Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

Sources.list – was ist das?

Die sources.list ist streng genommen eine biedere Textdatei in Linux-Distributionen wie Debian, Ubuntu und Linux-Mint, die nur wenige Kilobyte groß ist. Der Dateiname ist selbstsprechend und bedeutet ins Deutsche übersetzt Quellenliste. Egal, ob Ihr Betriebssystem Sicherheitsupdates, einen neuen Mozilla Firefox oder freie Software von Drittanbietern einspielen möchte, ohne die sources.list wüsste es nicht, wo es anfangen sollte danach zu suchen. Bildlich gesprochen ist diese Quellenliste der Lagerist Ihres Betriebssystems, der weiß an welcher Position jedes Datenpaket zu finden ist. Wie im wahren Leben auch, arbeitet der Lagerist hauptsächlich relativ unauffällig mit Paketdiensten (APT/PPA/Synaptic) zusammen.

Bild von Ubuntu sources.listWenn Sie als Benutzer nicht in das Lager schauen und Ihren Lageristen schalten und walten lassen, werden Sie nie irgendwelche Probleme mit Ihrer sources.list haben. Gerade bei der Installation von Drittanbieter-Software wie beispielsweise AceStream oder des aktuellen Nvidia-Treibers für Ubuntu, die via PPA installiert wird, kommen Sie oftmals nicht darum herum, manuell neue Paketquellen Ihrem Lager hinzuzufügen. Wenn Sie dabei nicht sauber arbeiten oder eine Quelle veraltet ist und nicht mehr betrieben wird, bringen Sie Ihren Lageristen durcheinander.

Ist dies der Fall, und Sie bitten mithilfe des Befehls sudo apt-get update Ihren Lagermeister darum nachzusehen, ob es etwas Neues für Ihre Linux-Distribution gibt, wird der Ihnen gehorsam einen Fehler melden, Feierabend machen und Sie mit dem Problem alleine lassen.

Err http://archive.ubuntu.com raring/main amd64 Packages
404 Not Found [IP: 2001:67c:1360:8c01::18 80]
Err http://archive.ubuntu.com raring/main i386 Packages
404 Not Found [IP: 2001:67c:1360:8c01::18 80]

cal1j: Problem with sources list Ubuntu 14.04. ubuntuforums.org (04/2016).

Wie Sie sehen, ist es als Administrator (Chef) eines Betriebssystems immer wichtig etwas mehr zu wissen als seine Angestellten (Lagerist). Deshalb erfahren Sie im folgenden Artikel, was in der ominösen sources.list genau steht, wie diese funktioniert und wie Sie darin etwas ändern können, ohne dass Sie im Anschluss auf veralteten Datenpaketen Ihres Betriebssystems sitzen bleiben müssen.

Sources.list – so funktioniert die Datei

Um sich den Inhalt der sources.list anzusehen bzw. Änderungen vorzunehmen, öffnen Sie zuerst ein Terminal-Fenster und geben gleich danach den Befehl sudo nano /etc/apt/sources.list ein.

Screenshot von sources.list unter Ubuntu 14.04.4 LTS

Alle blassen Zeilen sind mit Rautezeichen (##) auskommentiert und beschreiben nur die sich darunter befindenden Befehle. Als Spiegelserver habe ich die Universität Bayreuth ausgewählt, demnach sieht ein Befehl bei mir so aus:

deb http://ftp.uni-bayreuth.de/linux/ubuntu/ubuntu trusty-updates main restricted

Dieser ist in folgende vier Abschnitte untergliedert:

  1. Suche nach Binärdateien (Debian-Paketen).
  2. Unter der folgenden Adresse.
  3. Für die Ubuntu-Version Trusty Tahr (14.04) samt Updates (14.04.x).
  4. Suche aber nur nach Paketen, die vom Ubuntu-Team legitimiert wurden.

Hinweis: Immer wenn Sie Ihr Betriebssystem aktualisieren, werden die einzelnen Befehlszeilen nach diesem Schema abgefragt.

Screenshot vom Update Prozess im Ubuntu-Terminal

Während der Abfrage werden die verfügbaren Pakete mit den lokal installierten Daten verglichen. Gibt es Neuerungen, können Sie diese am Ende des Prozesses mit sudo apt-get upgrade herunterladen und installieren.

Eintrag in sources.list hinzufügen

Auf den Herstellerwebseiten, die Software anbieten, welche mithilfe der sources.list installiert werden muss, finden Sie zumeist zeitgleich die Anleitung dafür. Der Weg ist immer gleich, wie ich es Ihnen folgend anhand von Dropbox veranschauliche.

  • Ich öffne die sources.list über das Terminal-Fenster und scrolle mit den Pfeiltasten der Tastatur an das Ende der Datei.

Screenhot von sources.list für Ubuntu 14.04

  • Zunächst kümmere ich mich um die Beschreibung, die ich mit Rautezeichen ausklammere.
  • Gleich darunter füge ich den Befehl, den ich von der Dropbox-Webseite habe ein.
  • Ich speichere die sources.list mit der Tastenkombination Strg + O. Danach bestätige ich die Eingabe, was mich zurück in das blanke Terminal-Fenster führt.
  • Im Zusammenhang mit dieser Methode gibt es auch immer noch einen GPG-Schlüssel (APT-Key). Den Schlüssel-Befehl kopiere ich ebenfalls von der Herstellerwebseite, füge diesen in mein Terminal-Fenster ein und folge den Anweisungen.
  • Mit sudo apt-get update schicke ich meinen Lageristen auf die Reise. Er sieht nun auch unter meiner gerade eingetragenen Quelle nach, ob es etwas Neues gibt.
  • Mit sudo apt-get install nautilus-dropbox installiere ich die Software, die ab sofort auch automatisch mit Updates versorgt wird.

Alles was Sie in die sources.list manuell eingetragen haben, können Sie selbstverständlich auch wieder entfernen. Entweder Sie löschen dazu den Eintrag komplett oder Sie kommentieren die Befehlszeile einfach mit Rautezeichen aus.

Wichtig: Löschen und verändern Sie keine Einträge, die zur Standardinstallation Ihres Betriebssystems gehören. Außer Sie wissen natürlich zu 100%, was Sie tun.

Screenshot von Ubuntu Aktualisierungsmanager "Andere Software"

Überprüfen Sie des Weiteren die Quellen innerhalb Ihres grafischen Aktualisierungsmanagers, ob der unerwünschte Eintrag hier ebenfalls deaktiviert oder entfernt wurde.

Updates funktionieren nicht mehr – sources.list zerstört

Sollten Sie Ihre sources.list für Sie irreparabel zerstört haben, ist die sauberste Lösung ein Reset. Für eine fehlerfreie und neue Quellenliste mit richtiger Syntax sollten Sie wie folgt vorgehen:

  1. Surfen Sie zum Ubuntu Sources List Generator.
  2. Wählen Sie Ihre Sprache und Ihre Version aus.
  3. Klicken Sie sämtliche Ubuntu Branches an.
  4. Unter Ubuntu Updates wählen Sie „Security – Important Security“, „Security Sources Repository“, „Updates – Recommended Updates“ und „Updates Sources Repository“ aus.
  5. Bestätigen Sie mit der Schaltfläche „Generate List“.
  6. Kopieren Sie darauffolgend den kompletten Inhalt der Box unter dem Punkt „Sources List“ mithilfe Ihrer Maus.
  7. Öffnen Sie nun Ihre beschädigte sources.list über ein Terminal-Fenster und ersetzen Sie den gesamten Inhalt mit den neuen Daten.
  8. Speichern Sie das Ganze und führen Sie mit sudo apt-get update wie gewohnt Ihre Updateroutine aus.

Hinweis: Ist wieder alles im Lot, können Sie nun wieder peu à peu weitere Quellen hinzufügen.

Faktencheck zur sources.list

Ihr digitaler Lagerist sorgt dafür, dass Ihr Betriebssystem dynamisch bleibt, indem mithilfe der sources.list nicht nur die Linux-Distribution mit Updates versorgt wird, sondern auch der Großteil der Benutzersoftware.

  • Eine manuelle Änderung der sources.list ist ein tiefer Systemeingriff. Dieser sollte für Sie als Benutzer einer Linux-Distribution jedoch kein allzu großes Problem darstellen.
  • Sollten Sie beim Update-Prozess den Fehler 404 Not Found erhalten, hängt dies mit einem nicht mehr aktuellen Eintrag in Ihrer sources.list zusammen.
  • Die Wartung der Einträge, die für Ihre Standardinstallation notwendig sind, übernimmt Ihr Betriebssystem automatisch. Wenn Sie beispielsweise Ubuntu 14.04 aus dem laufenden Betrieb auf Version 16.04 upgraden, werden die Quellen selbstständig für „trusty“ auskommentiert und die neuen für „xenial“ hinzugefügt.
Fazit

Wie Sie sehen, hängt die Funktionalität der sources.list aktiv von Ihrem Benutzerverhalten ab. Mithilfe des Befehls apt-cache policy sehen Sie, welche Quellen von Ihrem System bereits abgefragt werden. Dementsprechend sollten Sie sich immer fragen, ob es unbedingt notwendig ist, Ihrem Lagermeister noch mehr Arbeit aufzuhalsen. Am Ende müssen Sie nämlich die Wartung übernehmen und die Liste Ihrer Programmquellen sauber halten.

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(Screenshots: Ubuntu 14.04.4 LTS)

Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


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