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Anleitungen vom Webworker

Cookies

Was ist eigentlich ein Internet Cookie? Überall im Internet steht, dass Cookies (deutsch Kekse) gespeichert und verwendet werden aber nirgendwo, was diese konkret bezwecken. Warum kam man früher ohne Cookies aus und jetzt sind diese überall? Sind Cookies wirklich böse, spähen mein Internetverhalten aus und übertragen meine Aktivitäten über Google an die NSA? Wie kann ich alle Cookies löschen oder noch besser blockieren? Mein Bruder hatte mal Cookies und hat sich davon fast nicht mehr erholt. Warum gibt es keine Gesetze gegen Cookies? Fragen über Fragen, die ich an dieser Stelle im Einzelnen für Sie kläre.

Was machen Cookies genau?

Screenshot von CookiesEin Cookie ist ein Datenpaket, welches mithilfe Ihres Webbrowsers (Firefox, Chromium) auf Ihrem Computer lokal gespeichert wird. Cookies sind in IT-Jahren gerechnet uralt. Bereits seit 1995 befindet sich die durch das US-Unternehmen Netscape Communications (Netscape Navigator) entwickelte Technologie im Einsatz.

Die Funktionsweise von Cookies ist sehr einfach:

  • Sie kommen das erste Mal auf eine Webseite, die sich durch Werbung finanziert.
  • Das Werbenetzwerk (Schaltplatz, Google AdSense, Amazon etc.) speichert ein Cookie bei Ihnen auf dem Computer. Darin steht in der Regel nur eine Zahlenkombination.
  • Auf dem Server des Werbenetzwerks wird eine Karteikarte mit dieser Zahlenkombination für Sie angelegt und Daten von Ihnen gespeichert.
  • Damit ist Ihr Computer dem Werbenetzwerk bekannt. Surfen Sie auf eine andere Webseite, die auf dasselbe Werbenetzwerk setzt, erkennt dieses Sie wieder und fügt Ihrer Karteikarte auf dem Server weitere Einträge hinzu.

Cookies dienen also zur Identifikation eines Benutzers.

Was wird durch Cookies gespeichert?

Das ist nicht pauschal zu beantworten und kommt auf den Dienst an. So gut wie immer gespeichert werden:

  1. Computerdaten: Verwendeter Browser, Betriebssystem, Bildschirmauflösung, IP-Adresse, Sprache.
  2. Zeit: Uhrzeit und Datum.
  3. Art: Was hat Ihr Webbrowser wo angezeigt.

Um beim Beispiel Werbenetzwerk zu bleiben, sind diese Daten sehr wichtig. Internetwerbung wird auf verschiedene Arten vergütet, zum Beispiel per Klick auf eine Werbeanzeige.

  • Würde das Werbenetzwerk keine Informationen von Ihnen speichern, könnten Sie immer und immer wieder auf eine Werbeanzeige klicken, und damit einen Webseitenbetreiber besonders gut unterstützen.

Durch Cookies ist es also möglich dem Anzeigenschalter zu garantieren, dass dieser nur bezahlen muss, wenn sich jemand wirklich für seine Anzeigen interessiert.

Wie Sie sehen, sind bis hierhin Cookies sehr nützlich. Die Identifikation durch Cookies wird auch durch andere Dienste zwingend benötigt:

  • Webshops: Nur durch sogenannte Session-Cookies ist es möglich, als nicht eingeloggter Benutzer Produkte in einem Warenkorb zu speichern.
  • Besucherzähler: Ohne Cookies würden Sie immer als neuer Besucher einer Webseite gezählt werden. Somit würde man nie wissen, wie viele Menschen sich wirklich für die bereitgestellten Informationen interessieren. Auch Verwertungsgesellschaften wie die VG-Wort arbeiten mit Cookies als Grundlage für die Vergütung von Internetartikeln.
  • Verwandte Themen: Sie kennen das vielleicht von YouTube. Sehen Sie sich als nicht eingeloggter Benutzer einige Videos von BibisBeautyPalace an, bekommen Sie Videos von Kelly MissesVlog bzw. Nilam vorgeschlagen. Je mehr Sie dieses inhaltsvolle Genre genießen, umso mehr andere passende Kanäle werden Ihnen dank Cookies auf der Startseite präsentiert.
  • Aktualität: Manche Online-Zeitungen informieren Sie via Pop-up, wenn ein neuer Artikel auf der Startseite erschienen ist. Durch Cookies ist es also ebenso möglich zu sehen, wie aktuell die Informationen sind, die Ihr Webbrowser geladen hat.

Cookies helfen also wirklich, um Internetdienste stark zu verbessern. Wie Sie außerdem anhand der Beispiele feststellen können, gibt es temporäre Cookies (session cookies) und beständige Cookies (persistent cookies).

Temporäre Cookies werden mit dem Schließen des Webbrowser gelöscht, währenddessen beständige Cookies dauerhaft gespeichert bleiben.

A cookie that is erased when you close the Web browser. The session cookie is stored in temporary memory and is not retained after the browser is closed.

Beal, Vangie: What are Cookies and What Do Cookies Do? webopedia.com (09/2015).

Probleme mit dem Datenschutz

Wenn Sie eine Werbeanzeige für Afri Cola klicken, speichert das Werbenetzwerk natürlich, dass sich der Benutzer Ihres Computers für dieses Produkt interessiert. Prinzipiell kein Problem.

Wenn das Werbenetzwerk jedoch weiß, wie Sie heißen, wo Sie wohnen, wie alt Sie sind, wo Sie arbeiten und für welchen Fußballverein Sie sich interessieren, kann es problematisch werden.

Google speichert von Ihnen zum Beispiel:

Dies sind etwa Ihr Name, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre Telefon- oder Kreditkartennummer, die im Zusammenhang mit Ihrem Konto gespeichert werden. […] Wenn Sie sich ein Video auf YouTube ansehen, eine Website besuchen, auf der unsere Werbedienste verwendet werden, oder wenn Sie unsere Werbung und unsere Inhalte ansehen und damit interagieren.

Google: Datenschutzerklärung & Nutzungsbedingungen. google.de (09/2015).

Aufgrund der Google-Dienste Analytics, Android, AdSense, Gmail, YouTube, Chromium und Google Plus hat das Unternehmen aus Mountain View viele Möglichkeiten einen Benutzer zu identifizieren und ein genaues Personenprofil anzulegen.

Retargeting-Cookies sind böse:

Um an persönliche Daten zu kommen, werden sogenannte Retargeting-Cookies eingesetzt. Damit werden Sie zum gläsernen Menschen.

Google ist damit faktisch in der Lage, über längere Zeiträume genau nachzuvollziehen, welche Seiten welcher Benutzer in welcher Häufigkeit aufgerufen hat, mithin für welche Produkte und Services er sich ganz besonders interessiert.

Kläner, Tobias: „Retargeting“: Verfolgt von Internet-Werbung. telemedicus.info (09/2015).

Als Ergebnis erhalten Sie ein auf Sie personifiziertes Web. Egal, ob Suchergebnisse in der Google-Suchmaschine oder Werbeanzeigen, alles wird auf Ihre Interessen zugeschnitten.

Ich habe heute nach einem bestimmten Teppich gegoogelt und auch ein Exemplar gefunden. Angeklickt, kurz überlegt und dann doch wieder verworfen. Beim Anschauen diverser Webseiten aus meinen Favoriten verfolgt mich jetzt nun genau dieser Teppich immer und immer wieder.

Dave Zwieback: Hilfe, Google verfolgt mich! planet3dnow.de (09/2015).

Natürlich verwendet nicht nur Google Retargeting-Cookies und deshalb beschloss am 25. November 2009 das Europäische Parlament die E-Privacy-Richtlinie 2009/136/EG, die bis spätestens 25. Mai 2011 in nationales Recht umgesetzt werden sollte. Grob zusammengefasst sollte nach dieser Richtlinie der Webseitenbesucher vor dem Speichern eines Cookies um Erlaubnis gefragt werden. Die Bundesregierung hat diese Richtlinie jedoch nie im Detail in ein nationales Gesetz umgesetzt, da Cookies bereits im Telemediengesetz geregelt werden. In manchen europäischen Ländern können Sie eine Webseite nicht vollständig benutzen, solange Sie dem Speichern der Cookies nicht zugestimmt haben (ein italienisches Beispiel).

Seit Sommer 2015 werden immer mehr deutsche Webseiten mit einem Cookie-Warnbanner verziert. An der rechtlichen Lage hat sich jedoch seither nichts geändert. Der Grund für diese Maßnahme ist, dass Teilnehmer des AdSense-Werbenetzwerkes ab dem 01. Oktober 2015 von Google dazu gezwungen werden.

Google weist Nutzer von AdSense, DoubleClick for Publishers und DoubleClick Ad Exchange darauf hin, dass sie einen Cookie-Hinweis auf ihren Webseiten und in Apps einsetzen müssen.

Schwenke, Thomas: Google macht Cookie-Hinweise zur Pflicht – Handlungsempfehlung für Website- und Appanbieter. rechtsanwalt-schwenke.de (09/2015).

Immer wenn Sie auf eine Webseite kommen, die Google-AdSense-Retargeting-Anzeigen verwendet, werden Sie also einen Hinweis dazu sehen. Wenn Sie diesen Hinweis lesen, wurde jedoch bereits ein Cookie gespeichert. Das Ganze dient nur Ihrer Information.

Es geht nur darum, den User zu informieren, dass hier Cookies gesetzt werden und ob er das verstanden hat. Mehr nicht. Es geht weder um seine Zustimmung zu Cookies noch um seine Ablehnung. Nur ob er es zur Kenntnis genommen hat.

Eric78: Richtlinie zur Zustimmung der Nutzer in der EU. abakus-internet-marketing.de (09/2015).

Ich will keine Cookies – wie geht das?

Eines vorweg, bei den Online-Ausgaben der Leitmedien werden in der Regel 11 – 23 Cookies pro Seitenaufruf gespeichert. Woher ich das weiß? Ich versuche mithilfe von Firefox Add-ons die Kontrolle über meine Cookies zu behalten.

Leichte Kontrolle mithilfe von Ghostery:

Screenshot von Ghostery Cookie AnzeigeNach der Installation dieses kostenlosen Add-ons sehen Sie in Ihrer Firefox-Werkzeugleiste einen blauen Geist. Dieser zeigt Ihnen zum einen an, wie viele Cookies die angezeigte Seite speichern möchte und zum anderen, ob Sie dies zulassen oder nicht. Vorteil: Dabei werden mit sehr wenigen Ausnahmen nur Cookies angezeigt, welche die Benutzung der Webseite nicht einschränken. Nachteil: Ghostery gehört zu einem Anzeigennetzwerk. Sie sollten in den erweiterten Einstellungen des Add-ons deshalb auf jeden Fall den Punkt „Ghostery erlauben, Nachrichten zu Produktinformationen, Updates und Werbeaktionen in meinem Browser anzeigen“ deaktivieren.

Mehr Kontrolle für Profis mit Privacy Badger:

Nach der Installation von Privacy Badger finden Sie einen Dachs in Ihrer Werkzeugleiste. Dieser zeigt Ihnen ebenfalls an, wie viele Cookies eine angesurfte Webseite speichern möchte. Unterschied zu Ghostery: Privacy Badger zeigt alle Cookies an, auch diejenigen, die zur Darstellung und Funktion einer Webseite notwendig sind.

  • Privacy Badger unterscheidet außerdem zwischen Cookies, die den Benutzer verfolgen und normalen Cookies.
Kontroversen zum Deaktivieren von Cookies

Sowohl ein konfiguriertes Ghostery als auch Privacy Badger ersetzt einen Adblocker. Es gibt auch keine Möglichkeit, dass Werbenetzwerke sich freikaufen, da heutzutage für die Anzeige von Werbebannern immer mindestens ein Cookie vonnöten ist.

Meiner Meinung nach ist verglichen mit amerikanischen Webseiten, die Qualität (Informationsgehalt) des deutschsprachigen World Wide Webs unterirdisch. Was vor allem daran liegt, dass sich Online-Angebote in Deutschland kaum rechnen. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob man diesen Umstand durch das gezielte Verhindern von Cookies noch weiter fördern möchte.

Eins ist sicher, Google und Co. werden ihr Retargeting nicht einstellen. Sollte irgendwann jeder Internetbenutzer Google-Cookies blockieren, stehen mit HTML5 und Canvas Fingerprinting bereits neue und vor allem bessere Technologien zur Benutzeridentifizierung bereit.

As we elaborate on in Section 6.1, they are hard to block, especially without loss of content or functionality, and once some tracking has happened, it is hard to start from a truly clean pro le.

Acar, Gunes und Eubank, Christian: The Web Never Forgets:
Persistent Tracking Mechanisms in the Wild. securehomes.esat.kuleuven.be (09/2015).

Fazit und kein Grund zur Beunruhigung

Meine Schwester verfügt seit gut drei Jahren über ein Smartphone und seit einem Jahr über einen Tablet-PC, beides mit Android. Sie hat ein Google-Konto und verwendet natürlich Chromium als Webbrowser. Sie hat keinen Ad- oder Cookie-Blocker und kauft via Amazon, Ebay und Co. online ein. Google dürfte so ziemlich alles über sie wissen. Ihr Leben wurde dadurch jedoch nicht beeinträchtigt. Ich muss allerdings dazu sagen, dass das Internet für meine Schwester ohnehin nur eine Shopping-Meile mit Facebook ist.

Eine Dämonisierung von Cookies ist also unnötig, und wie ich zeigte, hat jeder Internetbenutzer das Recht und die Möglichkeit selbst zu entscheiden, ob und welche Cookies er zulässt.

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(Screenshots Ghostery 5.4.8 und Privacy Badger 1.0.1)

Mein Name ist Sascha, das Internet und ich sind seit 1997 gute Freunde. Es gibt mir Entertainment, Moneten und Liebe, dafür gebe ich ihm seit 2009 vielseitige, multimediale Anleitungen auf den verschiedensten Präsenzen. Wäre ich nicht Webworker, würde ich wahrscheinlich für die Camorra das Heimnetzwerk auf Debian umstellen und verwalten. Als Familienmensch liebe ich nämlich Süditalien, das dortige Essen und die spätabendlichen Arbeitszeiten.


Kategorie: Blog
Tag:
  • Reinhard sagt:

    Ich (Bj. 51) grüße und danke, hatte mich in letzter Zeit immer häufiger gefragt, warum jede Internetseite mit einem Cookie Hinweis versehen ist. Nun bin ich schlauer. Ich wünsche einen guten Tag – Reinhard Lechner, Mainz.

  • Albert Baumann sagt:

    Okay danke, ich hatte mich die ganze Zeit gefragt was es mit diesen Hinweisbannern auf jeder Seite auf sich hat. Die Deutschen werden echt immer mehr für dumm verkauft überall muss ein Hinweisschildchen stehen. Ich habe schon immer regelmäßig meinen Browser (Mozilla Firefox) bereinigt und von daher nie das Problem gehabt, dass mich Werbung verfolgt.

  • Lotzi sagt:

    Wahnsinn danke für die verständliche Zusammenfassung. Ich habe mir auf Ihren Hinweis hin nun auch Privacy Badger in meinen Mozilla Firefox (Windows 10) installiert. Hier wird ja bereits angezeigt, ob es sich um Retargeting Cookies handelt, die einen verfolgen. Wie Sie selbst sagen, ist es vor allem die Personifizierung, die alle stört, ich will ein neutrales Internet angezeigt bekommen. Jedoch diese Banner sind willkürlicher EU-Wahnsinn, ich kann nur hoffen, dass sich dieses Konstrukt bald selbst in Luft auflöst.

  • Leopold Rahn sagt:

    Hallo großes Lob, selbst ich habe das Cookie Desaster zumindest annähernd verstanden. Ich verbringe jährlich meinen Urlaub in Tansania bei Verwandten und man würde die Cookie Banner dort als „First World Problems“ bezeichnen 😀 Wenn ich die ganzen Spaten beim Einkaufen sehe, die ihr Smartphone über den Kassenscanner ziehen, um Punkte zu sammeln wundert es mich aber nicht, dass man für alles Warntafeln benötigt wo am Ende keiner mehr weiß, was diese bedeuten.

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