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Anleitungen vom Webworker

Debian oder Ubuntu – Grundlegendes

In meiner Serie „Debian oder Ubuntu“ möchte ich Ihnen helfen, die für Sie passende Linux-Distribution zu finden. Beide Betriebssysteme sind stark mit Vorurteilen behaftet. In diesem Artikel geht es um die grundlegenden Unterschiede der Desktop-Versionen. Dabei basieren meine Erfahrungen nicht nur aus Sicht des Webworkers, sondern auch des Spielers und Multimediaanwenders.

Ubuntu ist Debian

Screenshot von System Settings in Debian mit KDE

Debian ist 1993 entstanden und wird seither von freien Softwareentwicklern stetig weiterentwickelt. Philosophie der Entwickler ist die Stabilität und die Offenheit, dies liegt u. a. daran, dass Debian häufig als Serverbetriebssystem eingesetzt wird. 84,6% aller Internetserver weltweit nutzen Linux als Betriebssystem, davon setzen 29.1% auf Debian. Aufgrund dessen, dass Debian auch in vielen deutschen Stadtverwaltungen (HH/M) eingesetzt wird, ist es in Deutschland die meist verwendete Linux-Distribution. Selbst die Raumstation ISS setzt aufgrund der Stabilität auf Debian.

  • Aus Debian wurde 2005 Ubuntu „Warty Warthog“ geboren. Große Besonderheit war die Benutzeroberfläche GNOME 1, die ungefähr so aussah wie Windows 2000. Ubuntu zielte von Anfang an auf Desktop-PCs ab und wollte eine echte, leicht bedienbare, kostenlose Alternative zum Marktgiganten Microsoft sein.
  • Finanziert wurde das Projekt vom südafrikanischen Millionär Mark Shuttleworth.

Beide Distributionen werden hauptsächlich mit dem Linux-Kernel verwendet und benutzen Deb-Pakete. Die hauptberuflichen Entwickler der Canonical Ltd. (Betreiber von Ubuntu) kommen aus der Debian-Community. In Foren lese ich häufig den Satz: „Alles was Ubuntu kann, kann Debian schon lange“. Dies ist zwar polemisch, aber sachlich richtig.

Unterschiede der Philosophien

Screenshot vom Ubuntu Software-Center mit Steam Werbung

Währenddessen an Debian weltweit viele tausend ehrenamtliche Entwickler mitarbeiten, wird Ubuntu eher zentral aus London gesteuert. Durch diesen Zustand dauert die Weiterentwicklung von Debian und das Erscheinen neuer Versionen sehr lange. Währenddessen Ubuntu alle 6 Monate mit Neuerungen zu glänzen versucht. Ubuntu versucht sich ebenfalls stetig dem Normalo-PC-Benutzer, der bisher immer auf Windows setzte, anzunähern. So ist es seit der Version 12.04 LTS möglich, die Spieleplattform Steam zu installieren, worüber bis Dato 422 Spiele für die Linux-Distribution erhältlich sind.

  • Mit speziellen Paketen (Wine/PlayOnLinux) ist es prinzipiell möglich, jede kommerzielle Windows-Software auch unter Ubuntu zu benutzen.
  • Die Angleichung an Windows hat jedoch einen Preis. Die Canoncial Ltd. verkauft seit Ubuntu 12.10 Daten an Amazon und hat Werbung in die „Dash-Startseite“ sowie ins „Software-Center“ implementiert.

So gesehen ist Ubuntu eine OpenSource-Software mit kommerziellen Hintergrund, währenddessen Debian ein komplett freies Betriebssystem ist.

Benutzeroberflächen und Terminal

Mit beiden Distributionen sind Sie frei in der Wahl der Benutzeroberfläche. Standardmäßig benutzt Debian GNOME 3 und Ubuntu das eigens entwickelte Unity. Das wechseln der Oberflächen zu KDE oder Xcfe ist sehr einfach.

Wechseln Sie in Ubuntu die Benutzeroberfläche, ändert sich der Distributionsname in Kubuntu (KDE) oder Xubuntu etc. Oftmals wird in Foren deshalb auch von *buntu gesprochen. Egal, welche Oberfläche * benutzt wird, das buntu ist immer gleich und kommt von der Canoncial Ltd. In Debian wird im Gegensatz dazu einfach die Oberfläche mit angegeben, beispielsweise Debian 7.1 (KDE).

Die Bedienung des Terminals ist völlig identisch. In Debian ist es möglich direkt ein „root-Terminal“ zu öffnen, in Ubuntu erreichen Sie dies mit dem Befehl sudo -s. Zum Installieren von Paketen greifen beide Distributionen auf den Debian basierten Dienst APT zurück.

Unterstützung für Anfänger

Nicht nur aufgrund der Zusammenarbeit mit Dell werden statistisch gesehen im Frühjahr 2015 zirka 200 Millionen Menschen Ubuntu benutzen. Damit ist es die weltweit am meisten genutzte Linux-Distribution. Demnach sprießen Support-Foren, Wikis und Blogs für Ubuntu aus dem Boden und bieten gerade Anfängern eine sehr gute Unterstützung.

Der Support bei Debian ist hingegen sehr eingeschränkt. Die Einträge im deutschen Wiki sind entweder veraltet oder nicht mehr vorhanden und in den wenigen deutschen Foren treiben sich meist elitäre Menschen herum die auf völlig abgehobene Weise kommunizieren.

Fazit

Ich habe versucht Ihnen kontrovers die grundlegenden Unterschiede zwischen Ubuntu und Debian zu erläutern. Sie können nun für sich selbst entscheiden, welche Distribution besser zu Ihnen passt. In den nächsten Artikeln meiner Serie gehe ich auf die konkreten Unterschiede im Praxisbetrieb ein.

Verwandte Themen:

Umsteigen auf Ubuntu – Empfehlungen
Debian aktualisieren – Anleitung

(Screenshots: Debian 7.4 mit KDE und Ubuntu 12.04 LTS)

Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


Kategorie: Blog
  • Sebastian sagt:

    Hi Sascha, erstmal möchte ich mich für die super Zusammenfassung bedanken. Ich möchte meine zwei Geschäftsrechner weg von Windows 7 auf ein Linux System umstellen bin gerade am überlegen ob ich Debian oder Ubuntu verwende. Nach dem Artikel tendiere ich wohl zu Ubuntu 14.04 LTS. Btw. find ich deinen Blog genial wie du dich tiefgründig mit den einzelnen Problemen auseinandersetzt. Grüßle Sebi

    • André sagt:

      Guten Tag zusammen, ich betreibe eine kleine Agentur für Personaldienstleistungen und setze seit 2010 Debian auf meinen 3 Arbeitsrechnern ein. Jetzt habe ich neue Rechner angeschafft und Debian 7 supported leider die Hardware nicht mehr richtig. Vor allem Grafik und WLAN werden nicht erkannt. Deshalb kam ich hier her um mich über das aktuelle Ubuntu zu informieren. Ich finde schade dass Debian nur so selten geupdated wird, die Version 8 ist schon lange angekündigt aber leider nicht in Sicht. Da es sich um Arbeitscompuer handelt kann ich auch die unstabile Experimentierversion nicht verwenden. Jetzt werde ich wahrscheinlich Ubuntu mit Gnome Desktop installieren damit meine Mitarbeiter sich nicht zu sehr umstellen müssen.

  • Ice_Sven sagt:

    Ein fettes Danke für die Zusammenfassung, hat mir meine Wahl für meine Workstation sehr erleichtert. Ich total angekotzt ständig Betriebssystem wechseln zu müssen obwohl alles läuft.

  • Barthul04 sagt:

    Hey Kilo =)
    Ich bin im ersten Semester und habe für die Uni ein Asus Netbook gekauft wo Windows 7 drauf ist. Nachdem ich jetzt einige deiner Debian Berichte durchgelesen habe, installiere ich jetzt Debian 7 Wheezy. Ich hoffe das ich dann solange ich studiere mir keine Gedanken mehr, um Antivirenprogramme, Sicherheitslücken und neue Versionen machen muss. Das bei Ubuntu jedes halbe Jahr ne neue Version rauskommt würde mich zu sehr stressen, außerdem glaube ich nicht das mein Netbook das 14er packen würde. Nette Grüße und weiter so.

  • Jeremy Molder sagt:

    Hi ein sehr sehr guter Beitrag! Ich besitze eine KFZ-Werkstatt in Rheinsfelden mit drei Computern. Die Microsoft Lizenzen für Windows 8.1 und Office kosten mich im Jahr für diese drei Computer knapp 600€ und das bin ich nicht mehr bereit zu bezahlen. Meine Frau hat ein Apple Laptop mit Mac Betriebssystem und ist damit sehr zufrieden, aber ich denke die Zukunft liegt bei Linux. Ich werde im Frühjar jemanden beauftragen meine Computer auf Debian umzurüsten und eventuell aufzurüsten. Danke und nette Grüße von KFZ-Molders!

  • Markus Berger sagt:

    Halli Hallo ich benutze seit 2010 Ubuntu auf meinem Bürorechner zu Hause und war immer mehr als zufrieden. Die letzten Tage vollzog ich dann das automatische Upgrade auf die Version 14.04 und bin nur noch enttäuscht. Mein relativ neuer Computer ist nur noch langsam und mir fehlen die vier Kästchen zum Desktop wechseln in der Taskleiste. Die Dashbox braucht man gar nicht öffnen, nur Werbung die ewig nachlädt und alles noch langsamer macht. Ich überlege mir jetzt auf Debian umzusatteln auch wenn ich damit noch überhaupt keine Erfahrung habe. Wann kommt eigentlich Debian 8, denn die Version 7 ist doch auch schon uralt oder? Viele Grüße Markus

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