Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

Ubuntu: Die wichtigsten Terminal-Befehle - ein Überblick

Die stei­gen­de Be­liebt­heit von Linux-Distributionen wie Ubun­tu, De­bi­an oder Li­nux Mint grün­det vor al­lem auf dem Um­stand, dass die­se mit an­spre­chen­den, gra­fi­schen Be­nut­zer­ober­flä­chen be­dien­bar sind. Heut­zu­ta­ge ha­ben näm­lich vie­le An­wen­der gro­ße Angst vor Terminal-Fenstern, doch das war bei­lei­be nicht im­mer so. Der ers­te nen­nens­wer­te, kom­mer­zi­ell er­folg­rei­che Com­pu­ter, der mit ei­ner gra­fi­schen Be­nut­zer­ober­flä­che (GUI) samt Maus steu­er­bar war, kommt aus dem Jah­re 1981 und nann­te sich Xe­rox Star.

1981 Xe­rox Star. The first com­mer­ci­al at­tempt at a mou­se ba­sed GUI.

Snei­der, Je­re­my: A Short Histo­ry of the GUI and the Mi­cro­soft vs Ap­ple De­ba­te. theoligarch.com (02/2016).

Screenshot Ubuntu Terminal-FensterGe­mes­sen am Er­folg der Be­triebs­sys­te­me MS-DOS (1981) für x86-PCs und Com­mo­do­re Ba­sic V2 (1982) für den C64, die aus­schließ­lich über die Kom­man­do­zei­le be­dient wer­den muss­ten, blieb der Xe­rox Star blass. Glei­ches galt für die Work­sta­tion Ap­ple Lisa (1983). Die­ses Sys­tem hat­te zwar für da­ma­li­ge Ver­hält­nis­se eine sehr an­spre­chen­de Be­nut­zer­ober­flä­che, war je­doch un­er­schwing­lich und konn­te sich nicht am Markt eta­blie­ren. Es dau­er­te noch mehr als zehn Jah­re, bis die Computer-Benutzer sich an gra­fi­sche Desktop-Oberflächen ge­wöhn­ten und die­se seit­dem be­vor­zu­gen. Den größ­ten An­teil an die­ser Ent­wick­lung trug das Mi­cro­soft Be­triebs­sys­tem Win­dows 95.

47.000.000 Ex­em­pla­re von Win­dows 95 wur­den 1996 ver­kauft.

Ma­kow­ski, Dirk: Win­dows 95. winhistory.de (02/2016).

Von da an wa­ren Com­pu­ter nicht mehr nur Ar­beits­ge­rä­te, bes­se­re Ta­schen­rech­ner und Spiel­au­to­ma­ten, son­dern ein­fach be­dien­ba­re, mul­ti­me­dia­le All­zweck­waf­fen, wel­che die gan­ze Fa­mi­lie an­spra­chen.

Spä­tes­tens seit 1998 als De­bi­an 2.0 (Hamm) ver­öf­fent­licht wur­de, kön­nen auch Linux-Distributionen mit­hil­fe von gra­fi­schen Be­nut­zer­ober­flä­chen (KDE, GNOME, Cin­na­mon, etc.) be­dient wer­den.

I swit­ched to De­bi­an 2.0 (Hamm) in 1998 when it first came out. [...] I spent hours com­pi­ling things whe­ther it was X11, KDE 0.x, QT, GTK, Gno­me, GIMP.

Nate: Hap­py Bir­th­day De­bi­an: 20 ye­ars old. techopsguys.com (02/2016).

Das Debian-Derivat Ubun­tu ging so­gar noch eine Stu­fe wei­ter und bringt seit Ver­si­on 11.04 sei­ne ei­ge­ne Be­nut­zer­ober­flä­che (Unity) mit. Als Be­nut­zer von De­bi­an oder ei­nes De­ri­vats dar­aus, kön­nen Sie prin­zi­pi­ell auf die Ver­wen­dung von Terminal-Fenstern ver­zich­ten. Für je­den wich­ti­gen Be­fehl gibt es in al­len gän­gi­gen Ober­flä­chen das pas­sen­de Menü.

  • Je mehr Sie je­doch die Kom­fort­zo­ne De­bi­an ver­las­sen und rei­ne Linux-Anwendungen be­die­nen möch­ten, des­to häu­fi­ger wer­den Sie um das Ter­mi­nal nicht her­um­kom­men.
  • Au­ßer­dem bie­tet ein si­che­rer Terminal-Umgang vie­le Vor­tei­le. Sie kön­nen da­durch oft­mals nicht nur schnel­ler ar­bei­ten oder im Not­fall Ihr Sys­tem re­pa­rie­ren, son­dern auch auf vie­le gra­fi­sche Hilfs­pro­gram­me ver­zich­ten.

So funktioniert das Terminal

Hin­weis: Je­des Terminal-Fenster kann ei­nen Pro­zess aus­füh­ren. Sie kön­nen un­ter Ubun­tu je­doch be­lie­big vie­le Fens­ter gleich­zei­tig ge­öff­net ha­ben.

1.) In­stal­lier­te Pro­gram­me star­ten

Soft­ware, die Sie via Ubun­tu Software-Center oder PPA in­stal­liert ha­ben, lässt sich über ein Terminal-Fenster star­ten. Tip­pen Sie dazu ein­fach den Na­men in Klein­buch­sta­ben ein und be­stä­ti­gen Sie mit der Ein­ga­be­tas­te.

Screenshot von Libreoffice im Terminal-Fenster

2.) Linux-Programme star­ten

Da­mit Ap­pli­ka­tio­nen wie der Tor-Browser oder das Spiel Su­per­Tux­Kart un­ter je­dem Linux-System funk­tio­nie­ren, wer­den die­se als Shell-Script aus­ge­lie­fert. Eine In­stal­la­ti­on ist da­bei nicht not­wen­dig, denn die An­wen­dung wird ein­fach mit­hil­fe des Ter­mi­nals aus dem Ord­ner ge­star­tet.

Screenshot vom Starten eines Shell-Scripts

Dazu wird im­mer das Prä­fix ./ vor den Da­tei­na­men ge­setzt.

Hilfreiche Tipps fürs Ubuntu-Terminal

Al­bert Ein­stein sag­te: „Wis­sen heißt wis­sen, wo es ge­schrie­ben steht.” Ge­nau­so ver­hält es sich mit Terminal-Befehlen.

3.) Au­to­ver­voll­stän­di­gung

Pro­gramm­na­men sind oft­mals sehr lan­ge und be­sit­zen Ver­si­ons­num­mern und Satz­zei­chen. Es be­steht kein Grund, dies al­les ma­nu­ell in ein Terminal-Fenster ab­zu­schrei­ben.

Screenshot von Terminal-Fenster Autovervollständigung

Tip­pen Sie die ers­ten Buch­sta­ben ein, die Ih­nen ein­fal­len und drü­cken Sie da­nach die Ta­bu­la­tor­tas­te. Ubun­tu wird den Rest für Sie au­to­ma­tisch ver­voll­stän­di­gen.

Tipp: Ihre zu­letzt ein­ge­ge­be­nen Terminal-Befehle blei­ben ge­spei­chert. Drü­cken Sie auf Ih­rer Tas­ta­tur die Pfeil­tas­te nach oben, um sich die­se an­zei­gen zu las­sen.

4.) Copy & Pas­te

Es lohnt sich eben­so we­nig, lan­ge Be­fehls­ket­ten von In­ter­net­sei­ten ab­zu­schrei­ben. An­stel­le des­sen soll­ten Sie den ge­wünsch­ten Be­fehl mar­kie­ren und ko­pie­ren. Im Terminal-Fenster selbst ist es da­nach mög­lich, das Gan­ze mit­hil­fe der rech­ten Maus­tas­te ein­zu­fü­gen.

Aus Ih­rem Brow­ser bzw. Libre­Of­fice sind Sie viel­leicht ge­wohnt mit den Tas­ten­kür­zeln „Strg + C” und „Strg + V” zu ar­bei­ten.

Kann man über die Kon­so­le die Short­cuts: Strg+C, …+X, …+V ein­rich­ten?

Mi­cha­el: Syn­ap­tic. kilobyte.bplaced.net (02/2016).

Dies funk­tio­niert stan­dard­mä­ßig lei­der nicht im Terminal-Fenster, son­dern muss je nach Be­nut­zer­ober­flä­che, mal mehr mal we­ni­ger auf­wen­dig, kon­fi­gu­riert wer­den.

Ordner mithilfe des Terminals erkunden

5.) In ein Ver­zeich­nis wech­seln

Da­mit Sie her­un­ter­ge­la­de­ne Ar­chi­ve über das Ter­mi­nal ent­pa­cken oder Shell-Scripts star­ten kön­nen, ist es er­for­der­lich, in das Hei­mat­ver­zeich­nis die­ser Da­tei­en zu na­vi­gie­ren.

Screenshot von cd /home/

Dazu gibt es den CD-Befehl (chan­ge di­rec­to­ry). Mit dem Prä­fix cd na­vi­gie­ren Sie von Ord­ner zu Ord­ner.

Um nach­zu­se­hen, was sich im an­ge­kom­me­nen Ver­zeich­nis be­fin­det, eig­net sich der Terminal-Befehl dir am bes­ten.

Screenshot von Ubuntu-Terminal dir

Ih­nen wer­den dar­auf­hin alle wei­te­ren Ord­ner und Da­tei­en im Ver­zeich­nis an­ge­zeigt, so­dass Sie mit cd wei­ter na­vi­gie­ren kön­nen. Da­bei soll­ten Sie wie­der auf die Au­to­ver­voll­stän­di­gung zu­rück­grei­fen.

Screenshot von cd.. im Ubuntu-Terminal

Sind Sie ein­mal falsch ab­ge­bo­gen, führt Sie der Be­fehl cd .. wie­der eine Stu­fe zu­rück.

6.) Dokumente/Verzeichnisse mit dem Ter­mi­nal kopieren/verschieben

Prin­zi­pi­ell bie­tet das Ubuntu-Terminal die Ge­le­gen­heit, dar­in die kom­plet­te Ord­ner­struk­tur neu zu ar­ran­gie­ren.

Screenshot vom Kopieren mit dem Terminal-Fenster

Mit dem Be­fehl cp -u samt Datei- bzw. Ord­ner­na­me ge­folgt vom neu­en Spei­cher­ort, ko­pie­ren Sie die Da­ten. Ist die Da­tei be­reits vor­han­den, wird die­se da­mit gleich­zei­tig über­schrie­ben.

Hin­weis: Die­ses Bei­spiel dient le­dig­lich als Il­lus­tra­ti­on. Selbst­ver­ständ­lich ver­wen­de ich für solch ein Sze­na­rio den Ordner-Manager (Nautilus/Dolphin) mei­ner Ubuntu-Version, sonst könn­te ich gleich Arch Li­nux in­stal­lie­ren.

  • Soll­ten Sie ein­mal eine Da­tei in Ih­rem Wur­zel­ver­zeich­nis än­dern wol­len, wer­den Sie je­doch mit dem Ordner-Manager nicht weit kom­men. Hier hilft dann nur der oben ge­nann­te CP-Befehl samt Ad­mi­nis­tra­to­ren­rech­te.

Ein Terminal-Fenster für Administratoren

Wie Sie se­hen, ist es im All­tags­be­trieb nicht not­wen­dig im Ubuntu-Terminal über Ad­mi­nis­tra­to­ren­rech­te zu ver­fü­gen.

7.) Ich bin der sudo (Ad­min)

Im­mer wenn Sie Terminal-Befehle se­hen, die das Prä­fix sudo er­for­dern, be­deu­tet dies, dass Sie in Ihr Sys­tem ein­grei­fen und dies mit Ih­rem Ad­mi­nis­tra­to­ren­pass­wort le­gi­ti­mie­ren müs­sen.

Screenshot von sudo Befehlen im Ubuntu-Terminal

  • Heißt also im Um­kehr­schluss, so­lan­ge Sie ohne sudo in Ih­rem Terminal-Fenster her­um­pro­bie­ren, ist es nicht mög­lich, ir­gend­et­was an Ih­rem Be­triebs­sys­tem zu be­schä­di­gen.
Fazit zum Ubuntu-Terminal

Wie Sie se­hen, ist das Ter­mi­nal kein He­xen­werk, son­dern funk­tio­niert mi­ni­ma­lis­tisch mit lo­gi­schen Be­feh­len. Um lang­fris­tig er­folg­reich mit ei­nem Debian-Derivat ar­bei­ten zu kön­nen, soll­ten Sie die ge­nann­ten sie­ben Punk­te be­herr­schen. Die­se gel­ten als die ab­so­lu­ten Ba­sics und da­mit kön­nen Sie sich al­les Wei­te­re in Zu­kunft her­lei­ten.

Ich be­vor­zu­ge auch ei­nen schö­nen Desk­top und ver­wen­de des­halb be­son­ders ger­ne KDE als Be­nut­zer­ober­flä­che. Folg­lich ver­su­che auch ich so viel wie mög­lich, mit der Maus auf ei­nem an­spre­chen­den Un­ter­grund zu er­le­di­gen. Da­her zum Schluss noch ein Bo­nus­tipp, für eine im­mer wie­der­keh­ren­de Fra­ge in die­sem Blog.

Hi Ki­lo­byte, kannst du mir kurz sa­gen, wie du in der Kon­so­le in­stal­lier­te Pro­gram­me löscht? [...] Ich ver­wen­de noch Ubun­tu 12.04 we­gen al­ter Ma­schi­ne und so.

Jung, Man­fred: Kur­ze Fra­ge zu Ubun­tu und lö­schen. E-Mail vom 11.01.2016.

8.) So lö­sche ich in­stal­lier­te Pro­gram­me in Ubun­tu

Ich öff­ne Syn­ap­tic, su­che be­sag­te Soft­ware über das Such­fens­ter und de­instal­lie­re die­se da­mit voll­stän­dig.

Na­tür­lich könn­te ich im Ter­mi­nal auch pro­bie­ren, ob

  1. sudo apt-get remove <package> && sudo apt-get autoremove.
  2. sudo apt-get remove <application_name>.
  3. sudo apt-get purge <package-name>.

ir­gend­wann zum Er­folg führt.

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Mein Name ist Sa­scha, das In­ter­net und ich sind seit 1997 gute Freun­de. Es gibt mir En­ter­tain­ment, Mo­ne­ten und Lie­be, da­für gebe ich ihm seit 2009 viel­sei­ti­ge, mul­ti­me­dia­le An­lei­tun­gen auf den ver­schie­dens­ten Prä­sen­zen. Wäre ich nicht Web­wor­ker, wür­de ich wahr­schein­lich für die Ca­mor­ra das Heim­netz­werk auf De­bi­an um­stel­len und ver­wal­ten. Als Fa­mi­li­en­mensch lie­be ich näm­lich Süd­ita­li­en, das dor­ti­ge Es­sen und die spät­abend­li­chen Ar­beits­zei­ten.


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