Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

Welches Ubuntu?

Im Sommer 2016 passierte aus Sicht eines Ubuntu-Liebhabers etwas Wunderbares. Benutzer von Windows 7, welches zu diesem Zeitpunkt mit großem Abstand das meistgenutzte Betriebssystem der Welt war, wurden von Microsoft mit Bluescreens und Pop-up-Fenstern bedrängt, ein kostenloses Upgrade auf Windows 10 zu vollziehen. Dabei war der Prozess mit Absicht so undurchsichtig gestaltet, dass selbst Anwender, die eigentlich bei Windows 7 bleiben wollten, aus Versehen die Aktualisierung ausführten.

Dazu griff man auf Methoden zurück, bei denen der Nutzer kaum noch durchblicken konnte, ob und wann das Update denn nun installiert wird. Da der gesamte Vorgang zu undurchsichtig war, kam es oft vor, dass sich Windows 10 einfach ungefragt von selbst installierte.

Westermann, Remco: Microsoft ändert Update-Strategie von Windows 10. gulli.com (07/2016).

Bild von welches Ubuntu ist das beste?Verantwortlich für diesen besonderen Kundenservice war der CEO von Microsoft Satya Nadella, der damit der Sigmar Gabriel der Informationstechnologie ist. Denn genauso wie die SPD, verliert Windows wegen des Vorstandes stetig Mitglieder. Ich mache diesen Umstand unter anderem daran fest, da seit Ende Mai 2016 die Besucheranzahl dieses Blogs fast übernacht täglich um 30% gegenüber den Vormonaten gestiegen ist. Hinzukommt eine ungewöhnlich hohe Anzahl an E-Mails mit Nachfragen von unfreiwilligen Windows-10-Benutzern, die Ubuntu als Alternative für sich ausgemacht haben. Zentrale Frage ist darin zumeist, welches denn das beste Ubuntu sei.

Die meisten verwenden Ubuntu

In einer Langzeitumfrage fragte ich meine Webseitenbesucher, welches Betriebssystem sie verwenden. Von den mehr als 500 Teilnehmern gaben 55% an, die Dienste vom klassischen Ubuntu in Anspruch zu nehmen.

Bild vom Diagramm mit welches Ubuntu wird am meisten verwendet - Umfrage Kilobyte 2016

Den sicheren zweiten Platz holte das Ubuntu-Derivat Kubuntu mit lediglich 19%.

  • Für mich kam das Ergebnis wenig überraschend. Schließlich ist das originale Ubuntu wie auch dessen Abkömmling Kubuntu besonders für Windows-Umsteiger zu empfehlen.

Ubuntu versus Kubuntu

Der Vergleich beider Betriebssysteme macht wenig Sinn, denn diese sind im Prinzip identisch, wie folgende Grafik beweist:

Bild von Abhängigkeitsbaum der Linux Betriebssysteme

Hinweis: Beide Debian-Derivate haben einen sehr ähnlichen Unterbau, weshalb auch dieselben Befehle funktionieren.

Größter Unterschied sind die Benutzeroberflächen. Egal, welches *buntu Sie starten, zunächst wird immer eine Terminalemulation (TTY1) gefolgt vom X.Org-Server (LightDM/KDM) geladen.

Vereinfacht ausgedrückt ist X.Org-Server für die grafische Ausgabe in Betriebssystemen wie Debian oder Ubuntu verantwortlich.

Sascha: X.Org-Server. kilobyte.bplaced.net (07/2016).

Danach ist es möglich, eine Desktop-Umgebung zu starten, um die Linux-Distribution grafisch zu bedienen. Die Benutzeroberflächen (englisch graphical user interfaces) in Ubuntu und Kubuntu tragen die Namen Unity und KDE. In den beiden Vollversionen 16.04 LTS sind folgende Oberflächen standardmäßig enthalten:

  • Unity 7.4 ist die Standardbenutzeroberfläche von Ubuntu und wird seit „Natty Narwhal“ direkt von Canonical entwickelt. Seither typisch ist das orangefarbene Design sowie die Symbolleiste an der linken Bildschirmseite, welche mit Ubuntu 16.04 LTS ebenfalls am unteren Bildschirmrand platziert werden kann.

[…] die Anwender sind nun auch endlich in der Lage, die Symbolleiste von links nach unten zu verschieben.

Sascha: Ubuntu – Symbolleiste von links nach unten verschieben. kilobyte.bplaced.net (07/2016).

Unity 7.4 basiert auf dem Fenstermanager Compiz und verwendet den übersichtlichen Dateimanager Nautilus. Bis Ubuntu 15.10 mit der Desktop-Umgebung Unity 7.3.2 wurden dem Benutzer bei Suchen über die Ubuntu Dash-Startseite Werbeanzeigen eingeblendet. Diese unpopuläre Funktion ist seit Version 7.4 standardmäßig deaktiviert.

In den Ubuntu-Versionen 12.10 – 15.10 ist die Dash-Startseite hauptsächlich mit Amazon verknüpft und blendet passend zu den Suchergebnissen Werbung ein.

Sascha: Ubuntu und die Datensammelwut. kilobyte.bplaced.net (07/2016).

  • KDE-Plasma 5.5 ist die Desktop-Umgebung von Kubuntu und sieht dem Windows-Design sehr ähnlich. Fenster werden nicht wie bei Unity an der linken, sondern an der rechten oberen Ecke geschlossen. Zudem befindet sich die Symbolleiste am unteren Bildschirmrand.

KDE verwendet als Dateimanager Dolphin und basiert auf dem Fenstermanager KWin. Die Bedienung von KDE-Plasma ist nahezu mit dem Aero-Design von Windows 7 identisch. So können in der Taskleiste und auf dem Desktop Verknüpfungen angelegt, sowie Widgets angeheftet werden.

Anwender von Kubuntu haben insofern einen Vorteil gegenüber anderen Ubuntu-Benutzern, da Widgets bereits standardmäßig vorinstalliert sind.

Sascha: Kubuntu: Funktionstüchtiges Wetter Widget installieren – Anleitung. kilobyte.bplaced.net (07/2016).

Welches Ubuntu für meinen PC?

Sowohl Unity als auch der KDE-Plasma-Desktop sind die Aushängeschilder beider Distributoren. Aus diesem Grund geizen beide Benutzeroberflächen nicht mit Reizen, weshalb für den Betrieb eine Grafikkarte mit 256 Megabyte Grafikspeicher sowie vier Gigabyte Arbeitsspeicher vonnöten sind. Die Prozessorleistung kann hingegen vernachlässigt werden.

– 1000 ΜHz processor (about Intel Celeron or better)

Canonical Ltd: Installation/SystemRequirements – Ubuntu Desktop Edition. help.ubuntu.com (07/2016).

Die Systemanforderungen von Windows 10 sind dagegen wesentlich höher. Währenddessen Ubuntu für das System (/root) genügsame acht Gigabyte Festplattenspeicher reserviert, sind bei dem Microsoft-Produkt 20 Gigabyte nötig. Des Weiteren benötigt Windows 10 eine Grafikkarte, die DirectX 9 unterstützt.

Grafikkarte: DirectX 9 oder höher mit WDDM 1.0 Treiber.

Microsoft: Windows 10 Spezifikationen. microsoft.com (07/2016).

Die Benutzeroberfläche Unity 7.4 setzt demgegenüber lediglich OpenGL 1.4 voraus, was mit DirectX 8 vergleichbar ist. Folglich kann Ubuntu auch mit älteren Grafikkarten oder mit schwachen Onboard-Grafikchips, wie diese vor allem in Notebooks zu finden sind, problemlos und schnell betrieben werden.

Weitere Unterschiede von Ubuntu und Kubuntu

Für die Version „Trusty Tahr“ empfahl ich meinen Besuchern, unbedingt ein natives Kubuntu zu installieren bzw. die Benutzeroberfläche zu KDE zu wechseln. Dies lag zum einen daran, dass Canonical in Ubuntu 14.04 LTS mit Werbung und Datengeschäften Geld verdiente und zum anderen, da Unity 7.3 sehr langsam war.

[…] Systemanforderungen, vor allem was die Grafikkartenleistung angeht, dermaßen erhöht, dass bei vielen Benutzern Ubuntu 14.04 LTS viel langsamer als sein Vorgänger ist.

Sascha: Bestes Ubuntu 2015 – Empfehlung für KDE. kilobyte.bplaced.net (07/2016).

  • Diese Ärgernisse wurden mit „Xenial Xerus“ behoben, sodass ich Ubuntu gleichermaßen wie Kubuntu empfehlen kann.

Nachdem das Werbemodell aus Unity entfernt wurde, ist jedoch unklar, wie sich Canonical finanziert. Der Initiator Mark Shuttleworth sorgte schließlich nur für das Startkapital.

Wenn Sie deshalb Angst vor Datenmissbrauch haben, installieren Sie gleich Kubuntu. Der KDE e. V. finanziert sich nämlich rein aus Spenden und wird größtenteils von ehrenamtlichen Helfern getragen.

Das regelmäßig spendende KDE-Mitglied sollte von dem Projekt überzeugt sein, denn im Austausch bekommt es keine Werbeflächen oder Daten, sondern darf lediglich ein spezielles KDE-Markenlogo auf seiner Webseite verwenden.

Sascha: Ubuntu: Benutzeroberfläche wechseln – KDE. kilobyte.bplaced (07/2016).

Mein Ubuntu und Ausblick auf diesem Blog

Alle Rechner in meinem näheren Umfeld laufen je nach Alter mit Kubuntu 14.04 LTS oder 16.04 LTS. Währenddessen ich Ubuntu nach dem Release von „Trusty Tahr“ bereits völlig abgeschrieben hatte, freue ich mich sehr über das Comeback, welches Canonical mit „Xenial Xerus“ gelungen ist.

Ich bedanke mich sehr für die zahlreiche Teilnahme an meiner Umfrage, deren Ergebnis selbstverständlich Einfluss auf die weitere Ausrichtung dieser Webseite nimmt. Der Fokus dieses Blogs lag schon immer auf dem nativen Ubuntu. Zukünftig werde ich zudem meine Anleitungen speziell für Kubuntu weiter ausbauen.

Verwandte Themen:

Ubuntu ist so langsam – was tun?
Haben alte Ubuntu-Versionen irgendwelche Nachteile?

(Screenshots: Ubuntu 16.04 LTS & Kubuntu 16.04 LTS)

Debian oder Ubuntu – Grundlegendes

In meiner Serie „Debian oder Ubuntu“ möchte ich Ihnen helfen, die für Sie passende Linux-Distribution zu finden. Beide Betriebssysteme sind stark mit Vorurteilen behaftet. In diesem Artikel geht es um die grundlegenden Unterschiede der Desktop-Versionen. Dabei basieren meine Erfahrungen nicht nur aus Sicht des Webworkers, sondern auch des Spielers und Multimediaanwenders.

Ubuntu ist Debian

Screenshot von System Settings in Debian mit KDE

Debian ist 1993 entstanden und wird seither von freien Softwareentwicklern stetig weiterentwickelt. Philosophie der Entwickler ist die Stabilität und die Offenheit, dies liegt u. a. daran, dass Debian häufig als Serverbetriebssystem eingesetzt wird. 84,6% aller Internetserver weltweit nutzen Linux als Betriebssystem, davon setzen 29.1% auf Debian. Aufgrund dessen, dass Debian auch in vielen deutschen Stadtverwaltungen (HH/M) eingesetzt wird, ist es in Deutschland die meist verwendete Linux-Distribution. Selbst die Raumstation ISS setzt aufgrund der Stabilität auf Debian.

  • Aus Debian wurde 2005 Ubuntu „Warty Warthog“ geboren. Große Besonderheit war die Benutzeroberfläche GNOME 1, die ungefähr so aussah wie Windows 2000. Ubuntu zielte von Anfang an auf Desktop-PCs ab und wollte eine echte, leicht bedienbare, kostenlose Alternative zum Marktgiganten Microsoft sein.
  • Finanziert wurde das Projekt vom südafrikanischen Millionär Mark Shuttleworth.

Beide Distributionen werden hauptsächlich mit dem Linux-Kernel verwendet und benutzen Deb-Pakete. Die hauptberuflichen Entwickler der Canonical Ltd. (Betreiber von Ubuntu) kommen aus der Debian-Community. In Foren lese ich häufig den Satz: „Alles was Ubuntu kann, kann Debian schon lange“. Dies ist zwar polemisch, aber sachlich richtig.

Unterschiede der Philosophien

Screenshot vom Ubuntu Software-Center mit Steam Werbung

Währenddessen an Debian weltweit viele tausend ehrenamtliche Entwickler mitarbeiten, wird Ubuntu eher zentral aus London gesteuert. Durch diesen Zustand dauert die Weiterentwicklung von Debian und das Erscheinen neuer Versionen sehr lange. Währenddessen Ubuntu alle 6 Monate mit Neuerungen zu glänzen versucht. Ubuntu versucht sich ebenfalls stetig dem Normalo-PC-Benutzer, der bisher immer auf Windows setzte, anzunähern. So ist es seit der Version 12.04 LTS möglich, die Spieleplattform Steam zu installieren, worüber bis Dato 422 Spiele für die Linux-Distribution erhältlich sind.

  • Mit speziellen Paketen (Wine/PlayOnLinux) ist es prinzipiell möglich, jede kommerzielle Windows-Software auch unter Ubuntu zu benutzen.
  • Die Angleichung an Windows hat jedoch einen Preis. Die Canoncial Ltd. verkauft seit Ubuntu 12.10 Daten an Amazon und hat Werbung in die „Dash-Startseite“ sowie ins „Software-Center“ implementiert.

So gesehen ist Ubuntu eine OpenSource-Software mit kommerziellen Hintergrund, währenddessen Debian ein komplett freies Betriebssystem ist.

Benutzeroberflächen und Terminal

Mit beiden Distributionen sind Sie frei in der Wahl der Benutzeroberfläche. Standardmäßig benutzt Debian GNOME 3 und Ubuntu das eigens entwickelte Unity. Das wechseln der Oberflächen zu KDE oder Xcfe ist sehr einfach.

Wechseln Sie in Ubuntu die Benutzeroberfläche, ändert sich der Distributionsname in Kubuntu (KDE) oder Xubuntu etc. Oftmals wird in Foren deshalb auch von *buntu gesprochen. Egal, welche Oberfläche * benutzt wird, das buntu ist immer gleich und kommt von der Canoncial Ltd. In Debian wird im Gegensatz dazu einfach die Oberfläche mit angegeben, beispielsweise Debian 7.1 (KDE).

Die Bedienung des Terminals ist völlig identisch. In Debian ist es möglich direkt ein „root-Terminal“ zu öffnen, in Ubuntu erreichen Sie dies mit dem Befehl sudo -s. Zum Installieren von Paketen greifen beide Distributionen auf den Debian basierten Dienst APT zurück.

Unterstützung für Anfänger

Nicht nur aufgrund der Zusammenarbeit mit Dell werden statistisch gesehen im Frühjahr 2015 zirka 200 Millionen Menschen Ubuntu benutzen. Damit ist es die weltweit am meisten genutzte Linux-Distribution. Demnach sprießen Support-Foren, Wikis und Blogs für Ubuntu aus dem Boden und bieten gerade Anfängern eine sehr gute Unterstützung.

Der Support bei Debian ist hingegen sehr eingeschränkt. Die Einträge im deutschen Wiki sind entweder veraltet oder nicht mehr vorhanden und in den wenigen deutschen Foren treiben sich meist elitäre Menschen herum die auf völlig abgehobene Weise kommunizieren.

Fazit

Ich habe versucht Ihnen kontrovers die grundlegenden Unterschiede zwischen Ubuntu und Debian zu erläutern. Sie können nun für sich selbst entscheiden, welche Distribution besser zu Ihnen passt. In den nächsten Artikeln meiner Serie gehe ich auf die konkreten Unterschiede im Praxisbetrieb ein.

Verwandte Themen:

Umsteigen auf Ubuntu – Empfehlungen
Debian aktualisieren – Anleitung

(Screenshots: Debian 7.4 mit KDE und Ubuntu 12.04 LTS)