meldet:
    /dev/sdc: Unknown USB bridge [0x0bc2:0x2321 (0x100)]
    Was tun? Ubuntu 14.04 LTS 64bit, Laptop: TUXEDO Intel® Core™ i7-4710MQ CPU @ 2.50GHz × 8, Disk: Seagate Expansion (0502) 2TB USB3
    Die Lösung brachte diese Befehlszeile:
    $ sudo smartctl -i -d scsi /dev/sdc
    Nun kann ich meine Disks nach Hersteller, Typ und sogar Serial number inventarisieren.

    RudiX

  • Karl Michaelis sagt:

    SMART Werte passen, man dankt für die sehr gute Beschreibung. Vieles wusste ich im Zusammenhang mit Festplatten noch nicht. Eine Frage: Ich bin sehr oft auf dieser Seite, da ich Ubuntu erst seit Weihnachten ’16 benutze. Liegt das Projekt hier auf Eis oder kommen bald wieder neue Anleitungen? Ich schätze eure Arbeit sehr, denn für das Wiki und das Forum bin ich einfach zu alt/dumm? 🙂 Würde mich freuen wenns bald weitergeht. Grüße aus Reutlingen, Karl.

    • Helpdesk sagt:

      Hi Karl, wir überarbeiten seit einem Monat „zeitlose“ Anleitungen im Hintergrund. Wenn das abgeschlossen ist, kommen wieder neue Artikel auf der Startseite. Die Frequenz dieses Freizeitblogs ist ohnehin niedriger als woanders, da wir „nur“ Probleme lösen. Debian Prinzip 🙂 Danke für die netten Worte und deinen Kommentar.

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