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Ubuntu: Arbeitsspeicher Diagnose – memtest86+

Haben Sie schon einmal Hardware bei eBay gekauft? Und war die auch kaputt? Ein Leser meines Blogs schrieb mir eine lange E-Mail, denn er folgte meiner Empfehlung seinen PC, der bis dahin nur mit 2 Gigabyte Arbeitsspeicher ausgestattet war, auf 8 Gigabyte aufzurüsten, da Ubuntu 14.04 LTS trotz dedizierter Grafikkarte nur sehr langsam lief.

[…] Habe ich bei Ebay 2x 4 GB Crucial DDR-1600 gekauft. […] Mein PC läuft hervorragend, außer wenn ich eine Blu-ray anschaue oder lange was in GIMP bastle, […] Bild vom Monitor wird schwarz mit grünen Punkten und PC startet neu, war vorher nie.

G., Jörg: Ubuntu stürzt ab – neuer Arbeitsspeicher. E-Mail vom 27. September 2015.

Bild von drei RAM-Riegeln

Selbstverständlich war es ein Privatverkäufer und die Bezahlung lief via Überweisung. Abgekürzt hat der Leser auf eBay falsch gemacht, was man falsch machen kann. Dennoch ist es merkwürdig, dass das System nur instabil wird, wenn der Arbeitsspeicher zu einem gewissen Grad belegt ist. Dies ist auch der Grund, warum das BIOS den defekten RAM (Random-Access Memory) nicht gleich erkannt, und keine wilden Piepsgeräusche von sich gegeben hat.

Was führt zu kaputtem Arbeitsspeicher?

Generell ist diese Hardware ziemlich robust, ich selbst kenne einige nostalgische Systeme, die noch mit EDO-RAM aus dem Jahre 1999 laufen. Absolute Killer sind jedoch:

  • Überspannung: Eine statisch aufgeladene Person fasst die Hardware an. Bevor Netzteile standardmäßig einen Überspannungsschutzmechanismus integriert hatten, trugen diese oftmals die Verantwortung für einen defekten RAM-Riegel.
  • Überhitzung: Zu hohe Hitze, wie sie beim Übertakten vorkommt verursacht, dass die feinen Leiterbahnen/Transistoren zu schnell oxidieren.

Ich gehe davon aus, dass beim oben genannten Fall der Verkäufer sein System ohne ausreichende Kühlung zu weit übertaktet hat. Dabei wurden Leiterbahnen leicht beschädigt, sodass die Kommunikation zwischen den einzelnen Speicherchips nicht mehr fehlerfrei möglich ist.

Memtest86+ in Ubuntu – Anleitung

Bild von memtest86+ RAM-CheckUm zu überprüfen, ob beide RAM-Riegel beschädigt sind oder ob der Fehler vielleicht doch woanders liegt, empfehle ich die Freeware memtest86+, die Sie in Debian-Derivaten wie Ubuntu & Co. über GRUB auswählen können. In neun Testphasen schreibt memtest86+ Ihren Arbeitsspeicher voll und ruft die Daten im Anschluss wieder ab. Werden die temporär gespeicherten Daten 1:1 wiedergegeben, ist der Arbeitsspeicher fehlerfrei.

Tipp: Haben Sie mehrere RAM-Riegel installiert, führen Sie memtest86+ für jeden Einzelnen aus. Dafür müssen Sie den Arbeitsspeicher, der nicht getestet werden soll, vorübergehend ausbauen.

Zum Ausführen der Arbeitsspeicher Diagnose gehen Sie wie folgt vor:

  1. Starten Sie Ihren Computer.
  2. Im Bootloader-Menü von GRUB wählen Sie den Menüpunkt „Memory test (memtest86+)“ aus.
  3. Der Test des Arbeitsspeichers wird darauffolgend umgehend gestartet.
  4. Warten Sie die neun Testphasen ab, dies kann einige Zeit dauern.
  5. Ist Ihr Arbeitsspeicher fehlerfrei, erhalten Sie die Meldung „Pass complete, no errors, press Esc to exit“. Befinden sich Fehler auf dem RAM-Riegel, gibt memtest86+ eine Fehlerliste aus.

Hinweis: Sollte Ihr Computer beim Betreten von memtest86+ abstürzen, laden Sie in Ihrem BIOS die Werkseinstellungen. Hilft dies auch nichts, ist der Arbeitsspeicher nicht mehr in der Lage diesen Stresstest zu absolvieren.

Kann defekter Arbeitsspeicher repariert werden?

Natürlich kann Mikroelektronik wie Arbeitsspeicher repariert werden. Der Aufwand und die Kosten stehen jedoch in keinem Verhältnis zu einer Neuanschaffung.

Wenn memtest86+ Ihnen also Fehlermeldungen anzeigt, bleibt Ihnen nichts anderes übriges als einen neuen RAM-Riegel zu kaufen. Im Gegensatz zu Festplatten oder SSDs verfügt Arbeitsspeicher nicht über Reservesektoren. Diese würden auch nichts bringen, da Arbeitsspeicher nur unter Strom funktioniert, das System könnte sich deshalb nicht dauerhaft merken, welche Sektoren defekt sind.

Fazit – kaufen Sie keine gebrauchte Hardware

Merksatz: Hardware wie Prozessor, Grafikkarte, Arbeitsspeicher, Mainboard und selbst das LED-Lüfter-Licht – kaufe ich gebraucht bei eBay nicht.

Im oben aufgezeigten Fall war die Hardware sogar aktuell und neuwertig, deshalb sollten Sie sich bei solchen Angeboten immer Frau Dr. Angela Merkel zum Vorbild nehmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeichne sich dadurch aus, dass sie eine gelernte Physikerin, also eine Naturwissenschaftlerin sei und in ihrem früheren Beruf trainiert habe, Vorgänge von deren Ende her zu denken.

Schneider, Rolf: Die vom Ende her denken. deutschlandradiokultur.de (10/2015).

Schlagen Sie bei solch einem Angebot zu, bekommen Sie zu einem sehr hohen Prozentsatz eine defekte Hardware, denn warum sollte ein Privatverkäufer neuwertige Ware sonst verkaufen?

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(Screenshost: Memtest86+ 4.20 & GRUB 1.99)

Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


Kategorie: Anleitung
  • Howley sagt:

    Ich würde das mit gebrauchter Hardware nicht komplett verallgemeinern: gerade alte Grafikkarten, Prozessoren und auch RAM kann man deutlich günstiger als Neuware bekommen und meistens funktioniert diese auch gut, oft werden die Teile verkauft weil sie zu alt/leistungsschwach wurden und daher ein neues System gekauft wurde. Daher würde ich gebrauchte Hardware nicht grundsätzlich als schlecht abstempeln, nur bei manchen Teile, gerade welche nicht einfach ersetzt werden können (HDDs/SSDs, weil darauf persönliche Daten vorhanden sind) oder billige Netzteile, denen womöglich Schutzmechanismen etc. fehlen, was andere Komponenten beschädigen könnte. Wenn eine gebrauchte Grafikkarte für wenige Euro kaputt geht ist es vielleicht ärgerlich, aber man kann sie problemlos auswechseln und hat keinen dauerhaften Verlust, was bei einer Festplatte mit wichtigen, unersetzlichen Dokumenten, Fotos etc (von denen aber auch bei neuer Hardware IMMER ein Backup vorliegen sollte) der Fall wäre.

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