Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

Ubuntu: Netzlaufwerk automatisch einbinden – Funktionsgarantie

Unter Ubuntu kann es vorkommen, dass der hauseigene Passwortmanager Seahorse die hinterlegten Zugangsdaten für ein Netzlaufwerk oder ein Network Attached Storage nicht wiedergibt. Beim Einhängen des externen Datenträgers werden Sie vom Menü „Passwörter und Verschlüsselung“ zwar nach dem Masterpasswort gefragt, müssen dann allerdings trotzdem jedes Mal die Login-Daten samt Domäne erneut eingeben. Um sich diese wiederkehrende Prozedur zu ersparen, können Sie Netzlaufwerke nach dem Start von Ubuntu auch automatisch einbinden lassen.

Hallo Kilobyte, ich bin Freiberufler mit zwei Angestellten und setze auf den Agenturcomputern Ubuntu 16.04 ein. […] habe ich uns das NAS Synology DS216j gekauft, auf das wir über NFS zugreifen. […] Leider müssen wir die kompletten Zugangsdaten immer neu eingeben, da die einfach nicht gespeichert bleiben. Daraufhin wollte ich auf den Klienten die freigegebenen Ordner vom NAS automatisch ohne vorherige Passwortabfrage einbinden lassen. Probiert habe ich dafür die Methode von SemperVideo, die will bei uns aber auch nicht funktionieren.

Heinrich, Thomas: Benötige schnelle Hilfe von den Profis zum Thema NAS. E-Mail vom 15.05.2017.

Bild von Ubuntu NetzlaufwerkEin großer Nachteil beim automatischen Einhängen eines Netzlaufwerks ist, dass die Einloggdaten zum NAS unverschlüsselt als Klartext gespeichert sind. Sollte also bei Ihnen der Ubuntu Passwortmanager Seahorse Defekte aufweisen, dann empfehle ich Ihnen KDE als neue Benutzeroberfläche. Auch im Dateimanager Dolphin ist es ohne Weiteres möglich, schicke Lesezeichen zu Netzlaufwerken zu setzen. Außerdem sind mit dem Passwortmanager KWallet alle Ihre hinterlegten Zugangsdaten verschlüsselt gespeichert und werden zuverlässig nach der Eingabe des Masterpassworts wiedergegeben.

Sie möchten lieber bei der Benutzeroberfläche Unity bleiben und Ihr Netzlaufwerk ohne die vorherige Eingabe der Zugangsdaten einbinden lassen? Dann haben Sie hoffentlich nicht ebenfalls die Anleitung des YouTube-Kanals SemperVideo ausprobiert. Der Lösungsweg der von mir sehr geschätzten Netzaktivistengruppe ist nämlich nicht nur umständlich, sondern vor allem auch unvollständig.

Netzlaufwerk unter Ubuntu erstellen

Im ersten Schritt müssen Sie festlegen, von welchem Ort Sie auf Ihr Netzlaufwerk zugreifen möchten. Ich empfehle hierfür das Verzeichnis „Persönlicher Ordner“.

Screenshot von neuem Ordner unter Ubuntu 16.04 LTS

Erstellen Sie dort einen neuen Ordner mit einem Namen Ihrer Wahl. Öffnen Sie als Nächstes ein neues Terminal-Fenster und navigieren Sie in die Systemdatei fstab.

sudo nano /etc/fstab

Scrollen Sie danach ganz nach unten und fügen Sie folgenden neuen Eintrag hinzu:

//192.168.1.44/Webbackup /home/sascha/Backups cifs defaults,username=admin,password=dschizya,iocharset=utf8,file_mode=0777,dir_mode=0777

Hinweis: Setzen Sie Ihre persönlichen Daten in die Codezeile ein. Die Syntax des Befehls darf dabei nicht verändert werden.

Screenshot von Ubuntu 16.04.2 LTS /etc/fstab - Eintrag für Netzlaufwerk mit Schreibrechten

Systemdatei fstab – Befehl zum automatischen Einhängen eines Netzlaufwerks hinzufügen

Der Konsolenbefehl zum automatischen Einhängen eines Netzlaufwerks setzt sich folgendermaßen zusammen:

  1. IP-Adresse und Pfad zum freigegebenen Verzeichnis.
  2. Pfad zum neu erstellten lokalen Ordner, um auf das Netzlaufwerk zuzugreifen.
  3. Individuelle Zugangsdaten für Ihr NAS oder die freigegebene Festplatte.
  4. Schreibrechte, um Dateien auf dem Netzlaufwerk speichern zu können.

Hinweis: Der Eintrag cifs steht für Common Internet File System, was nichts weiter als das Netzwerkprotokoll ist, welches beim Datentransfer verwendet wird. Hingegen weist defaults Ubuntu unter anderem an, das Netzlaufwerk direkt nach dem Start des Betriebssystems einzuhängen.

Speichern Sie nach dem Anpassen des Befehls die Systemdatei fstab mit der Tastenkombination Strg + O. Verlassen Sie daraufhin den Editor Nano mit Strg + X.

Ein Netzlaufwerk unter Ubuntu verwenden

Starten Sie daraufhin Ihren Computer neu. Nachdem Ubuntu wieder geladen wurde, werden Sie im Verzeichnis „Persönlicher Ordner“ feststellen, dass sich das Aussehen Ihres lokalen Netzlaufwerkordners geändert hat.

Screenshot von blau eingefärbtem Ubuntu-Ordner

Tipp: Ihnen gefällt das Symbol auf dem Ordner nicht? Dann färben Sie die Verknüpfung zu Ihrem Netzlaufwerk einfach mithilfe von Folder Color ein.

Die kostenlose Modifikation Folder Color hilft Ihnen dabei, Ihr Betriebssystem weiter zu personalisieren. Damit können Sie nicht nur Ordner in verschiedenen Farben einfärben, sondern diese auch mit kleinen Symbolen markieren.

Sascha: In Ubuntu Symbole ändern – Optionen. kilobyte.bplaced.net (05/2017).

Ab sofort sind Sie mit einem Doppellinksklick auf Ihre Netzlaufwerkverknüpfung im Verzeichnis „Persönlicher Ordner“ direkt auf Ihrem NAS. Eine vorherige Abfrage Ihrer Login-Daten findet dabei nicht statt.

Automatisches Einhängen ist einfach aber unsicher

Wie Sie sehen, ist das automatische Einhängen eines Netzlaufwerks unter Ubuntu mit nur einem Befehl möglich. Vergessen Sie dabei allerdings nie, dass die Zugangsdaten zum freigegebenen Ordner auf Ihrem NAS als Klartext in der Systemdatei fstab stehen.

Achten Sie also gerade im Büroalltag darauf, dass Ihre Mitarbeiter in den automatisch eingehängten Netzlaufwerken nur triviale Dokumente speichern.

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Warum updated Ubuntu nicht auf die neuste Version?

Nachdem Sie gelesen haben, dass es eine neue Ubuntu-Version gibt, fühlen Sie sich abgehängt? Denn obwohl Sie immer sofort alle verfügbaren Aktualisierungen installieren, behält Ihr System die alte Versionsnummer? Dann haben Sie sich von den Medien unnötigerweise verunsichern lassen.

[…] so habe ich eben bei heise.de gelesen, dass heute Ubuntu 17.04 erschienen ist und wohl alle bereits 16.10 verwenden. Mein Ubuntu hat noch die Nummer 16.04 und ich schwöre Ihnen, dass ich ständig alle Updates installiere. […] Was muss ich einstellen, um die neuste Version zu bekommen?

Zerbelshofer, Johannes: Warum updated mein Ubuntu nicht auf die neuste Version? E-Mail vom 13.04.2017.

Bild von Ubuntu ReleaseUbuntu 16.04 ist eine Vollversion, die fünf Jahre lang mit Softwareupdates versorgt wird. Vollversionen sind mit dem Akronym LTS gekennzeichnet, was für Long Term Support steht. Canonical veröffentlicht alle zwei Jahre eine neue LTS-Version. Dazwischen bietet das Unternehmen vom Weltraumtouristen Mark Shuttleworth auch Entwicklerversionen an. Diese erscheinen alle sechs Monate und dienen nur dazu, bestehende und zukünftige Ubuntu-Vollversionen zu verbessern.

Diese Gegebenheit wird auch im erwähnten Artikel auf der Webseite der Heise Medien GmbH angedeutet:

Letztlich gleicht Ubuntu 17.04 seinem Vorgänger stark und hebt sich vor allem durch die modernere Software ab. […] Dieser Vorteil schwindet bereits im August wieder stark, denn dann sollte Ubuntu 16.04.3 erscheinen […].

Leemhuis, Thorsten: Linux-Distributionsfamilie Ubuntu 17.04 freigegeben. heise.de (05/2017).

Merke: Alle Verbesserungen aus den Testversionen werden zeitnah und automatisch an die LTS-Versionen, die sich im Unterstützungszeitraum befinden weitergegeben.

Upgrade auf neue Ubuntu-Version

Falls Sie dennoch Ihre Vollversion verlassen und auf eine aktuelle Entwicklerversion upgraden möchten, ist dies ohne Weiteres möglich.

Screenshot vom Menü "Anwendungen & Aktualisierungen" unter Ubuntu 16.04 LTS

Unter Ubuntu 16.04 LTS über alle neuen Ubuntu-Versionen informiert werden

Navigieren Sie dazu zuerst über die Ubuntu Dash-Startseite in das Menü „Anwendungen & Aktualisierungen“.

  • Wechseln Sie daraufhin in den Reiter „Aktualisierungen“.
  • Stellen Sie nun das Dropdown-Menü hinter „Über neue Ubuntu-Versionen benachrichtigen“ auf „Für jede neue Version“.

Geben Sie bei Aufforderung Ihr Administratorpasswort ein und verlassen Sie anschließend das Menü.

Screenshot von Ubuntu Aktualisierungsverwaltung "Die Anwendungen auf diesem Rechner sind aktuell"

Nach einem kurzen Moment sollte sich ein Fenster namens „Aktualisierungsverwaltung“ öffnen und Ihnen mitteilen, dass ein neues Ubuntu verfügbar ist.

Bei Ihnen erscheint dieses Menüfenster nicht? Dann öffnen Sie ein Terminal-Fenster und erzwingen Sie das Upgrade mit folgendem Befehl:

sudo do-release-upgrade -d

Hinweis: Sie können mit dieser Methode immer nur eine Version nach der anderen installieren. Gibt es bereits mehrere aktuellere Releases? Dann wiederholen Sie die Schritte so lange, bis Sie das neuste Ubuntu installiert haben.

Wer sollte eine Entwicklerversion verwenden?

Die Verfügbarkeit von unterschiedlichen Ubuntu-Versionen wird Neulingen oftmals zum Verhängnis. In Anbetracht der Tatsache, dass die beliebte Linux-Distribution kostenlos ist und im Wettbewerb mit anderen Betriebssystemen steht, sind Entwicklerversionen leider notwendig.

Bild vom Zyklus von Neuerscheinungen: Beliebte Betriebssysteme für den PC. Bild von Kilobyte / Ubuntu-Blog

Um alle zwei Jahre eine ausgereifte LTS-Version veröffentlichen zu können, ist Canonical auf die Hilfe der Ubuntu-Benutzer angewiesen.

  • Entwicklerversionen sind nämlich nur für diejenigen, die dem Londoner Softwareunternehmen bei der Fehlersuche helfen wollen.
  • Wer einen Bug findet, der kann diesen hier unkompliziert melden.

Durch dieses simple System wird sichergestellt, dass die Benutzer von Vollversionen stets auf ein stabiles und makelloses Betriebssystem zurückgreifen können.

Bild von Frage: Warum gibt es Entwicklerversionen für Ubuntu?

Ein weiterer Grund um auf eine aktuelle Entwicklerversion auszuweichen kann ein gravierendes Hardwareproblem sein. Falls Sie stets die Dienste der neusten Grafikkarte oder der schnellsten CPU in Anspruch nehmen, kann es vorkommen, dass der Kernel Ihrer LTS-Version noch nicht die passenden Treiber parat hat. Dann macht der Einsatz einer Entwicklerversion Sinn, da in solch einem kurzlebigen Betriebssystem auch immer die aktuellsten Treibersammlungen getestet werden.

Die Vorteile einer Ubuntu LTS-Version

Für die Besucher dieser Webseite empfehle ich ausschließlich Vollversionen. Ich beginne meine Argumentation damit, indem ich Ihnen zeige, was Ubuntu in den Augen von Debian ist.

Bild vom Unterschied zwischen Debian und Ubuntu

Aufgrund dessen, dass Canonical alle zwei Jahre eine LTS-Version veröffentlicht, erreicht diese Linux-Distribution niemals die Stabilität von Debian.

Debian is VERY stable. Especially if you download the stable version. They have longer work periods which allow them to catch more bugs.

Cox, Jesse: How stable is debian stable desktop version? quora.com (05/2017).

  • Entwicklerversionen sind also lediglich Betaversionen, bei denen Abstürze sehr häufig vorkommen können.

Die hohe Verfügbarkeit von Applikationen ist ein weiterer Vorteil einer Ubuntu LTS-Version.

Empfehlung von Kilobyte: Verwenden Sie unbedingt eine Ubuntu-Vollversion

Infolgedessen, dass diese Ubuntu-Versionen fünf Jahre lang mit Updates versorgt werden, programmieren Softwareentwickler in erster Linie ausschließlich für Vollversionen.

  • Das Upgrade einer LTS-Version auf eine Entwicklerversion führt demzufolge häufig dazu, dass installierte PPAs und Programme nicht mehr funktionieren.

Dies ist zumeist nicht der Fall, wenn Sie von einer Vollversion auf eine neue Vollversion upgraden. Denn bis Ihnen nach einem Release einer LTS-Version die Aktualisierung automatisch empfohlen wird, vergehen bis zu drei Monate. Dadurch haben die Softwareentwickler einen Vorsprung, um Ihre Applikationen fit für die neue Ubuntu-Vollversion zu machen.

Diese bewusste Verzögerung wird nicht nur deshalb so gehandhabt, um Anwendern weiter ein sehr stabiles Betriebssystem zu gewährleisten, sondern hängt auch mit den Drittanbietern von kostenloser Software zusammen, die ihre Produkte via PPA anbieten und pflegen.

Sascha: Ubuntu: 14.04 auf 16.04 LTS upgraden – so geht’s. kilobyte.bplaced.net (05/2017).

Auch eine bereits angesprochene Hardwareproblematik lässt sich mit einer älteren LTS-Version lösen. Zwischenzeitlich ist es nämlich bereits mithilfe von übersichtlicher Freeware möglich, unkompliziert einen aktuellen Kernel zu installieren.

Diese finsteren Tage sind dank Ukuu vorbei. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine Rebellenorganisation aus Ruanda, sondern um eine kostenlose Software namens Ubuntu Kernel Update Utility.

Sascha: Ubuntu: Neuen Kernel installieren – einfach via PPA. kilobyte.bplaced.net (05/2017).

Fazit: Wissenswertes über Ubuntu-Vollversionen

Obwohl ich bereits im Oktober 2004 damit begann, mit Linux-Distributionen zu arbeiten hatte ich erst einmal eine Entwicklerversion installiert. Damals versuchte ich zusammen mit Kollegen auf Ubuntu 12.10 einzuwirken, damit die Werbung wieder aus der Ubuntu Dash-Startseite verschwindet.

In den Ubuntu-Versionen 12.10 – 15.10 ist die Dash-Startseite hauptsächlich mit Amazon verknüpft und blendet passend zu den Suchergebnissen Werbung ein.

Sascha: Ubuntu und die Datensammelwut. kilobyte.bplaced.net (05/2017).

Seitdem verwende ich auf allen meinen Systemen ausschließlich LTS-Versionen.

Screenshot von Neue Ubuntu-Version verfügbar "14.04.5 LTS"

Für das Upgrade auf eine neue LTS-Version sind keine Voreinstellungen vonnöten

Spätestens nach dem ersten Servicepack erhalte ich seither ohne irgendetwas an meinem Betriebssystem geändert zu haben die Meldung, dass eine neue Ubuntu-Version verfügbar ist. Dann klicke ich auf „Aktualisieren“ und warte kurz, bis die neuste Vollversion installiert wurde.

Bild mit Frage: Woran erkenne ich Ubuntu-Vollversionen

Übrigens, neben der Bezeichnung LTS lässt sich eine Vollversion auch noch an anderen Merkmalen erkennen.

  1. Die erste Ubuntu-Vollversion erblickte im Jahre 2004 das Licht der Welt. Eine neue LTS-Version erscheint also nur in Jahren mit gerader Jahreszahl.
  2. Außerdem werden Vollversionen immer im April veröffentlicht.

Tipp: Lassen Sie sich nicht durch die zweijährigen Releases unter Druck setzen. Sie können die fünfjährigen Aktualisierungszeiträume voll ausschöpfen, ohne irgendetwas zu verpassen.

Bei Unternehmen spielen bekanntlich Abschreibungen immer eine große Rolle, weshalb man nicht schnell mal die komplette EDV austauschen kann. Um die Laufzeiten für alte Hardware zu verlängern, bietet Canonical seit 2017 auch Updates für bereits ausgelaufene LTS-Versionen an.

Following the end-of-life of Ubuntu 12.04 LTS, Canonical is offering Ubuntu 12.04 ESM (Extended Security Maintenance) [1], which provides important security fixes for the kernel and the most essential user space packages in Ubuntu 12.04.

Krikland, Dustin: Ubuntu 12.04 ESM (Extended Security Maintenance). lists.ubuntu.com (05/2017).

Dies geschieht zwar gegen Entgelt, aber ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen einen Obolus an Microsoft bezahlt hätten, um Windows XP sicher weiterbenutzen zu können.

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VLC Player aktualisieren – so geht’s

Debian: VLC Player beendet sich bei der Wiedergabe – Ursache

Der VLC Player spielt sämtliche aktuellen Standardvideoformate in einer hervorragenden Qualität ab. Bei altem Quellmaterial, welches mit nicht mehr zeitgemäßen Codecs komprimiert wurde, kann es jedoch sein, dass sich der VLC Player bei der Wiedergabe automatisch beendet.

[…] ich bin von Windows 10 auf Debian 8.7 umgestiegen und habe den VLC Player 2.2.4 installiert. […] Ich sammle alte TV-Serien, die ich leider unter Debian nicht mehr ansehen kann. Nach ein paar Minuten schließt sich der VLC Player einfach. […] Was kann man da machen?

Balogh, Daniel: Mein VLC Player beendet sich unter Debian 8 automatisch. E-Mail vom 19.01.2017.

Währenddessen Sie bei diesem Problem unter Windows einfach eine Codec-Sammlung herunterladen und installieren könnten, lässt vor allem Debian diese Option nicht zu.

Bild von Debian VLC CrashZwar haben Sie die Möglichkeit das Paket ffmpeg zu installieren, dieses hilft allerdings nur bei Apple-Formaten. Gerade um die Jahrtausendwende wurden jedoch mit TV-Karten aufgezeichnete Filme gerne mit minderwertiger Windowssoftware wie Virtual Dub bearbeitet und anschließend mit dem DivX Codec komprimiert. Der VLC Player kann Videodateien mit diesem Codec eigentlich problemlos wiedergeben, dabei muss es sich dann aber auch um das Original handeln. Kostenlose Videosoftware komprimierte damals hingegen oftmals mit FFODIVX. Ein merkwürdiger Codec, den Linux-Distributionen in der Regel nicht parat haben.

Videocodec in Debian hinzufügen

Aufgrund dessen, dass der VLC Player beim Abspielen dieses DivX Codecs unter Debian schon lange abstürzt, gibt es bereits eine Reihe von Lösungsvorschlägen.

Screenshot von Synpatic unter Debian "Jessie" mit Paket libxine2-x

In einem bekannten Debian-Forum wird empfohlen, dass man das Paket libxine2-x mithilfe von Synaptic nachinstallieren soll. Dieser Tipp wurde auch gleich auf anderen Webseiten vervielfältigt.

  • Dieses Paket ist nur ein Add-on für den xine Multimedia-Player. Es hat keinerlei Auswirkung auf den VLC Player.
  • Mein Selbsttest ergab außerdem, dass der xine Multimedia-Player mit installiertem Add-on bei Videodateien mit FFODIVX des Öfteren Bildblöcke (Fragmente) anzeigt.

Der VLC Player verwendet als Alternative zu FFODIVX den DivX Codec (DX50). Dieser scheint über weite Strecken kompatibel zu sein, sodass sich die Videodatei starten lässt.

  • An manchen Stellen gibt es aber wahrscheinlich zu große Unterschiede, die den VLC Player zum selbstständigen Beenden zwingen. Auch ein Springen über die Zeitleiste führt zum Absturz.

DivX Codec für Linux erhalten

Wer Debian verwendet und ältere Filmdateien ansehen will, die mit FFODIVX komprimiert wurden, der muss auf den Gnome MPlayer zurückgreifen. Diese kostenlose Software kann den DivX Player emulieren und bringt deshalb den benötigten Videocodec mit.

Screenshot von Gnome Mplayer unter Debian "Jessie" mit FFODIVX Codec

Zum Installieren des Videoplayers unter Debian müssen Sie zunächst ein Terminal-Fenster öffnen.

su

Geben Sie sich gleich im Anschluss Administratorenrechte.

apt-get install gnome-mplayer

Fügen Sie danach den Gnome MPlayer Ihrem System hinzu.

DivX Player für Debian als Sekundärsoftware

Wenn Sie nun Ihre Videodatei mit einem Rechtsklick anwählen und den Mauszeiger über den Einstellungspunkt „Öffnen mit“ halten, können Sie den Gnome Mplayer als Abspielsoftware starten.

Screenshot von Gnome Mplayer 1.0.9, der ein DivX Video unter Debian 8 abspielt

Falls Sie ein Archiv mit vielen Filmen oder Serien besitzen, die mit FFODIVX komprimiert wurden, lohnt es sich für diese Dateien den Gnome Mplayer als Standardplayer einzurichten. Dadurch würden die Videodateien bei einem Doppellinksklick direkt mit der richtigen Wiedergabesoftware gestartet werden.

Um diese Operation zu vollziehen, ist es wieder notwendig, eine besagte Filmdatei mit einem Rechtsklick anzuwählen.

Screenshot von Debian mit KDE, wie der Gnome Mplayer einem Dateityp fest zugeordnet wird

Wählen Sie im nächsten Schritt den Menüpunkt „Öffnen mit“ gefolgt von „Weitere“ aus.

  • Je nachdem welche Benutzeroberfläche Sie für Debian verwenden müssen Sie dem Menü so lange folgen, bis Sie den Gnome Mplayer dem ausgewählten Dateityp fest zuordnen können.

Wichtig: Nutzen Sie diese Wiedergabesoftware ausschließlich für Videodateien mit DivX Codec. Der VLC Player sollte weiterhin Ihr Standardplayer bleiben. Dies liegt vor allem daran, dass der Gnome Mplayer vergleichsweise sehr selten aktualisiert wird. Dadurch liefert der VLC Player bei neuen Formaten wesentlich bessere Ergebnisse.

Ab der Version 2.2.0 war es des Weiteren möglich, die Video-Codecs H.265, DivX3 oder M-JPEG zu verwenden.

Sascha: Ubuntu: VLC Player aktualisieren – in drei Schritten. kilobyte.bplaced.net (01/2017).

Fazit: Kein Risiko durch Gnome Mplayer

Es ist augenscheinlich unter Debian nicht möglich, Filme mit FFODIVX Codec mithilfe des VLC Players sorgenfrei anzusehen. Dieser Umstand sollte Sie allerdings nicht erzürnen, da Sie mit dem Gnome Mplayer ein Werkzeug haben, welches Ihnen folgende Vorteile bietet:

  • Der Gnome Mplayer ist in den offiziellen Debian-Quellen enthalten, was für seine Stabilität und Sicherheit spricht.
  • Die Videosoftware ist komplett in deutscher Sprache erhältlich und spielt auch Filmdateien sauber ab, die mit alten exotischen DivX Codecs komprimiert wurden.

Hinweis: Bei der Installation des Gnome Mplayers wird Ihrem Firefox automatisch eine Erweiterung hinzugefügt, die es Ihnen auch unter Debian ermöglicht, Videostreams im QuickTime, RealPlayer und DivX Media Format anzusehen.

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(Screenshots: Gnome Mplayer 1.0.9 unter Debian 8.7 mit KDE-Desktop)