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Anleitungen vom Webworker

Freie Suchmaschine – YaCy im Test

Ist Ihnen eigentlich bewusst, wie abhängig wir Internetbenutzer von Suchmaschinen sind? Klar, wer sich nur via Applikation auf Facebook, YouTube und Twitter bewegt, der muss sich erst einmal über andere Dinge bewusst werden. Für alle anderen Benutzer, vor allem diejenigen, die mit dem Internet arbeiten und lernen, stellen Suchmaschinen oftmals die erste Anlaufstation dar. Suchmaschinen wie Google, Bing und Yahoo! sind Angebote von gewinnorientierten Unternehmen und nehmen aktiv Einfluss auf die Suchergebnisse.

Gerade Google gerät hier immer wieder in die Kritik. Angefangen als Suchmaschine bietet das Unternehmen im Prinzip die komplette Palette an Web-Diensten an. Ziel des Unternehmens ist es, den Besucher so lange wie möglich auf den eigenen und beworbenen Diensten zu behalten.

Nor is it true to say that we are promoting our own products at the expense of the competition. We show the results at the top that answer the user’s queries directly (after all we built Google for users, not websites).

Schmidt, Eric: We built Google for users, not websites. googlepolicyeurope.blogspot.be (10/2014).

Wer nicht mit den Richtlinien dieser Suchmaschinen konform geht, verliert schnell an Sichtbarkeit, somit einen Großteil seiner Besucher und dadurch am Ende Geld. Im Falle des Leistungsschutzrechts ließ Google die Muskeln spielen:

Google kastriert die Suchergebnisse von Newsseiten, die in der VG Media organisiert sind, dazu zählen Titel von Axel Springer und Burda. Darunter die Reichweiten- und Mainstream-Bomber bild.de und bunte.de.

Müller, Michael: Google setzt die LSR-Schere an. basicthinking.de (10/2014).

Auch in Sachen der Monetarisierung einer Webseite, legen diese Suchmaschinen die Spielregeln fest. Wer beispielsweise Hyperlinks verkauft muss darauf gefasst sein, von Google gesühnt zu werden.

In meinem Fall sind vom Augenblick der Abstrafung bis hin zur Aufhebung dieser Maßnahme insgesamt 2 Wochen vergangen in denen mein Pagerank auf Null gesetzt wurde.

Liedl, Thomas: Backlinkseller und die Google Abstrafung. nicht-spurlos.de (10/2014).

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die bekannten Suchmaschinen bestimmen, welche Informationen wir Benutzer im Internet sehen dürfen und welche nicht. Ganz nebenbei wird das Benutzerverhalten mithilfe von Cookies aufgezeichnet und ausgewertet. Das alles ist jedoch das gute Recht von Google und Co. Schließlich sind das keine freien Suchmaschinen.

Freie Suchmaschinen – was ist das?

Mit der Veröffentlichung der NSA-Skandale sind wir Internetbenutzer bewusster in Sachen Datenschutz geworden. Viele wollen nicht mehr, dass ihr Benutzerverhalten gespeichert wird und benutzen für die Suche alternative Suchmaschinen wie DuckDuckGo.

Im Gegensatz zu Google, wo jede Suchanfrage neun Monate lang mit anfragender Internet-Adresse gespeichert wird, um dann schließlich nur teilanonymisiert zu werden, sichert DuckDuckGo schlicht nichts – weder die anfragende IP-Adresse noch die Suchgeschichte.

Schwan, Ben: Von Nullen und Einsen: DuckDuckGo im Test. wiwo.de (10/2014).

Wer „frei“ im Sinne von „nicht verfolgt“ versteht, kann DuckDuckGo durchaus als freie Suchmaschine verstehen. Die Suchergebnisse werden jedoch größtenteils von den kommerziellen Suchmaschinen, hauptsächlich von Yahoo!, übernommen.

Asiatische Hochkulturen wie China und Nord-Korea sehen, nicht unbedingt deshalb, DuckDuckGo als westliches und kapitalistisches Teufelszeug an und setzten diese Suchmaschine neben Google, Yahoo! und Bing auf die Zensurliste.

Traurig, aber wahr. Die Suchmaschine DuckDuckGo, die ihren Fokus vor allem auf Datenschutz und Privatsphäre des Nutzers legt, wird in China blockiert.

Piontek, Christopher: China blockiert DuckDuckGo. bitpage.de (10/2014).

Eine freie Suchmaschine kann also nur sein, welche:

  1. Den Inhalt des Internets vollständig wiedergibt.
  2. Keine zentralen Serverstandorte hat, welche mittels Regierungssperren oder von Geheimdiensten abgeschnitten werden können.
  3. Nicht Mittel zum Zweck ist, um Geld zu verdienen oder Benutzerdaten zu erheben.

Was nach Utopie klingt gibt es bereits. Die freie Suchmaschine YaCy ist eine deutsche Entwicklung, basiert auf peer-to-peer-Technik und funktioniert mit allen Plattformen.

YaCy und Ubuntu

Ich testete YaCy mit Ubuntu. Im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen, muss YaCy zunächst lokal installiert werden. Dazu habe ich mir zuerst die Linux-Datei heruntergeladen.

Screenshot von OpenJDK im Ubuntu Software Center

YaCy basiert auf Java, deshalb installierte ich OpenJDK-Java über das Ubuntu Software-Center. Für die Installation von YaCy gehen Sie dann wie folgt vor:

  1. Öffnen Sie ein Terminal-Fenster.
  2. Navigieren Sie in den Ordner, indem sich die YaCy-Datei befindet. Also zum Beispiel cd Downloads.
  3. Entpacken Sie die Datei mit tar xfz yacy_v1.8_[Versionsnummer].
  4. Navigieren Sie in den entpackten Ordner, also beispielsweise cd Downloads/yacy.
  5. Starten Sie die Suchmaschine mit ./startYACY.sh.
  6. Öffnen Sie jetzt Ihren Webbrowser und surfen Sie folgende Adressen an: localhost:8090/index.html. Es öffnet sich das YaCy-Suchmenü.

Screenshot vom YaCy Suchfenster
Genau wie bei jeder anderen Suchmaschine können Sie nun direkt mit der Suche beginnen oder Sie klicken rechts oben auf „Administration“.

Funktionsweise und Konfiguration von YaCy

Die freie Suchmaschine YaCy ist dezentral, d. h. jeder Benutzer ist gleichzeitig Suchender und Suchmaschine. Datensätze von gecrawlten Webseiten werden unter den Benutzern ausgetauscht und lokal in einer Datenbank gespeichert. Sie haben des Weiteren die Möglichkeit die globale Datenbank zu ergänzen, indem Sie einen YaCy-Crawler von Ihrem PC aus auf die Reise schicken. Geben Sie einen Suchbegriff ins Suchfenster ein, schicken Sie Ihre Anfrage zu Ihrem nächsten Peer und dieser wieder zu seinem nächsten usw. Am Ende erhalten Sie passende Suchergebnisse zu Ihrem Suchbegriff.

Ein solches System funktioniert also nur, wenn jeder Benutzer etwas in Form von Bandbreite und Festplattenspeicher beisteuert. Als Erstes sollten Sie also nach der Installation, die Ressourcen an Ihren PC anpassen.

Screenshot von YaCy RessourcenUnter dem Menüpunkt „RAM/Disk Usage & Updates“ können Sie bestimmen, wie viel Leistung Sie YaCy zur Verfügung stellen möchten.

Im nächsten Schritt sollten Sie YaCy abschließend konfigurieren. Wichtigster Anlaufpunkt ist das Menü „Anwendungsfall & Zugangsdaten“. Scrollen Sie in diesem Menü ganz nach unten, sagt Ihnen die Software was Sie als nächste tun sollten.

Suchergebnisse und Filter

Als ich meinen Test vornahm befanden sich 1,9 Milliarden Adressen von Webseiten im globalen Index. Mit dem Suchbegriff „Ubuntu“ bekam ich innerhalb 1,9 Sekunden, 10.019 Suchergebnisse, davon lediglich 373 in deutscher Sprache, angezeigt. Dies ist nicht verwunderlich, sehe ich mir die Namen der Peers an.

Screenshot von YaCy Peers
Die meisten Benutzer von YaCy sind englischsprachig und nehmen deshalb größtenteils englischsprachige Webseiten mit in den Index auf. Dies ist insofern kein Problem, da sich Ergebnisse sehr gut mit einem Klick nach Anbieter, Dateityp, Autor und Sprache filtern lassen.

Deutlich besser werden die Suchergebnisse, wenn diese näher eingegrenzt werden. Mit der Phrase „Leistungsschutzrecht Google“ bekam ich zwar nur 55 Ergebnisse, diese jedoch äußerst hochwertig. Neben heise.de, waren es vor allem kleine Blogs die sich dem Thema in aller Ausführlichkeit annahmen und bei Google keine Chance hätten. Hier bekommt man bei gleicher Phrase ausschließlich die großen Fische á la zeit.de, spiegel.de und faz.net angezeigt.

Eine freie Suchmaschine ohne Zensur? Das öffnet doch Tür und Tor für Pädophile und Tierquäler! Könnte man meinen, dem ist jedoch nicht so. Die Suche „blonde anal“ brachte im Großen und Ganzen die gleichen Suchergebnisse wie bei Google. Ich war ebenfalls so mutig und habe „child porn“ in beiden Suchmaschinen getestet. Sowohl bei Google, als auch bei YaCy kommen ausschließlich Seiten für Opfer und zur Prävention. Dies lässt also darauf schliessen, dass in YaCy die Freiheit nicht ausgenutzt wird, um kriminelle Webseiten zu indexieren.

Fazit

Ja YaCy ist eine freie Suchmaschine jedoch nicht für jedermann. Die Installation, Konfiguration und Funktionsweise setzt schon ein gewisses Maß an Internetverständnis voraus.

Die Suchergebnisse sind meiner Meinung nach besonders für Webworker, Blogger, Redakteure und Studenten geeignet. Also für die Leute, die, wenn sie auf der Suche nach der Herstellung von Schuhen sind, nicht erst 20 Seiten von Schuhshops überspringen möchten.

Größtes Manko sind jedoch die viel zu wenigen Benutzer. In meinem Test waren im Durchschnitt 312 YaCy-Benutzer online. Das ist natürlich lächerlich wenig, umso mehr wundere ich mich über die guten Suchergebnisse.

Ich werde in Zukunft zur Recherche YaCy als Senior-User verwenden und hin und wieder im Hintergrund laufen lassen. Der Ressourcenverbrauch hält sich in Grenzen und dafür bekommt man wirklich einen anderen Blickwinkel auf das Internet.

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(Screenshots: Ubuntu 14.04 LTS und YaCy 1.8 im Mozilla Firefox)

Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


Kategorie: Blog
  • MoSch sagt:

    Hallo Sascha super Artikel zu YaCy, hat mir sehr beim Einrichten geholfen. Ich habe von dieser Suchmaschine erst vor zwei Wochen gehört und benutzte seither einen Mix aus Google/Duck/Bing und wollte YaCy zum Recherchieren von Themen mit rein nehmen. Das Hauptproblem sind wirklich die wenigen Benutzer. Vor allem zu deutschsprachigen, sozialen Themen gibt es noch sehr wenig zu finden. Bei mir waren es im Schnitt 500 User, was für eine Suchmaschine wirklich gar nichts ist. Ich bin jetzt ziemlich skeptisch ob ich YaCy einfach mal laufen lasse oder ob die Geschichte wieder deinstalliere. Trotzdem danke fürs Beleuchten der Hintergründe – grüßle MoSch

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