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Anleitungen vom Webworker

Ubuntu: 04 oder 10 – welche Version ist die richtige?

Oberflächlich betrachtet gibt es wohl kein Betriebssystem neben Ubuntu, welches so häufig neue Versionen herausbringt. Alle sechs Monate gibt Canonical, Entwickler von Ubuntu, ein neues Betriebssystem zum kostenlosen Download frei. Die Versionsnummern setzen sich aus dem Erscheinungsjahr und dem Erscheinungsmonat zusammen. Ubuntu 15.04 ist also im April 2015 erschienen. Mit Ausnahme von Ubuntu 6.06 gibt es bei den Veröffentlichungen einen festen Zyklus. Jedes Jahr im April (04) und Oktober (10) erscheint ein neues Release. Leider wird dieser Zyklus gerade Linux-Anfängern des Öfteren zum Verhängnis, denn neuer ist bei Ubuntu nicht automatisch besser. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Ubuntu-Version für jeden Anwender die richtige ist und warum es bei dieser Linux-Distribution nicht nur stabile Vollversionen gibt.

Ubuntu 04 ist besser – aber nicht immer

Bild von Ubuntu VersionenIm Schnitt gibt es alle drei Jahre eine neue Windows-Version, wobei davon auch nur jede zweite Veröffentlichung brauchbar ist. Bei Debian dauert es in der Regel ebenfalls drei Jahre, bis ein neues und stabiles Betriebssystem das Licht der Welt erblickt. Hingegen bei Apples OS X gibt es jährlich ein Upgrade, wobei sich gefühlt nur alle drei Jahre etwas Grundlegendes ändert. Wie schafft es also Canonical, alle sechs Monate ein neues Ubuntu herauszubringen?

Zwar hat Canonical mit Mark Shuttleworth einen Multimillionär im Rücken und verdient durch den Verkauf von Daten Geld, im Vergleich zu Microsoft oder Apple ist das Unternehmen jedoch eine arme Kirchenmaus. Es ist deshalb auszuschließen, dass in London eine Heerschar fieberhaft an neuen Ubuntu-Versionen arbeitet.

Der Grund für die vielen Veröffentlichungen seitens Ubuntu ist der, dass Canonical auch Entwicklerversionen für Endbenutzer anbietet. In Wahrheit gibt es nämlich nur alle zwei Jahre eine neue Ubuntu-Vollversion.

Woran erkenne ich eine Ubuntu-Vollversion?

  1. An den geraden Zahlen im Erscheinungsjahr. Die erste Vollversion erschien 2004. Seitdem gibt es alle zwei Jahre ein neues Release.
  2. An der Bezeichnung LTS (Long Term Support).

Stabile Ubuntu-Vollversionen sind also 12.04, 14.04, 16.04, usw.

Vorteile einer Ubuntu LTS-Version

Die Verwendung einer vermeintlich älteren Ubuntu-Vollversion hat im Vergleich zu neueren Zwischenversionen eine Unmenge an Vorteilen, hier die Wichtigsten:

  • Updates: Seit Ubuntu 12.04 LTS werden Vollversionen fünf Jahre lang mit sämtlichen Updates versorgt. Ähnlich wie bei Windows, gibt es für Vollversionen Servicepacks (derzeit 12.04.5 & 14.04.2), die automatisch installiert werden können. Entwicklerversionen wie 14.10 oder 15.04 werden nur neun Monate mit Updates versorgt.
  • Stabilität: In non-LTS Versionen werden Neuheiten getestet. Canonical arbeitet beispielsweise an einem eigenen Display-Manager (Mir), welcher in Ubuntu 16.04 LTS enthalten sein soll und in den Zwischenversionen einsatzerprobt wird. Auch neue Treiber (Kernel) werden in Entwicklerversionen getestet. Dadurch kommt es oft zu Problemen.

LTS Releases are more stable than the newer ones. The newer releases have more changes but they’re not guaranteed to work as expected […]

Boggy: What’s the difference between ubuntu 13.10 amd 12.04 LTS? askubuntu.com (04/2015).

  • Software-Support: Wird eine Software (AceStream, Folder-Color, etc.) für Ubuntu kompiliert und über eine PPA angeboten, betrifft dieses Angebot in der Regel nur LTS-Versionen. Der Grund dafür ist ersichtlich, eine Kompilierung ist viel Arbeit, geschieht meist ehrenamtlich und sollte deshalb fünf Jahre lang funktionieren. Im Umkehrschluss bedeutet dies also auch, dass eine Software für Ubuntu 14.04 LTS nicht automatisch unter Ubuntu 14.10 funktionieren muss.
  • Upgrade: Wenn Sie einmal eine LTS-Version installiert haben, können Sie direkt auf die nächste Vollversion upgraden. Sie müssen zuvor nicht die ganzen Zwischenversionen installieren.

Screenshot von "Neue Ubuntu-Version verfügbar"

Ubuntu ist von Debian abhängig

Wie Sie vielleicht wissen, ist Ubuntu ein Debian-Derivat. Die meisten Ubuntu-Entwickler arbeiten auch an Debian mit. Debian hat den Ruf, besonders stabil zu sein:

Debian is VERY stable. Especially if you download the stable version. They have longer work periods which allow them to catch more bugs.

Cox, Jesse: How stable is debian stable desktop version? quora.com (04/2015).

Hierfür muss es sich jedoch um eine Version mit der Bezeichnung „stable“ handeln. Bedeutet im Umkehrschluss, dass es auch bei Debian verschiedene Entwicklungsphasen gibt, nämlich „unstable, testing und stable“.

  • Ubuntu non-LTS basiert auf einer Debian-Version „unstable“.
  • Ubuntu LTS auf „testing“.

Bild von Zusammenhang zwischen Debian und Ubuntu

The base of the operating system, Debian, comes in three versions: Stable, Testing and Unstable. Normally, Ubuntu is based on Unstable; the LTS releases are based on Testing.

Palazzo, Stefano: What’s the difference between a Long Term Support Release and a Normal Release? askubuntu.com (04/2015).

  • Aufgrund des zweijährigen Upgradeintervalls erreicht Ubuntu niemals die Stabilität von Debian. Dies ist jedoch nicht weiter schlimm, im Gegenteil. Ein anwenderbezogenes Betriebssystem muss sich ständig neuer Soft- und Hardware anpassen, um konkurrenzfähig zu sein. Debian wird in erster Linie für Server entwickelt. Dabei sind nicht nur Computerschächte in Rechenzentren gemeint, sondern auch Router oder Getränkeautomaten. Also Maschinen, die immer wieder dieselben Befehle ausführen und niemals abstürzen sollten. Ein Debian „stable“ fällt also unter die Kategorie „unzerstörbar“ und ist für PC-Anwender unnötig.

Wann sollte man non-LTS verwenden?

Es ist meistens die Generation „Selfie“, die Ubuntu x.10 irgendwo hin installiert und dann in einem „Experten“-Forum wie GuteFrage.net einen verzweifelten Thread erstellt, warum nach dem Start der Linux-Distribution ein Blackscreen erscheint und wie man die Windows Recovery-DVD wieder installiert. Sie sollten deshalb nur eine non-LTS Version verwenden wenn:

  1. Sie aktiv an Ubuntu mitarbeiten und bei der Verbesserung dieses Betriebssystems mithelfen möchten. Dann lohnt es sich eine non-LTS Version zu installieren und falls Sie „Bugs“ finden, diese hier zu melden.
  2. Sie dringend eine aktuellere Software benötigen, als diejenige die in den offiziellen Quellen zum Download bereitsteht. Ein Beispiel: In Kubuntu 14.04.2 LTS befindet sich standardmäßig der VLC Player in der Version 2.1.6. In Kubuntu 14.10 und neuer wird der VLC Player 2.2.x getestet. Ähnlich verhält es sich mit LibreOffice. Wichtig: In der Regel gibt es für solche Fälle jedoch PPAs, in denen jemand bereits die neue Software für die derzeit aktuelle LTS-Version kompiliert hat.

Größter Mythos – neuer Kernel

Ein Hauptargument für eine non-LTS Version ist der neue Kernel. Ubuntu 15.04 kam mit Kernel 3.19.3.

[…] 15.04 development cycle and the team went through a lot of them, but now they finally settled on Linux kernel 3.19.3 […]

Stahie, Silviu: Ubuntu 15.04 Launches in Two Weeks, Will Be Based on Linux Kernel 3.19.3 After All. news.softpedia.com (04/2015).

In den derzeitig noch unterstützten LTS-Versionen Ubuntu 12.04 und 14.04 wird Kernel 3.13.x verwendet.

Zur Erinnerung, ein Kernel ist nur eine Treibersammlung, die jederzeit manuell in wenigen Schritten aktualisiert werden kann. Die einzelnen Kernel der LTS-Versionen werden ebenfalls ständig aktualisiert (3.13.0.24 – 3.13.0.49). Das bedeutet, solange Ihre PC-Hardware einwandfrei funktioniert wird Ihre Performance durch ein Upgrade auf eine Entwicklerversion nicht gesteigert. Alle stabilen Erkenntnisse aus den Beta-Versionen bekommen Sie zu Ihrer LTS-Version automatisch nachgereicht.

Fazit

Eigentlich hätte dieser Bericht die erste Veröffentlichung auf diesem Blog sein müssen. Ich dachte jedoch lange Zeit, dass die Unterscheidungsmerkmale zwischen den Ubuntu-Versionen hinlänglich bekannt seien. In letzter Zeit häuften sich in den Kommentaren unter meinen Artikeln die Beschwerden, dass die gezeigte Anleitung nicht funktioniert. Bei der Analyse der Problemfälle lag es in 98,5% der Fälle jedoch nur daran, dass der Benutzer eine Entwicklerversion verwendete, für diese ich hier aufgrund der aufgezeigten Gründe keine Anleitungen erstelle.

Wenn Sie sich also fragen, welche Ubuntu-Version Sie wählen sollen, entscheiden Sie sich auf jeden Fall für eine LTS-Version.

Verwandte Themen:

Ist ein Antivirenprogramm für Ubuntu notwendig?
Brauche ich für Ubuntu Treiber?

(Screenshots: Ubuntu 12.04.5 LTS)

Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


Kategorie: Blog
  • Ben Molodow sagt:

    Hallo Kilo,
    deine Ausführungen haben mir sehr geholfen denn ich bin Neuling bei Ubuntu. Ich hab auch gedacht das es nicht sein kann alle 6 Monate das System zu updaten. Mit zwei Jahren kann ich leben. Ich bin in der Sache sehr altmodisch, hatte Windows XP 13 Jahre im Betrieb und war zufrieden. Ich bleibe jetzt erstmal bei Ubuntu 14.04 bis zum Ende des Supportzeitraums, mein Rechenknecht 🙂 ist nämlich nicht mehr der neuste. Viele Grüße deine Webseite hier ist für mich sehr wertvoll.

  • Ecki sagt:

    Ich grüße die UBUNTU Neulinge!
    Da ich UBUNTU eigentlich nur für eine schnelle und sicher Arbeit benutzen will und nicht ständig zusätzliche Tools kaufen muss um ein Windows sicher zu machen, zusätzlich ständig Virenprogramme installieren muss, habe ich viele Jahre gesucht endlich ein absturzsicheres und schnelles Betriebssystem zu bekommen.
    Da die UBUNTU – Version nichts kostet lohnt sich ein Test mit etwas Geduld.
    Grund: Man ist ziemlich weit weg von der Windowsbedienung und muss Geduld mitbringen um bei UBUNTU die Vorteile zu finden. Leider fehlen bei UBUNTU die Treiber und die Möglichkeit einen etwas älteren Scanner auf Trapp zu bringen. UBUNTU Entwickler könnten sogar ein paar Euro verdienen, wenn sie ihr Treiberprogramm etwas vergrößert. Selbst die Suche nach einem einfachen Scanner der unter UBUNTU funktioniert habe ich nicht gefunden. Dabei sollte es doch keine Schwierigkeiten geben um SCASI – oder USB – Treiber mit zu liefern und dafür eine angemessene Gebühr zu verlangen. Wenn die vorhandene Hardware erneuert werden muss, ist UBUNTU für viele die Verwendung zwecklos! Warum werden die käuflichen UBUNTU DVDs nicht mit den gängigsten Treibern geliefert?

    • Kilobyte sagt:

      Hallo die Frage ist relativ leicht zu beantworten. Das Debian-Derivat Ubuntu ist ein freiwilliges, kostenloses Angebot. Es steht nicht im Wettbewerb mit Microsoft oder Apple. Ubuntu-Benutzer sind deshalb keine Kunden und können keine Ansprüche stellen. Dafür können sie mit etwas Ahnung alles an ihrem Betriebssystem ändern.

      Solange also nicht ein Bruder Jihadi Johns mit einer Machete hinter Ihnen steht und Sie dazu zwingt ein bestimmtes Betriebssystem zu nutzen, haben Sie die freie Wahl.

      In Ihrem speziellen Fall, bin ich voll bei Ihnen. Der Drucker/Scanner Support ist bei Ubuntu nicht gut. Trotzdem empfehle ich Ihnen in diesem Zusammenhang diesen Artikel.

      Sollten Sie sich also ein kompatibles Gerät zulegen, weil Sie langfristig von Microsoft weg wollen, würde ich Ihnen sogar Debian 8 ans Herz legen. Ich betreue zum Beispiel Versicherungsbüros, Steuerberater und Handwerksbetriebe, die sich bewusst für Debian entschieden haben, da ihnen Libre Office, Webbrowser, E-Mail, GIMP etc. reicht und sie dafür ein kostenloses, stabiles und sicheres Betriebssystem zur Verfügung haben, ohne über die Datenschutz-Problematik von Ubuntu nachdenken zu müssen.

      Ein letzter Hinweis: Kostenpflichtige Ubuntu DVDs sind reine Abzocke.

      Vielen Dank für Ihren Kommentar!

  • Mike sagt:

    Servus Ecki,
    eine Liste, welche Scanner unterstützt werden sollten, ist erreichbar über die Wiki-Seite bei ubuntuusers, ganz schnell zu googlen mit Begriffen wie z. B. „Linux Scanner Unterstützung“. Persönlich habe ich gute Erfahrungen mit Brother- und HP All-in-one-Geräten gemacht. Gerade HP hat mit HPLIP (über Standard-Paketquellen installierbar) eine Top Unterstützung. XSane noch installieren, falls das nicht schon da ist oder automatisch mitinstalliert wurde, und man kann loslegen 🙂

    PS: Das Wissen, wie man bestimmte Pakete installiert, setzte ich einfach mal voraus – apt-get install, Synaptic etc. sollte man zumindest mal gehört haben 😉

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