Kilobyte: Das Ubuntu Handbuch mit Anleitungen

Kochen mit Ubuntu Rezeptdatenbank

Eine der hand­lungs­freis­ten und un­lus­tigs­ten Sit­coms ist de­fi­ni­tiv „Eine schreck­lich net­te Fa­mi­lie”, eher un­ter dem Na­men des Haupt­prot­ago­nis­ten Al Bun­dy be­kannt. An­fang der 1990er Jah­re lief die­se TV-Serie im Vor­abend­pro­gramm des Pri­vat­fern­se­hens und ich saß zu die­ser Zeit fast täg­lich bei mei­nem Schul­freund im Wohn­zim­mer, aß mit ihm zu Abend und schau­te dazu wohl die Vor­la­ge des heu­ti­gen Reality-TVs. Heu­te weiß ich, dass ich nur auf­grund die­ser Trash-Serie ko­chen kann und mich schon früh für Ubun­tu in­ter­es­siert habe. Ent­schei­dend da­bei war der Sub­text. Fa­mi­lie Bun­dy hat­te im­mer hun­ger, was vor al­lem dar­an lag, dass kei­ner ko­chen woll­te. Wenn dann aßen die Kin­der hin und wie­der Fast Food. Das Er­geb­nis, Kel­ly Bun­dy war stroh­dumm und Bud Bun­dy ein Lo­ser mit kör­per­li­chen De­fi­zi­ten. Auf­grund der Faul­heit von Peg­gy Bun­dy konn­te Al Bun­dy die­ser Höl­le nur tem­po­rär durch eine Do­pa­min­aus­schüt­tung ent­flie­hen, in­dem er selbst die In­itia­ti­ve er­griff, sei­ne „Kiss the Cook - Kill the Wife” Schür­ze an­zog und für sich selbst koch­te.

Bild von Ubuntu RezepteKo­chen ist je­doch ein in­fla­tio­när ver­wen­de­ter Be­griff. In der Re­gel ko­chen die meis­ten Men­schen nicht mehr, sie ma­chen warm - denn es geht schnel­ler. Die Kos­ten der Zeit­er­spar­nis sind die Auf­nah­me von Glut­amat, He­fe­ex­trakt, Farb­stof­fen und Inos­in­säu­re. Also ähn­lich wie in der IT. Schnell und ein­fach be­deu­ten heut­zu­ta­ge Spy- und Ad­ware so­wie Kon­troll­ver­lust über die ei­ge­nen Da­ten. Um auch die Kon­trol­le über mei­nen Kör­per zu er­hal­ten, ko­che ich selbst so oft, wie es geht, d. h. ich schä­le, wie­ge, kne­te und gare. Ich samm­le Re­zep­te aus dem In­ter­net, in­dem ich Blogs wie den von Joan de Groot via RSS-Feed abon­niert habe.

Die­se Blogs die­nen mir je­doch eher als Ori­en­tie­rung, denn ich mo­di­fi­zie­re die Re­zep­te so lan­ge, bis die­se völ­lig zu mir pas­sen. Eine per­fek­te soft­ware­sei­ti­ge Un­ter­stüt­zung bie­tet dazu das Ubuntu-Tool Gour­met Re­ci­pe Ma­na­ger.

Rezeptdatenbank für Ubuntu

Screenshot von Gourmet Recipe Manager unter Ubuntu

Mit­hil­fe der kos­ten­lo­sen Soft­ware Gour­met Re­ci­pe Ma­na­ger ist es mög­lich, ge­sam­mel­te Re­zep­te und Ko­cher­fah­run­gen zu ar­chi­vie­ren. Da­bei bie­tet die Ap­pli­ka­ti­on ei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Funk­ti­ons­um­fang. Die­ser be­ginnt be­reits beim An­le­gen ei­nes neu­en Ein­tra­ges.

Wäh­len Sie die Schalt­flä­che „Neu” aus öff­net sich ein neu­es Fens­ter, in die­sem Sie vier For­mu­la­re für Ihr Re­zept aus­fül­len kön­nen.

  • Be­schrei­bung: Hier lässt sich eine Kurz­be­schrei­bung des Ge­richts an­le­gen. Die hin­ter­leg­ten In­for­ma­tio­nen se­hen Sie beim Start des Gour­met Re­ci­pe Ma­na­gers im so­ge­nann­ten „Re­zep­te In­dex”. Ne­ben dem Na­men des Re­zepts kön­nen Sie die An­zahl der Por­tio­nen, die Zu­be­rei­tungs­zeit und die Her­kunft fest­le­gen. Tipp: Die Soft­ware er­laubt es eben­falls ein Foto der Spei­se ab­zu­spei­chern und eine Ster­ne­be­wer­tung zu ver­ge­ben.

Wich­tig: Die meis­ten For­mu­lar­fel­der hal­ten eine Dropdown-Liste mit Aus­wahl­mög­lich­kei­ten be­reit.

Screenshot von Zutatenliste eines Rezepts im Gourmet Recipe Manager für Ubuntu

  • Zu­ta­ten: In die­sem Rei­ter wer­den der Rei­he nach die be­nö­tig­ten Le­bens­mit­tel für die Zu­be­rei­tung ein­ge­tra­gen. Auch hier gibt es wie­der vor­ge­fer­tig­te Aus­wahl­mög­lich­kei­ten.
  • An­wei­sun­gen: Die­ses Menü birgt ein frei­es Text­feld, in die­sem Sie eine Schritt für Schritt An­lei­tung hin­ter­le­gen kön­nen. For­ma­tie­run­gen wie Fett, Un­ter­strei­chen oder Kur­siv sind eben­falls mög­lich.
  • No­ti­zen: Eben­falls ein frei­es Text­feld für Tipps und Tricks.

Datenbankabfrage nach Stärke des Hungergefühls

Eine Da­ten­bank ist nur gut, wenn sie schnell und un­kom­pli­ziert ab­ge­fragt wer­den kann. Über den Rei­ter „Brow­se Re­ci­pes” ist eine gra­fi­sche Ab­fra­ge nur mit­hil­fe der Maus für fol­gen­de Pa­ra­me­ter mög­lich:

  • Koch­zeit
  • Zu­be­rei­tungs­zeit
  • Ka­te­go­rie
  • Kü­che (Her­kunft)
  • Be­wer­tung
  • Quel­le

Screenshot von Sortierungsmenü des Gourmet Recipe Managers

Bei mir ent­schei­det hier­bei meis­tens die Koch­zeit über das, was ich ko­che. Auch wenn Sie be­son­de­re Ge­lüs­te nach ei­ner spe­zi­el­len Zu­tat ha­ben, kön­nen Sie über den Rei­ter „Re­zept su­chen” ge­zielt da­nach su­chen. Tip­pen Sie bei­spiels­wei­se Kar­tof­feln ein, wer­den alle Re­zep­te auf­ge­lis­tet, in de­nen die Nacht­schat­ten­ge­wäch­se ent­hal­ten sind.

Funktionen für Enthusiasten und Großfamilien

Sie nei­gen dazu Spei­sen ver­ko­chen oder an­bren­nen zu las­sen? Da­für bie­tet die Ubuntu-Software eben­falls Ab­hil­fe.

Screenshot von StoppuhrWäh­rend die Nu­deln im Koch­topf weich wer­den, kön­nen Sie see­len­ru­hig Su­per­Tux­Kart spie­len. Gour­met Re­ci­pe Ma­na­ger ver­fügt über eine Stopp­uhr, die Sie nach Ab­lauf der Zeit mit drei wähl­ba­ren Tö­nen dar­an er­in­nern wird, wann es Zeit zum Ab­schüt­ten ist.

Für Freun­de der ak­ku­ra­ten La­ger­wirt­schaft und even­tu­ell für Groß­fa­mi­li­en bie­tet die Free­ware au­ßer­dem die Op­ti­on Ein­kaufs­zet­tel. Sie wis­sen, was Sie nächs­te Wo­che ko­chen wol­len? Fü­gen Sie die Re­zep­te zum Ein­kaufs­zet­tel hin­zu, wer­den alle be­nö­tig­ten Zu­ta­ten sau­ber auf­ge­lis­tet und kön­nen aus­ge­druckt wer­den. Tipp: Vor dem Hin­zu­fü­gen wer­den Sie je­weils ge­fragt, wie vie­le Por­tio­nen Sie zu­be­rei­ten möch­ten. Die Men­ge der Zu­ta­ten wird dann au­to­ma­tisch nach oben oder nach un­ten kor­ri­giert.

Bild von zum Einkaufszettel hinzufügen

Au­ßer­dem ver­fügt der Gour­met Re­ci­pe Ma­na­ger über ein Be­stands­me­nü. Hier kön­nen Sie auf­füh­ren, wel­che Le­bens­mit­tel Sie noch zu Hau­se ha­ben. Die­se wer­den dann au­to­ma­tisch vom Ein­kaufs­zet­tel sub­tra­hiert.

Rezeptdatenbank sichern und erweitern

Die Da­ten­bank wird lo­kal auf Ih­rem Ubuntu-System ge­spei­chert. Ge­ra­de wenn Sie sehr viel Mühe in den Auf­bau und die Pfle­ge der Re­zept­da­ten in­ves­tiert ha­ben, ist eine re­gel­mä­ßi­ge Da­ten­si­che­rung wich­tig.

Über den Rei­ter „Da­tei” und „Alle Re­zep­te Ex­por­tie­ren” kann die Da­ten­bank als XML-Datei an ei­nem si­che­re­ren Ort auf­be­wahrt wer­den. Bei ei­nem Sys­tem­crash wird das Back-up ein­fach wie­der im­por­tiert.

Screenshot von Alle Rezepte ExportierenGe­ne­rell ist es auch mög­lich, ein­zel­ne Web­sei­ten mit Re­zep­ten in den Gour­met Re­ci­pe Ma­na­ger zu im­por­tie­ren. Dies funk­tio­niert je­doch nur bei rei­nen HTML-Seiten, die es heut­zu­ta­ge fast nicht mehr gibt. Zum Auf­bau der Da­ten­bank ist also zu­nächst Hand­ar­beit von­nö­ten.

Installation und Fazit

Der Gour­met Re­ci­pe Ma­na­ger be­fin­det sich in den of­fi­zi­el­len Ubuntu-Quellen und kann via Syn­pa­tic, das Ubun­tu Software-Center oder über ein Terminal-Fenster mit sudo apt-get install gourmet in­stal­liert wer­den.

Im Lau­fe der Jah­re ist mei­ne Da­ten­bank auf 67 Re­zep­te an­ge­wach­sen, die ich mal mehr mal we­ni­ger gut ko­chen kann. Ich habe bei­spiels­wei­se zum WM-Finale 2014 für alte Stu­di­en­freun­de ge­kocht. Die sa­ßen die Tage zu­vor an mei­nem Rech­ner, ha­ben die Da­ten­bank durch­fors­tet und sich ein pas­sen­des Menü zu­sam­men­ge­stellt. Kal­te Erb­sen­sup­pe, Kar­tof­fel­gra­tin mit Lachs und Ti­ra­mi­su ist seit­her mein som­mer­li­ches Welt­meis­ter­me­nü.

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(Screen­shots: Gour­met Re­ci­pe Ma­na­ger 0.17.0 in Ku­bun­tu 14.04.4 LTS)

Mein Name ist Sa­scha, das In­ter­net und ich sind seit 1997 gute Freun­de. Es gibt mir En­ter­tain­ment, Mo­ne­ten und Lie­be, da­für gebe ich ihm seit 2009 viel­sei­ti­ge, mul­ti­me­dia­le An­lei­tun­gen auf den ver­schie­dens­ten Prä­sen­zen. Wäre ich nicht Web­wor­ker, wür­de ich wahr­schein­lich für die Ca­mor­ra das Heim­netz­werk auf De­bi­an um­stel­len und ver­wal­ten. Als Fa­mi­li­en­mensch lie­be ich näm­lich Süd­ita­li­en, das dor­ti­ge Es­sen und die spät­abend­li­chen Ar­beits­zei­ten.


Kategorie: Anleitung
  • MarkusH sagt:

    Dan­ke für den Pro­jekt­tip. Und das ist mit der Pro­gram­mier­spra­che Py­thon und SQL­Al­che­my er­stellt.

  • Detlef sagt:

    Es wäre toll, wenn man Re­zep­te per Tex­ter­ken­nung hin­zu­fü­gen könn­te. Ist dies mög­lich und an­ge­dacht?

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